Kolumne von Alexander Görlach

Treffen für Gaza startet: Trump will den „Friedensrat“ leiten – an Tony Blair scheiden sich die Geister

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Der Wiederaufbau in Gaza soll beginnen. Doch Trumps Friedensplan könnte scheitern. Und es gibt ein weiteres Problem, analysiert Alexander Görlach.

Alexander Görlach ist Geopolitik-Experte und unterrichtet an der New York University. Für IPPEN.MEDIA blickt er auf die Brennpunkte dieser Welt.

Großbritannien versucht sich an einer ersten Geberkonferenz für Gaza. Unter der Leitung von Premierminister Keir Starmer werden am Montag Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde, Saudi-Arabiens, Jordaniens, Deutschlands und Italiens in London erwartet. Hinzu kommen Repräsentanten von Entwicklungsbanken und britischer Unternehmen, die sich für den Wiederaufbau bereits in Stellung bringen. Dabei wird es schwierig, konkrete Ergebnisse zu erzielen, denn von Donald Trumps Friedensplan, die Voraussetzung für den Wiederaufbau, konnte bislang nur die erste der drei geplanten Stufen stattfinden. Nahezu alle anderen Fragen, die Zukunft Gaza und eines palästinensischen Staates betreffend, bleiben bislang unbeantwortet. Vor allem: Wird die Hamas akzeptieren, ihre Waffen niederzulegen und den Gaza-Streifen zu verlassen?

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Daher wird diese Konferenz zuerst einmal nur eine Koalition der Willigen präsentieren, die zum Wiederaufbau bereit sind, sowohl in Richtung heiliges Land als auch in Richtung USA. Denn Donald Trump, das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, scheut vor allzu detailreichen Verhandlungen zurück. Es wird daher unter Umständen an die Nationen der Region und an die Europäer fallen, das zerstörte Gaza wieder aufzubauen und eine pan-palästinensische Verwaltungs- und Regierungsstruktur, die Gaza und das Westjordanland umfassen wird, zu kreieren.

Geberkonferenz für Gaza: Rolle Tony Blairs ist umstritten

Dafür sieht Donald Trumps Plan die Schaffung eines Friedensrates vor, dem er selbst vorstehen will. Die operative Arbeit hingegen soll einer von Starmers Vorgängers, Tony Blair, übernehmen

Es wird diese Personalfrage sein, der sich die Versammelten neben den komplexen und detailreichen Zukunftsfragen für die Palästinenser und die Israelis stellen müssen. Diese Personalie beschäftigt nicht nur die britische Presse, auch in Deutschland und anderenorts wird an der Tauglichkeit von Tony Blair als Friedens-Emissär gezweifelt. Dabei steht nicht zur Debatte, ob der ehemalige Vorsitzende der Labour-Partei die Aufgabe administrativ bewältigen könne oder nicht.

Vielmehr werden Bedenken artikuliert, dass Blair aufgrund der von ihm verantworteten Beteiligung Großbritanniens am Irak-Krieg nicht der geeignete Ombudsmann für diese Herkulesaufgabe sei. Unter Premierminister Blair zog Großbritannien im Schulterschluss mit den USA in den sogenannten „Krieg gegen den Terror“, den Washington ohne UN-Mandat und unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen gegen das Regime von Saddam Hussein begonnen hatte. In dem Krieg kamen Schätzungen zufolge rund 210.000 Zivilisten ums Leben. Massenvernichtungswaffen jedoch wurden nicht gefunden.

