Er selbst wird Chef auf Lebenszeit

Trump startet in Davos seinen „Friedensrat“ – die Details schocken Europa

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Bei Trumps Auftritt in Davos könnte es neben Grönland einen zweiten Hammer geben: die Details zum Friedensrat, den der US-Präsident dort feierlich startet.

Davos – Die UN ist US-Präsident Donald Trump schon länger ein Dorn im Auge: Sie verschwende Gelder und fördere die illegale Migration in den USA, findet er. Trump will nun seine eigene internationale Organisation zur Wahrung von Frieden weltweit gründen. Der feierliche Start soll morgen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sein. Gut möglich, dass die Details, die Trump dann präsentiert, für Europa ein noch größerer Schock werden als seine geplante Grönland-Annexion.

Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Jahr 2020. Diesmal könnte seine Rede die Welt schockieren.

Am morgigen Donnerstag (22. Januar) um 10.30 Uhr soll in Davos die Charta von Trumps „Friedensrat“ („Board of Peace“) feierlich unterzeichnet werden. Die Satzung wurde erst vergangene Woche an Dutzende Staats- und Regierungschefs versandt und hat diese völlig überrumpelt, heißt es.

Details zum Friedensrat: Völlige Machtkonzentration bei Trump – auf Lebenszeit

Frappierend: War der Friedensrat von Trump doch eigentlich zur Überwachung des Friedens im Gazastreifen gegründet worden, kommt das Wort Gaza in den 13 Kapiteln der „Charta“ gar nicht mehr vor. Stattdessen bedeuten die Eckpunkte einen kompletten Zuschnitt des Gremiums auf die Person Donald Trump:

  • Trump selbst soll der Vorsitzende des neuen Friedensrats sein.
  • Ein Ersatz des Vorsitzenden könne nur „durch freiwilligen Rücktritt oder aufgrund von Geschäftsunfähigkeit erfolgen“, ist also nicht an Trumps Amtszeit als US-Präsident gebunden.
  • Trump als Vorsitzender hat ein Vetorecht und kann andere Mitglieder überstimmen.
  • Trump kann seinen Nachfolger eigenmächtig festlegen.
  • Die Zusammensetzung des Vorstands des „Friedensrats“ liegt laut der „Charta“ ausschließlich in Trumps Händen. „Der Vorstand wird vom Vorsitzenden ausgewählt und setzt sich aus international anerkannten Persönlichkeiten zusammen“, heißt es.
  • Die Vorstandsmitglieder sollen für jeweils zwei Jahre ernannt werden. Der Vorsitzende – also Trump – „kann sie abberufen, eine Verlängerung ist ihm jedoch möglich“.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Friedensrat plötzlich doch nicht nur für Gaza – Baerbock besorgt über Zukunft der UN

Ursprünglich hatte Trump den Friedensrat zur Überwachung einer Übergangsregierung im Gazastreifen konzipiert. Andere Länder begrüßten dies damals. Relativ unbeobachtet von der Öffentlichkeit hat Trump den Fokus des Rates nun erweitert. Der durchgesickerten Satzung zufolge soll die Organisation jetzt global „Frieden in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten sichern“ und damit weit über Gaza hinaus agieren.

Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, macht sich im Zuge von Trumps Plänen Sorgen um die Zukunft der Vereinten Nationen. „Die UN steht nicht nur unter Druck, sondern wird regelrecht angegriffen“, sagte die Ex-Außenministerin beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Es werde immer klarer, dass nicht mehr alle Mitglieder „an einem Strang ziehen“. 

Baerbock hält Trumps Friedensrat für unnötig – UN sei „unabhängig von Reichtum und Macht“

Baerbock erinnerte daran, dass alle 193 Mitgliedstaaten der UN bei der Generalversammlung jeweils einen Sitz und eine Stimme hätten – „unabhängig von Reichtum oder Macht“. Sie betonte: „Die UN-Charta ist die gemeinsame Lebensversicherung der Welt.“ Eine neue Organisation zur Sicherung des globalen Friedens halte sie für unnötig, sagte Baerbock zur dpa.

