Aktivitäten in der Grauzone

Experte warnt: „Könnte unser letzter Sommer im Frieden sein“

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Eindeutig unterversorgt: Mit der Panzerhaubitze 2000 hat die Bundeswehr ein wirkungsmächtiges Geschütz. Aber in der Masse zu wenig Durchschlagskraft, um als ernsthafter Gegner Russlands zu gelten.
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Das Baltikum ist in Gefahr. Vielleicht auch Moldau. Durch Streitkräfte oder Destabilisierung. Analysten befürchten einen „Unfall“, der zum Krieg ausartet.

Potsdam – „Vielleicht ist dieser Sommer der letzte Sommer, den wir noch im Frieden erleben“, äußerte Sönke Neitzel in der Talkshow von Caren Miosga und unterstrich diese Warnung jetzt in einem Interview mit der Bild. Deutschlands profiliertestem Militärhistoriker zufolge würden litauische Beobachter befürchten, das russische Herbstmanöver Sapat-2025 zusammen mit Belarus bedeute für die Russen die Blaupause für eine Offensive auf das Baltikum. Demnach bereite sich Wladimir Putins Invasionsarmee nach dem völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine auf ihren nächsten Einsatz vor.

Und auch Sabine Adler warnte in der Talkshow von Caren Miosga vor einer „echten Kriegsgefahr“ für die Europäische Union sowie die Nato – nach Einschätzung des Deutschlandfunks sei Adler eine der renommiertesten journalistischen Kenner Osteuropas. Wie sie gegenüber der Zeit geäußert hat, sei Putins Herrschaft komplett um den Krieg herum organisiert, weshalb Appelle an Friedensverhandlungen oder Waffenruhe zwangsläufig fruchtlos blieben. „Putin geht erst dann an den Verhandlungstisch, wenn Kämpfen nicht mehr lohnt. Davon ist er weit entfernt.“

Ukraine-Krieg als deutliche Warnung: „Putin will die Zerstörung des Westens“

Das eint sie mit dem Militärhistoriker Neitzel, der jüngst dem Spiegel in den Block diktiert hat, Putin wolle die Zerstörung des Westens. Der in Potsdam lehrende Neitzel ist allein deshalb ein ausgesprochener Fan von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), seit der den Begriff „Kriegstüchtigkeit“ in den gesellschaftlichen Diskurs eingereiht und sich damit angreifbar gemacht hat. „Wir sehen ja an der Kritik von verschiedener Seite – wie beispielsweise von der CSU – wie sehr das Vermeiden von Ehrlichkeit, das Wegdrücken von Wahrheiten Teil unserer politischen Kultur geworden ist“, sagte der einzige Professor für Militärgeschichte in Deutschland im ARD-Podcast „Streitkräfte und Strategien“. Insofern wird die kommende Umstrukturierung der Bundeswehr samt überbordendem Sondervermögen in Teilen realisieren, was er jahrelang gefordert hat.

„Russland bereitet 15 Divisionen vor. Etwa 100.000 bis 150.000 Soldaten werden ausgebildet, um die Lage in Richtung Belarus zu verschärfen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Ukraine angreifen werden, aber sie werden angreifen. Vielleicht die Ukraine, vielleicht Polen, vielleicht die baltischen Länder.“

Wolodymyr Selenskyj, Euronews

„Sowohl von rechts als auch links ist heutzutage häufig zu hören, dass militärische Konflikte sich nur diplomatisch lösen lassen. Haben diese Stimmen recht?“, fragte jüngst Frank Thadeusz. Den Autor des Nachrichtenmagazins Spiegel interessiert die Verhandlungsbereitschaft des russischen Potentaten. Daran zu glauben sei „Unsinn“ antwortete Neitzel und erinnerte an beinahe jeden großen Konflikt der vergangenen Jahrzehnte.

Den Ersten und den Zweiten Weltkrieg, den Korea-, Vietnam- und den Afghanistankrieg führte Neitzel als Beweis an, dass Verhandlungen einer militärischen Lagebeurteilung beider Seiten gefolgt waren: „Die machten praktisch den Deckel auf das, was das Militär gekocht hatte“, wie er sagte. Laut Euronews simmere Putins Kriegslüsternheit bereits auf niedriger mittlerer Temperatur, wie der Sender Euronews von der Münchner Sicherheitskonferenz berichtet hat: Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge trainiere Russland für eine größere militärische Aktion, die eventuell bereits im kommenden Jahr Nato-Territorium betreffen könne.

Expertin: Der wahrscheinlichste Auslöser für Krieg mit Russland gründet sich auf einer Fehleinschätzung

„Russland bereitet 15 Divisionen vor. Etwa 100.000 bis 150.000 Soldaten werden ausgebildet, um die Lage in Richtung Belarus zu verschärfen“, sagte Selenskyj. „Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Ukraine angreifen werden, aber sie werden angreifen. Vielleicht die Ukraine, vielleicht Polen, vielleicht die baltischen Länder,“, sagte Selenskyj. Weitere Schätzungen gehen eher aus von einem Zeitraum zwischen fünf und acht Jahren. Ein Vertreter dieser These ist der ranghöchste deutsche Soldat, Carsten Breuer. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte den Generalinspekteur der Bundeswehr Anfang vergangenen Jahres dahingehend, dass sich Wladimir Putins Invasionsarmee in fünf bis acht Jahren so weit regeneriert habe, dass sie östliche Nato-Länder wieder mit aller Gewalt ins Sowjetreich zurückzuholen versuchen könnte.