Unterdrückung in Afghanistan: Frauen und Mädchen leiden unter dem Taliban-Regime

Kabul Flughafen
Im Jahr 2021 zogen sich die USA aus Afghanistan zurück. Zugleich rückten auch die übrigen NATO-Truppen ab, darunter die deutsche Bundeswehr. Nachdem ein Großteil der ausländischen Truppen das Land verlassen hatte, eroberten die Taliban Afghanistan in Windeseile zurück. Am 15. August 2021 übernahmen sie die Macht in dem Land.  © Imago
Frauen in Afghanistan
Trotz anfänglicher Versprechen, Frauenrechte im Rahmen der Scharia zu respektieren, erließen die Taliban bereits in den ersten Monaten zahlreiche Verbote. Diese hinderten Frauen und Mädchen daran, ihre grundlegenden Rechte auf Meinungsäußerung, Freiheit, Arbeit und Bildung wahrzunehmen. In nur wenigen Monaten höhlten die Taliban mit unvergleichlicher Härte das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung aus. © Mads Nissen/dpa
Mädchen in Afghanistan
Als eine der ersten politischen Handlungen verboten die Taliban Mädchen den Besuch von weiterführenden Schulen. Zwar liefen einige Kurse online weiter, doch zu den Prüfungen waren die Studentinnen nicht zugelassen. Ohne Bildung steigt das Risiko für Mädchen, ausgebeutet, missbraucht oder früh verheiratet zu werden. © Aref Karimi/AFP
Afghan refugee
Seit der Machtübernahme der Taliban sind die Berufsmöglichkeiten für Frauen stark eingeschränkt. Vielen wurde gekündigt, andere dürfen nur noch von zu Hause aus arbeiten. Wer noch einen Arbeitsplatz hat, braucht für den Weg dorthin einen männlichen Begleiter (Mahram). Die Berufsverbote der Frauen stürzen viele Familien noch tiefer in die Armut. Im Jahr 2023 versinnbildlichte Liza Anvary mit dieser Aufnahme, dass Frauen in Afghanistan wie in einem Gefängnis leben. Anvary arbeitete für die afghanische Regierung, ehe sie nach zwei Mordanschlägen über Pakistan nach Spanien flüchtete. © Ximena Borrazas/Imago
Lage in Afghanistan
Die Taliban erließen strenge Bewegungsfreiheits- und Kleidervorschriften für Frauen. Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nur unterwegs sein, wenn sie von einem männlichen Verwandten begleitet werden. Generell dürfen sie das Haus nur zu dringenden Besorgungen und nur vollständig verschleiert verlassen. Halten sich Frauen nicht an die Kleidervorschriften, droht ihren männlichen Verwandten Haft. © Julian Frank/dpa
Lage in Afghanistan
Das landesweite Unterstützungssystem für Überlebende sexualisierter Gewalt, das Frauenrechtlerinnen in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hatten, ist fast vollständig zusammengebrochen. Frauenhäuser mussten schließen, Mitarbeitende von Organisationen werden bedroht oder müssen verdeckt arbeiten. Das Gesetz zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen hat keine Gültigkeit mehr. © Ahmad Sahel Arman/AFP
Taliban in Aghanistan
Auf ihrem Eroberungszug durch das Land ließen die Taliban 2021 systematisch Gefangene frei. Viele von ihnen waren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt verurteilt worden. Das Frauenministerium wurde abgeschafft und durch das berüchtigte „Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhütung des Lasters“ ersetzt, das die frauenfeindlichen Erlasse des Regimes umsetzt. © Bashir Darwish/Imago
Taliban in Afghanistan
Schon vor dem Sieg der Taliban war eines von drei Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet worden. Diese hohe Zahl stieg bis 2023 weiter an. Um nicht zu verhungern, verheiraten immer mehr Eltern ihre oft noch sehr jungen Töchter gegen einen Brautpreis. Manche Familien verheiraten ihre Töchter auch, um sie vor einer Zwangsheirat mit einem Mitglied der Taliban-Miliz zu schützen. © Ahmad Sahel Arman/AFP
Taliban in Afghanistan
Frauen sind seit der Machtübernahme aus dem politischen Leben völlig ausgeschlossen. Vor der Taliban-Herrschaft waren dank einer Quotenregel 27 Prozent der Abgeordneten im Parlament Frauen. Landesweit gab es 21 Prozent Strafverteidigerinnen und 265 von insgesamt 1951 Richterinnen waren Frauen. In der neuen Regierung gibt es keine einzige Ministerin. © Wakil Kohsar/AFP