Trump allerdings will eine Alternative zur UN: Vergangene Woche hat er bereits etwa 60 Staats- und Regierungschefs dazu eingeladen, sich seinem internationalen Friedensrat anzuschließen, darunter Deutschland und China. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin erhielt eine Einladung, wie das Präsidialamt in Moskau mitteilte. Einige Staaten haben bereits ihre Teilnahme zugesagt, darunter Ungarn, Belarus, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Argentinien, Albanien und Israel.

Trump will mit Friedensrat „Koalition williger Staaten“ – Will er die UN abschaffen?

Kanzler Friedrich Merz hat dem Friedensrat zwar noch keine öffentliche Absage erteilt. Eine Zustimmung zu der Charta in ihrer jetzigen Form dürfte für ihn aber nicht infrage kommen. Man unterstütze prinzipiell jede Maßnahme, die zu Frieden und Stabilität im Gazastreifen beitrage, heißt es aus Regierungskreisen. Sie müsse sich aber „im Rahmen der völkerrechtlichen Ordnung“ bewegen.

Ziel des Friedensrats ist laut der Trump-Regierung, „eine Koalition williger Staaten zu bilden, die sich zu praktischer Zusammenarbeit und wirksamem Handeln verpflichten“. Bisher ist die UN das zuständige Gremium dafür. Doch die Sorge besteht, dass Trump eine Alternative dazu schaffen und die Vereinten Nationen vielleicht sogar überflüssig machen will. ⁠

Trump selbst sagte laut Reuters auf die Frage, ob er die Weltorganisation ersetzen wolle, man müsse die UN weitermachen lassen, ihr Fortbestand sei gerechtfertigt. Gleichzeitig warf er der Organisation vor, nicht ⁠wirklich hilfreich zu sein und ihr Potenzial ⁠nicht auszuschöpfen.

Reaktionen auf Friedensrat von Trump: Frankreich sagt ab und bekommt Zölle angedroht

Europäische Staaten sind bezüglich des geplanten Friedensrats in einem Dilemma: Sie befürchten einen weiteren Machtverlust, sollte Trump in einem Gremium mit China und Russland ohne europäische Beteiligung Abkommen schließen. Eine Nicht-Teilnahme könnte außerdem Trump verärgern.

Frankreich bekam dies schon zu spüren: Präsident Emmanuel Macron hat die Einladung zum Friedensrat vorerst abgelehnt. Trump reagierte prompt mit seinen üblichen Mitteln: Rache und Erpressung. Er drohte mit Strafzöllen von bis zu 200 Prozent auf französische Weine und Champagner.

Merz vor Dilemma: Bei Trump-Zeremonie zum Friedensrat ist er schon aus Davos abgereist

Ein weiteres Problem in Davos ist laut einem Bericht der Bild der Zeitplan: Wenn am Donnerstag um 10.30 Uhr die Unterzeichnungszeremonie stattfinden soll, werden viele Staatschefs aus Europa schon gar nicht mehr in Davos sein. Die europäischen Staatschefs treffen sich dann in Brüssel, um eine gemeinsame Strategie zur Grönland-Krise zu beraten. Auch Kanzler Merz soll direkt nach seiner Rede um 9.30 Uhr in Davos nach Brüssel abreisen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell betonte: „Wir beobachten die Entwicklungen genau und stehen in engem Austausch mit unseren Partnern. Die EU bleibt dem multilateralen System der Vereinten Nationen verpflichtet.“

Vor der Unterzeichnungszeremonie für die Charta des „Friedensrats“ morgen richten sich jedoch die Augen auf Trumps Rede in Davos heute. Dabei wird er möglicherweise weitere Details zu seinen Friedensrat-Plänen bekanntgeben, die international für Aufregung sorgen können. (Quellen: dpa, Bild) (smu)

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