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Brisanter Bericht: Ehemalige US-Beamte sollen Gespräche mit Russland geführt haben. Thema unter anderem war wohl auch eine mögliches Ende des Ukraine-Kriegs.
New York – Heikler Medienbericht zum Ukraine-Krieg aus den USA: Laut dem US-Sender NBC sollen frühere US-Beamte sich zu Geheimgesprächen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow getroffen haben, um über Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs zu sprechen. Das Brisante an dem Bericht: Das Treffen geschah wohl ohne ausdrücklichen Wunsch von US-Präsident Joe Biden oder dessen Administration.
Schließlich lautet das offizielle Kredo der US-Regierung: Nichts über die Ukraine ohne die Ukraine – Gespräche ohne Beteiligung Kiews werden ausgeschlossen. Besonders im Zusammenhang mit möglichen Friedensverhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Allerdings scheint es so, als hätte eine Gruppe ehemaliger hochrangiger US-Beamter diese Leitlinie außer Acht gelassen und sich dennoch mit prominenten Vertretern Russlands hinter den Kulissen beraten.
Ende des Ukraine-Kriegs: US-Beamte führten wohl Verhandlungen mit Russlands Außenminister Lawrow
Prominentester Teilnehmer der Verhandlungen soll Russlands Außenminister Sergej Lawrow gewesen sein. Der Topdiplomat des Kremls soll zumindest in einem Fall anwesend gewesen sein, als über den Grundstein für Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs diskutiert wurde. Der US-Sender verweist dabei auf ein halbes Dutzend Personen, die über die Diskussionen informiert waren.
Auf der Agenda des Treffens mit Sergej Lawrow, das im April in New York stattgefunden haben soll, standen dem Bericht nach einige der heikelsten Themen des Ukraine-Kriegs. Unter anderem kam offenbar das Schicksal der von Russland gehaltenen Gebiete zur Sprache, die die Ukraine möglicherweise nie befreien kann. Ebenso soll die Suche nach einem schwer fassbaren diplomatischen Ausweg, der für beide Seiten erträglich sein könnte, um Friedensverhandlungen und ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs ein Teil der Beratungen eingenommen haben.
Hochrangige US-Beamte beraten angeblich mit Russland über ein Ende des Ukraine-Kriegs
In dem Medienbericht von NBC heißt es weiter, dass beim Treffen mit Lawrow unter anderem Richard Haass, ein ehemaliger Diplomat und scheidender Präsident des Council on Foreign Relations, sagten derzeitige und ehemalige Beamte. Der Gruppe schlossen sich der Europa-Experte Charles Kupchan und der Russland-Experte Thomas Graham an, beide ehemalige Beamte des Weißen Hauses und des Außenministeriums, die ebenfalls dem Council on Foreign Relations angehören.
Die beteiligten ehemaligen US-Beamten antworteten entweder nicht auf Anfragen des US-Senders oder lehnten eine Stellungnahme ab. Des Weiteren ist ebenfalls nicht bekannt, wie viele dieser Treffen stattgefunden haben sollen und wer neben Lawrow noch an ihnen teilgenommen hat.
Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs: Abseits von Lawrow werden keine Teilnehmer genannt
Aufseiten von Russland waren an den Gesprächen, die auch ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs einschlossen, offenbar Wissenschaftler, Führungskräfte großer Denkfabriken oder Forschungsinstitute beteiligt. Darüber hinaus sollen auch andere Personen im Bereich der russischen Außenpolitik anwesend gewesen sein, die wohl das Ohr von Präsident Wladimir Putin haben oder in regelmäßigem Kontakt mit den Entscheidungsträgern des Kremls stehen.
Namen nannten die Quellen aus dem Hintergrund nicht, weil sie Sicherheitsbedenken über die Teilnehmer äußerten.
Ziel der Gespräche mit Russland: Kanäle für zukünftige Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs offenhalten
Zu den Zielen, erklärten die Quellen, gehörte es, die Kommunikationskanäle mit Russland nach Möglichkeit offenzuhalten und herauszufinden, wo zukünftig Raum für Verhandlungen, Kompromisse und Diplomatie über ein Ende des Ukraine-Kriegs bestehen könnte.
Die Gespräche der ehemaligen US-Beamten fanden mit Wissen der Biden-Regierung, aber nicht auf deren Anweisung statt, und die ehemaligen Beamten, die am Lawrow-Treffen beteiligt waren, informierten anschließend den Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses, berichteten zwei der Quellen weiter. Darüber hinaus soll mindestens ein ehemaliger US-Beamter zu Gesprächen über den Ukraine-Krieg nach Russland gereist sein.
Ende des Ukraine-Kriegs: US-Verhandlungen mit Russland – Kiew stellt Position klar
Ein Beamter im Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sagte zu dem Bericht über die US-Verhandlung mit Russland zum Ende des Ukraine-Kriegs auf Anfrage von NBC: Man werde sich zu bestimmten Nachrichtenberichten, die auf ungenannten Quellen basieren, nicht äußern, die „Gesamtpostion bleibt jedoch gleich“.
„Unsere Position ist unverändert – das Schicksal der Ukraine kann nicht ohne die Ukraine entschieden werden“, sagte er über die klare Vorstellung Kiews zu einem Ende des Ukraine-Kriegs. „Der Präsident und alle unsere offiziellen Sprecher haben oft darüber gesprochen. Nicht anonym, sondern ganz konkret und öffentlich.“ Ungeachtet der Position der Ukraine mehren sich die Anzeichen dafür, dass die USA und ihre Verbündeten darauf warten, dass Moskau und Kiew im Herbst zu Friedensverhandlungen übergehen, nachdem die laufende Gegenoffensive der Ukraine abgeschlossen ist.
Darauf deutet auch der jüngste Besuch des CIA-Direktors William J. Burns in Kiew hin. Der Geheimdienst-Chef hat dort wohl von dem ukrainischen Plan der „maximalen Vernichtung“ erfahren, der Russland zu einem Ende des Ukraine-Kriegs zwingen soll.