Taliban in Afghanistan
Aus Angst vor Repressionen hörten seit der Machtergreifung der Taliban 84 Prozent der Frauen, die im Journalismus tätig waren, auf, weiter in dieser Branche zu arbeiten. Die, die weitermachen, tun das unter Lebensgefahr. Inländische Medien müssen sich an strenge Inhaltsvorschriften halten. © Wakil Kohsar
Taliban in Afghanistan
Frauen, die dringend benötigte humanitäre Projekte umsetzen, können nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt arbeiten. Seit April 2023 dürfen sie nicht mehr für die UN tätig sein. Das gleiche Bild zeigt sich im Bildungs- oder Gesundheitssektor. Ärztinnen dürfen beispielsweise keine männlichen Patienten behandeln oder sich mit ihren männlichen Kollegen austauschen. © Javed Tanveer/AFP
Taliban in Afghanistan
Afghanistan hat eine der höchsten Raten an Müttersterblichkeit der Welt. Nach UN-Schätzungen stirbt alle zwei Stunden eine afghanische Frau während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Ursachen sind das oft junge Alter, Mangelernährung und schlechte medizinische Versorgung der Schwangeren. Das Verkaufsverbot von Verhütungsmitteln, das die Taliban Anfang 2023 erließen, kann tödliche Folgen für Frauen haben. © Hoshang Hashimi
Frauen unter dem Taliban Regime
Die Schließung von Beauty Salons wurde im Juni 2023 angeordnet, was einen weiteren Eingriff in den Bereich der persönlichen Körperpflege, des Wohlbefindens und der Arbeitsmöglichkeiten von Frauen darstellt. Diese Maßnahme traf Tausende von Frauen, die in diesen Salons arbeiteten und ihre Familien ernährten. Ein Beispiel für die Veränderungen zeigt das Bild: Sofort nach der Taliban-Machtübernahme übermalte eine Mitarbeiterin eines Schönheitssalons in Kabul ein großes Foto einer Frau.  © Imago
Demo in Dänemark
Die mehrheitlich schiitischen Hazara sind seit langer Zeit Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt. Mit der Machtübernahme der Taliban hat die Unterdrückung zugenommen. Insbesondere Frauen und Mädchen sind von multiplen Formen der Diskriminierung und Gewalt betroffen. Zahlreiche Anschläge wurden gezielt auf Frauen und Mädchen der ethnischen Minderheit Hazara verübt. In Europa kommt es deswegen häufiger zu Demonstrationen, wie hier im Oktober 2022 in Kopenhagen. © Thibault Savary/Imago
Taliban in Afghanistan
Mit Sorge beobachten Frauenrechtsaktivistinnen, wie überall islamische Schulen entstehen. Weil sie sonst keine Chance auf Unterricht haben, besuchen auch immer mehr Mädchen und junge Frauen diese Madrasas. Dort verbreiten die Lehrenden islamistisches und radikales Gedankengut, das die Schülerinnen in ihre Familien tragen. © Mustafa Noori/Imago
Flucht aus Afghanistan
Die Angst vor der Gewaltbereitschaft der neuen Taliban-Machthaber haben zu noch mehr Fluchtbewegungen geführt. Annähernd 700.000 Menschen haben laut dem UN-Flüchtlingswerk UNHCR allein im Jahr 2021 ihre Dörfer und Städte verlassen. Rund 3,25 Millionen Afghaninnen und Afghanen leben aktuell als Binnenvertriebene im eigenen Land. © Diego Radames/Imago
Taliban in Afghanistan
Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich nach der Machtübernahme rapide: Inflation und Arbeitslosenrate stiegen stark an, das Bankensystem kollabierte. Die USA froren Milliarden-Reserven der Zentralbank des Landes ein. Kontoinhaber konnten nur noch kleine Beträge abheben, es gab keine Kredite mehr und vielen Afghaninnen und Afghanen fehlt das Geld zum Leben. © Ramin Sulaimankhail/Imago
Tomatensaison in Afghanistan
Afghanistan gehört zu den Ländern auf der Welt, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die ausbleibenden Niederschläge führen dazu, dass Ernten ausfallen, Tierfutter und Trinkwasser knapp sind. Zugleich haben sich die Preise für Lebensmittel, Dünger und Treibstoff in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Die Lage der Bauern ist so dramatisch, dass Eltern teilweise ihre Kinder verkaufen müssen. © Ahmad Zubair/dpa
