Sanae Takaichi

„Eiserne Lady“ wird Japans erste Premierministerin – und steht vor gewaltigen Herausforderungen

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Erstmals wird eine Frau japanische Regierungschefin. Sanae Takaichi muss die Wirtschaft in Schwung bringen – und eine rechtsextreme Kleinpartei in Schach halten.

Japan bekommt erstmals eine Premierministerin: Am Dienstag wählten beide Kammern des japanischen Parlaments Sanae Takaichi zur ersten Frau an der Spitze des Landes. Die 64-Jährige erhielt überraschend mehr Stimmen, als ihre Regierungskoalition im Unterhaus hat. Sie steht nun vor der Aufgabe, Japan aus einer wirtschaftlichen und politischen Krise zu führen, die das Land seit Jahren lähmt. Vor allem eine hohe Inflation und steigende Lebensmittelpreise machen den Japanern zu schaffen. Takaichis LDP wiederum kämpft nach einem Spendenskandal, der zwei ihrer Vorgänger das Amt gekostet hat, mit einem nie dagewesenen Vertrauensverlust.

Am Dienstag wurde Sanae Takaichi zur japanischen Premierministerin gewählt.

Hinter Takaichi liegen nervenaufreibende Tage, zuletzt sah es so aus, als könnte sie kurz vorm Ziel doch noch scheitern. Zwar gewann Takaichi Anfang Oktober die Wahl um den Vorsitz der seit 1955 fast ununterbrochen regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), deren Chefs in der Regel auch Premierminister werden. Doch dann verließ die buddhistische Kleinpartei Komeito nach mehr als einem Vierteljahrhundert die Koalition mit der LDP.

Japans neue Regierungschefin Takaichi steht für ein konservatives Familienbild

Komeito warf Takaichi vor, den Ende 2023 aufgedeckten Spendenskandal ihrer Partei nicht ernsthaft genug aufzuarbeiten. Takaichi stand auf einmal ohne Partner da, eine für vergangene Woche angesetzte Abstimmung im Parlament wurde abgesagt, die japanischen Börsenkurse brachen ein. In Tokio begann eine hektische Suche nach neuen Verbündeten, fündig wurde Takaichi schließlich bei der Japan Innovation Party (JIP), einer populistischen Regionalpartei aus Osaka. Versuche der Opposition, sich auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten zu einigen, endeten ohne Ergebnis.

Obwohl Sanae Takaichi die erste Regierungschefin Japans ist, vertritt sie ein eher konservatives Familienbild. So hat sie sich gegen die Einführung der Ehe für alle ausgesprochen. Außerdem lehnt sie eine Änderung eines Gesetzes ab, das verheiratete Paare dazu verpflichtet, einen gemeinsamen Nachnamen zu tragen, was in der Praxis meist dazu führt, dass Frauen den Familiennamen ihres Mannes annehmen. Auch an der männlichen Thronfolge des japanischen Kaiserhauses will sie – genauso wie der Koalitionspartner JIP – festhalten.

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Dass Japan nun erstmals eine Premierministerin bekommt, könnte die sehr männlich dominierte Gesellschaft des Landes dennoch verändern. Frauen sind auf Spitzenposten in der japanischen Politik bislang selten, auch in der Wirtschaft haben vor allem Männer das Sagen. Als ihr Vorbild hat Takaichi mehrfach die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher genannt. Die als „Eiserne Lady“ bekannte Thatcher habe starke Überzeugungen mit „weiblicher Wärme“ verbunden, so Takaichi, die begeisterter Baseball-Fan ist und eine Vorliebe für Heavy Metal hat.

Vor allem in Fragen der Wirtschafts- und der Außenpolitik gebe es Schnittmengen zwischen der LDP und ihrem neuen Koalitionspartner JIP, sagt die Japanologin Gabriele Vogt von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Wirtschaftspolitisch will Takaichi zurück zur Politik großzügiger Subventionen, um Japan aus der wirtschaftlichen Stagnation zu führen.“ Unter dem Schlagwort „Abenomics“ war diese Mischung aus lockerer Geldpolitik und Schuldenmachen das Markenzeichen des 2022 ermordeten Premierministers Shinzo Abe, der als politischer Ziehvater von Takaichi gilt.

Mit Steuersenkungen und mehr Staatsausgaben will die neue Premierministerin der japanischen Wirtschaft den dringend benötigten Schwung verleihen; es wäre eine Abkehr von der Wirtschaftspolitik ihres Vorgängers Shigeru Ishiba, der Haushaltsdisziplin zum Kern seiner Politik gemacht und vor einer explodierenden Staatsverschuldung gewarnt hatte.

Japans neue Regierungschefin ist China ein Dorn im Auge

Außenpolitisch setzen LDP und JIP auf eine weitere Annäherung an die USA und Donald Trump, mit dem Ishiba im Sommer einen Handelsdeal aushandeln konnte. Verschlechtern dürften sich hingegen die Beziehungen zum Nachbarland China: In den vergangenen Jahren hatte Takaichi mehrfach den Yasukuni-Schrein in Tokio besucht, in dem Japan seine Kriegstoten ehrt, darunter auch mehrere verurteilte Kriegsverbrecher. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Japan weite Teile Asiens besetzt, in China fielen der japanischen Aggression Millionen Menschen zum Opfer. Entsprechend versteht Peking Besuche des Schreins als Provokation.

Zudem strebe Takaichi eine Verfassungsänderung an, „die Japan eine aktivere sicherheitspolitische Rolle zugestehen würde“, sagt Vogt. Bislang schränkt die pazifistische Nachkriegsverfassung den Einsatz der japanischen Armee, der sogenannten Selbstverteidigungsstreitkräfte, stark ein. Vor allem nationalistische Kreise, auch innerhalb der LDP, machen sich schon länger für eine entsprechende Reform der Verfassung stark.

Allerdings verfügen LDP und JIP im japanischen Parlament nach Wahlen in beiden Parlamentskammern über keine eigene Mehrheit. Um zu regieren, ist sie auf Unterstützung aus der Opposition angewiesen. „Um Gehör bei den Oppositionsparteien zu finden, wird es für Takaichi wichtig sein, ihre teils hochumstrittenen rechts-nationalen Positionierungen zu dämpfen“, sagt Vogt.

Gleichzeitig dürfte Takaichi davor zurückschrecken, zu sehr in die politische Mitte zu rücken. Denn seit einer Oberhauswahl vor wenigen Monaten droht ihrer LDP Konkurrenz von rechts außen, die bis dahin weitgehend unbekannte Kleinpartei Sanseito konnte mit einem ausländerfeindlichen Wahlkampf die Zahl ihrer Sitze in der zweiten Parlamentskammer von einem auf 15 steigern. Vorausgegangen waren landesweite Debatten über die Frage, ob in Japan zu viele Ausländer leben. Deren Anteil war zuletzt auf – für japanische Verhältnisse hohe – drei Prozent gestiegen. Die rechtskonservative Takaichi sei auch deshalb zur Vorsitzenden der LDP gewählt worden, um zu verhindern, dass die Partei weiter Wählerinnen und Wähler an Sanseito verliert, sagt Japan-Expertin Vogt. (Quellen: Eigene Recherchen, Gabriele Vogt, Japan Times, Kyodo, Reuters)

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