VonNadja Katzschließen
In der Ukraine sind 200 russische Fahrzeuge innerhalb von drei Wochen zerstört worden. Das britische Verteidigungsministerium zeichnet Russlands Verluste auf.
London – Bei den militärischen Kämpfen um die Stadt Awdijiwka im Osten der Ukraine hat Russland nach Einschätzung britischer Militärexperten allein in den vergangenen drei Wochen etwa 200 gepanzerte Fahrzeuge verloren. Das geht aus dem Geheimdienstbericht des britischen Verteidigungsministeriums in London zum Ukraine-Krieg vom Samstag (4. November) hervor.
Hintergrund für die hohen Verluste Russlands in der Ukraine sei eine Kombination aus der Effektivität ukrainischer Panzerabwehrraketen, Minen, Drohnen und Präzisionsartillerie, hieß es in der Mitteilung weiter. Die russischen Streitkräfte hätten sich daher auf Vorstöße durch ihre Infanterie verlegt.
Die Verluste Russlands in Awdijiwka sind „erschütternd“
Die Angriffe auf Awdijiwka seien für Russland äußert verlustreich. Es sei plausibel, dass Moskau im Kampf um die Industriestadt seit Anfang Oktober mehrere Tausend Verletzte und Tote zu beklagen habe, berichtet das britische Verteidigungsministerium. Russlands Führung zeige trotzdem „weiterhin den Willen, schwere Verluste an Personal für marginale territoriale Gewinne in Kauf zu nehmen“, so die Mitteilung weiter.
Im vergangenen Monat hatte Russland eine die Offensive in der Nähe von Awdijiwka gestartet, einer kleinen Stadt am Rande des besetzten Donezk. Seit Beginn der Kämpfe rückten die russischen Streitkräfte einige Male erfolgreich vor. Diese Fortschritte haben Russland jedoch einen hohen Preis gekostet, sowohl an Truppen als auch an Fahrzeugen.
Russland verliert 200 Fahrzeuge in drei Wochen – so viel wie die Ukraine in vier Monaten
Laut Angaben des Institute for the Study of War (ISW) hat Russland seit dem 9. Oktober einen Verlust von mindestens 197 beschädigten und zerstörten Fahrzeuge zu beklagen. Das ISW beruft sich dabei auf Informationendes Open-Source-Geolokalisierungsprojekt „GeoConfirmed“. 99 Fahrzeuge sollen demnach bei der ersten Angriffswelle zwischen dem 9. und 13. Oktober zerstört worden seien, weitere 94 zwischen dem 14. und 23. Oktober.
„GeoConfirmed bezeichnete die russische Offensive in der Nähe von Awdijiwka als den bisher teuersten russischen Einsatz im Krieg in der Ukraine“, so das ISW. Diese Zahlen seien „erschütternd“, insbesondere im Vergleich zu den Verlusten der Ukraine im Rahmen ihrer Gegenoffensive m Süden bei Saporischschja. „Die Ukrainer haben in der Südukraine in Saporischschja im Laufe von vier oder fünf Monaten Operation etwas mehr als 200 Fahrzeuge verloren, die wir beobachten und bestätigen können“, sagte George Barros, Leiter des Geoinformations-Teams und Russland-Analyst bei ISW, gegenüber dem Nachrichtenportal Businessinsider.
Russland nimmt Verluste in Awdijiwka hin – 2500 Soldaten in sechs Tagen getötet und verwundet
Und Russlands Verluste in Awdijiwka gehen weit über die Anzahl zerstörter Fahrzeuge hinaus. Moskau habe erneut auf seine „menschliche Wellentaktik“ zurückgegriffen, bei der Truppen mit schlechter Ausbildung und wenig Ausrüstung an die Front geschickt würden. Diese Strategie sei zwar nicht völlig unwirksam, doch die Zahl der Opfer steige immer mehr in die Höhe, so der Bericht des Nachrichtenportals weiter. Ein ukrainischer Militärsprecher erklärte Ende Oktober gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass bei der Offensive Russlands innerhalb von nur sechs Tagen schätzungsweise 2500 russische Soldaten getötet und verwundet wurden.
Awdijiwka ist durch die andauernden Kämpfe weitgehend zerstört worden, doch das verwüstete Gebiet könnte für die russischen Streitkräfte dennoch von Nutzen sein. Ihr Verlust an Russland würde die Ukraine vom Donezk zurückdrängen und Angriffe zur Rückeroberung des Gebiets erschweren, so der Bericht von Businessinsider. Außerdem könnte Russland somit seine Nachschubrouten zwischen den besetzten Gebieten verbinden.
Russlands Verluste im Ukraine-Krieg: Putins Rechtfertigung
Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin könnte der Sieg zudem von symbolischem, politischem Wert sein. Abgesehen von Bachmut konnte Russland im Ukraine-Krieg bislang nur wenige Siege auf dem Schlachtfeld erzielen. Erschwerend kamen turbulente Zwischenfälle hinzu, etwa die Meuterei der Wagner-Gruppe.
Da in Russland zu Anfang des Jahres 2024 die Präsidentschaftswahlen anstehen, könnte Wladimir Putin mit der Einnahme von Awdijiwka den Anschein der Kontrolle aufrechterhalten. Vor dem russischen Volk könnte er somit auch die Finanzierung des Ukraine-Krieges und die militärischen Mobilisierungen rechtfertigen. (na)
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