Humanitäre Lage in Afghanistan
Nach Angaben der Vereinten Nationen leben etwa 97 Prozent der Bevölkerung in Armut und zwei Drittel sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben. Vier Millionen Menschen sind akut unterernährt, darunter 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Laut World Food Programme sind zwei Drittel der Bevölkerung 2023 auf humanitäre Hilfe angewiesen – fast dreimal so viel wie 2021. © Khibar Momand/dpa
Afghanistan Pakistan
Zwangsrückführungen verschlimmern die Krise. Hunderttausende Geflüchtete sehen sich nach einer Ankündigung der pakistanischen Behörden im Oktober 2023 mit ihrer Abschiebung konfrontiert. Iran und Pakistan haben im Rahmen staatlicher Maßnahmen gegen Migranten und Geflüchtete fast zwei Millionen Menschen zurück nach Afghanistan abgeschoben. Viele der Abgeschobenen hatten Jahrzehnte oder ihr ganzes Leben außerhalb Afghanistans verbracht. © Hussain Ali/Imago
Konflikt in Afghanistan
Die Kürzungen bei den US-Hilfsprojekten durch die Trump-Regierung haben Programme zum Erliegen gebracht, die für die Ernährungssicherheit unverzichtbar waren. Die Hälfte der afghanischen Bevölkerung – rund 23 Millionen Menschen – ist auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Bis Juli mussten mehr als 400 Gesundheitseinrichtungen aufgrund fehlender Mittel schließen, die zum Großteil aus der offiziellen Entwicklungshilfe von Geberregierungen stammten. © Saifurahman Safi/dpa
Demo Berlin
Seit August 2021 demonstrieren afghanische Frauen und afghanische Frauen- und Diasporagruppen (wie hier in Berlin) immer wieder friedlich für Bildung, Arbeit, Gerechtigkeit und Frieden. Ihre Proteste setzten sie trotz der Brutalität des Regimes, trotz Verhaftungen und Entführungen von Demonstrantinnen fort. Afghaninnen, die friedlich für ihre Rechte protestieren, werden bedroht, verhaftet und gefoltert. Frauenrechtsaktivistinnen berichten von Entführungen, Kinderehen, Zwangsverheiratungen und Vergewaltigungen. © Gerald Matzka/dpa
Frauen in Afghanistan
Die Taliban setzen seit 2024 ein drakonisches Gesetz zur „Verbreitung von Tugend und Verhinderung von Laster“ rigoros durch, das Kleidungs- und Verhaltensweisen reglementiert. Lokale Komitees führen Razzien an Arbeitsplätzen durch, überwachen öffentliche Plätze und haben Kontrollpunkte eingerichtet, um Mobiltelefone zu überprüfen. Die Taliban haben Menschen wegen angeblicher Verstöße festgenommen. © Wakil Kohsar/AFP
Achundsada
Im Juli 2025 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen den Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und den obersten Richter, Abdul Hakim Hakkani. Ihnen werden wegen der Entrechtung von Frauen und Mädchen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Nach Auffassung des Gerichts betreiben die Taliban eine Politik, die zu schweren Verletzungen der Grundrechte und -freiheiten der Zivilbevölkerung führt: Mord, Inhaftierung, Folter und Vergewaltigung.  © Mohd Rasfan/AFP
Flughafen Hannover - Ankunft Afghanen mit Aufnahmezusage
Im September 2025 konnten mehrere afghanische Familien nach Deutschland einreisen. Sie hatten in Deutschland geklagt, um ihre Einreise durchzusetzen. Die schwarz-rote Koalition hatte das Aufnahmeprogramm im Mai gestoppt. Am 18. Juli 2025 hatte Deutschland 81 Betroffene nach Kabul abgeschoben – die ersten Abschiebungen nach Afghanistan unter der neuen Regierung. In den USA hat die Trump-Regierung den vorübergehenden Schutzstatus für afghanische Staatsangehörige aufgehoben und Afghanistan in die Liste der Länder mit Einreiseverbot aufgenommen. Tausenden afghanischen Staatsangehörigen droht somit die Abschiebung, auch in Drittländer. © Michael Matthey/dpa