Allerdings wartet die britische BBC aktuell mit einer Überraschung auf: Der wahrscheinlichste Auslöser für einen Krieg mit Russland gründe sich eher auf einer Fehleinschätzung als auf eine Absicht, behaupt Marion Messer – die Analystin des britischen Thinktanks Chatham House glaubt insofern eher an einen Unfall als Initialzündung eines dritten Weltkriegs; der wahrscheinlicher würde, sollte Russland den Ukraine-Krieg mit einer – wenn auch erzwungenen – befriedeten Situation einfrierend müssen. Ihr zufolge sei der nächste Schritt Russlands in Richtung einer militärischen Eskalation die Fortsetzung der Desinformationskampagnen und Cyberkriege in Europa sowie Sabotage und Spionage in der Ostsee.

Russland könne insofern fortfahren, die westlichen Demokratien weiter zu destabilisieren – Messner zufolge spiele der Ausgang des Ukraine-Krieges für das Verhalten Russlands eine untergeordnete Rolle. Diesen Unfall hält sie für wahrscheinlich im Raum der Ostsee, die mit dem Beitritt Schwedens als jüngstem Nato-Mitglied im Jahr 2024 zu einem Nato-Meer geworden ist und den baltischen Staaten vor allem über die Insel Gotland massiv den Rücken stärkt. Die militärische Logistik für das Baltikum war nie einfacher zu bewerkstelligen.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Putins Krieg: „Im Wesentlichen das Ergebnis russischer Aktivitäten in der Grauzone“

Dieser Unfall, von dem Messer ausgeht, sei ihrer Meinung nach „im Wesentlichen entweder das Ergebnis russischer Aktivitäten in der Grauzone oder russischer Politik des Risikos, bei der man glaubte, die Situation unter Kontrolle zu haben, was sich jedoch als falsch herausstellt“, wie sie die BBC zitiert. Aus diesem Unfall könne sich zwischen Russland und einem Nato-Partner ein Schwelbrand entwickeln und der sich zu einem Flächen-, wenn nicht Weltenbrand entzünden.

Camille Grand dagegen sieht gegenüber der BBC-Autorin Katya Adler eher weniger Gefahr für die Nato als andere. Der Analyst des Thinktanks European Council on Foreign Relations (ECFR) bezweifelt, dass die russische Armee nach dem Ukraine-Konflikt zu ausufernden Konflikten mit der Nato imstande wäre und sieht eher ein Land außerhalb der Nato gefährdet, wie beispielsweise Moldau. Grand zufolge liege der Vorteil für Russland auch darin, dass international vor Reaktionen darauf wahrscheinlich zurückgeschreckt würde.

In Moldau wurde die Demokratin Maia Sandu im vergangenen Jahr erneut zur Präsidentin gewählt, trotz massiven Stimmenkaufs aufgrund russischen Einflusses, wie der britische Guardian berichtet hat. Auch in der zu Moldau gehörenden und abtrünnigen Region Transnistrien habe Russland Truppen stationiert und führe dort Manöver durch, schreibt Guardian-Autor Peter Pomerantsev. Den Krieg, den Wladimir Putin weiter nach Westen walzt, hat also mehrere Gesichter. Das Manöver Sapad-2025 ist nur eines davon; möglicherweise das einzige, das der Westen klar erkennen kann.

Letzter Sommer in Frieden? Militärhistoriker Sönke Neitzel von der Uni Potsdam warnt schon seit Ausbruch des Ukraine-Krieges vor einem aggressiven Russland und vor dem schnellen Kollaps einer Bundeswehr in einem Kriegszustand.

Bundeswehr: Die Armee wird in den kommenden Jahren ihre Feuerkraft deutlich erhöhen müssen

Sapad-2025 stelle einen entscheidenden Moment in der sich verschärfenden Sicherheitsarchitektur eines sich neu definierenden Osteuropas dar, vermutet der Politik-Autor Niels Groeneveld. Obwohl sie offiziell als routinemäßige Militärübungen beschrieben werden, seien die Übungen „tief in die strategischen Berechnungen Russlands und Belarus eingebettet“ und spiegelten umfassendere geopolitische Ziele und Sicherheitsbedenken wider. Sapad-2025 sei ein strategisches Statement, das das sich verändernde Kräfteverhältnis in Osteuropa unterstreicht, so Groeneveld.

Für Militärhistoriker Neitzel scheint das Manöver für die Bundeswehr der Zukunft Anschauungsunterricht zu sein, was sie zügig braucht von dem, was ihr seit Jahren fehlt. Wie er in seinem Buch „Deutsche Krieger“ schlussfolgert, müsse sich eine deutsche Streitmacht eventuell von ihrer Doktrin der Beweglichkeit umorientieren zur Feuerkraft – im Kalten Krieg habe die Bundeswehr zwar 4000 Panzer besessen, dagegen nur 1000 Geschütze. „Auch die zusammengeschrumpfte Bundeswehr hat heutzutage mehr Panzer (300) als Geschütze (100). Die Armee wird in den kommenden Jahren also ihre Feuerkraft deutlich erhöhen müssen, um für den Artilleriekrieg der Zukunft gewappnet zu sein.“

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