Nachdem Tony Blair Downing Street Number 10 verlassen hatte, wurde er sogleich zum Sondergesandten des „Quartetts für den Nahen Osten“, einer Vermittlergruppe bestehend aus Vertretern der Vereinten Nationen, der USA, der EU und Russlands. Er füllte diese Rolle bis ins Jahr 2015 aus. Blair geriet ins Fadenkreuz, als Investigativjournalisten Vorteile zu erkennen glaubten, die eine Beraterfirma Blairs aus dessen politischem Engagement in der Region gezogen haben soll. Am Boden konnte Blair nach seiner achtjährigen Ägide keine signifikanten Verbesserungen vermelden. Unterstellt wurde ihm von israelischer Seite, dass er zur Seite der Palästinenser lehne und daher nicht für die Position geeignet sei.

Die Frage der Überparteilichkeit des von US-Präsident Donald Trump erdachten Friedensrates wird auch dieses Mal zentral sein, wenn er Zustimmung Tel Avivs und damit Legitimation erhalten will. Die rechtsnationalistischen Koalitionspartner Benjamin Netanyahus werden versuchen, jede Schwäche, die im Übergangsprozess zu Tage treten wird, für ihre Ziele und ihre Propaganda zu instrumentalisieren. Tony Blair könnte eine solche Schwachstelle sein. Zudem wäre er unter Dauerfeuer: von der arabisch, muslimischen Seite, die ihm den Irak-Krieg vorhält, genauso wie von der israelischen Seite, die ihn im Bunde mit den Palästinensern vermutet. 

Für Tony Blair kommt noch eine weitere Dimension hinzu, eine britische. Denn im Vereinigten Königreich ist die Frage nach einem Staat Palästina unmittelbar mit dem politischen und militärischen Engagement Großbritanniens als Mandatsmacht in dieser Weltregion verbunden. Im Jahr 1917 machte sich die britische Regierung in der Balfour-Erklärung das Ziel zu eigen, eine Heimatnation für die Juden aus aller Welt schaffen zu wollen. Für die Ereignisse, die seither, von der Nakba bis heute, geschehen sind, machen die Menschen in der arabischen Welt deshalb auch Großbritannien verantwortlich. 

Großbritannien erkennt Palästina an – Schritt nicht unumstritten

Wie die USA und die Bundesrepublik gehört auch Großbritannien zu den engsten Verbündeten Israels. Umso stärker wirkte das politische Signal, das London mit der Anerkennung des Staates Palästina im Zuge der UN-Vollversammlung im September sendete. Großbritannien, auch wenn das vom politischen London so nicht artikuliert wird, entschuldigt sich mit diesem Schritt in gewisser Weise für seine verfehlte Nahostpolitik, die der Region tumultreiche Jahrzehnte beschert hatte. Donald Trump hatte recht, wenn er diesen Schritt als „wirkungslos“ bezeichnete, da er im aktuellen Konflikt nichts am Geschick der Palästinenser ändert. Die Anerkennung hatte aber eine moralische Wirkung.

Dieser Schritt ist letztlich auch in Großbritannien nicht unumstritten. Die Partei des für den Brexit mitverantwortlichen rechtspopulistischen Nigel Farage, Reform UK, führt die Umfragen an. Sollte er der nächste Premierminister werden, dürfte in Großbritannien der Blick auf die imperiale Zeit, in der London die halbe Welt unterjochte, nostalgisch verklärt und überhöht werden. Es ist auf beiden Seiten des Atlantik zu einem Teil des Kulturkrieges der Rechten mit den nicht-konservativen Kräften geworden, dem Gegner vorzuwerfen, die eigene Kultur zu hassen, wenn man sich in Selbstkritik übe, anstatt auf die Taten der Vorfahren stolz zu sein. 

Welche dieser Überlegungen für die Entscheidung von Donald Trump ausschlaggebend gewesen sein mögen, seine eigene Nominierung Blairs auf einem Flug gegenüber Journalisten noch einmal zu hinterfragen, bleibt offen. Wie Trump sich letztlich entscheiden wird, für den Moment auch. Tony Blair würde eine solche Ernennung sicher annehmen, die Gruppe, die sich in London trifft, könnte ein entsprechendes Signal senden. Allerdings darf sich diese Konferenz am Ende nicht wie eine Wiederaufbau-Konferenz für den Irak ausnehmen, bei denen die USA und Großbritannien damals lukrative Aufträge einheimsten. 

Rubriklistenbild: © IMAGO / UPI Photo /Anadolu Agency

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