Wenig Deckung gegen Ukraine-Offensive: Putins Taktik der verbrannten Erde erweist sich als fatal
VonJens Kiffmeier
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Die Rückeroberung von Bachmut rückt näher. Denn Russlands Truppen finden kaum Schutz vor der Ukraine-Offensive. Jetzt rächt sich die Zerstörung der Stadt.
Bachmut – Hohe Verluste und überall zerstörte Häuser: Bei der Eroberung von Bachmut sind die Wagner-Söldner mit äußerster Brutalität vorgegangen. Doch nun droht Russland in der Region ein herber Rückschlag. Denn die Gegenoffensive der Ukraine gegen Putins Truppen kommt an diesem Frontabschnitt offenbar voran. So erscheint eine baldige Rückeroberung laut der ukrainischen Streitkräfte durchaus möglich. Denn das Niederbrennen der Stadt durch die Invasoren entpuppt sich plötzlich als strategischer Vorteil für die Verteidiger.
Seit Wochen läuft die Gegenoffensive der Ukraine im Krieg gegen Russland an verschiedenen Frontabschnitten. Doch speziell bei der Rückeroberung von Bachmut seien alle Voraussetzungen gegeben, sagte der Kommandeur der Bodentruppen der Streitkräfte der Ukraine, Oleksandr Syrskyi, dem britischen Fernsehsender BBC. Einen konkreten Zeitpunkt für die Einnahme der Stadt nannte er nicht. Aber er bestätigte, dass Russlands Streitkräfte „halb eingekreist“ seien. Dies sei eine Situation, in der seine Streitkräfte „einfach nicht anders können, als sie auszunutzen“.
Ukraine-Offensive: Fortschritte gegen Russland an der Front bei Bachmut
Die Berichte von der Front lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Aber auch die ukrainische Nationalgarde (NGU) berichtet von Fortschritte bei der Ukraine-Offensive bei Bachmut. „Die ukrainischen Verteidiger behalten an der Bachmut-Front die Initiative und rücken entlang der Flanken vor“, teilte Ruslan Muzychuk der Ukrainska Pravda mit. „Die von den Verteidigungskräften im Juni erzielten Fortschritte, darunter das Erreichen der erforderlichen dominanten Höhen, ermöglichen es ihnen nun, die Feuerkontrolle auszuüben.“
Hohe Verluste bei Wagner-Gruppe im Kampf um Bachmut waren vielleicht umsonst
Um die Stadt Bachmut hatte im Ukraine-Krieg eine der härtesten Schlachten getobt. Monatelange leisteten sich die ukrainischen Streitkräfte erbitterte Kämpfe mit der Privatarmee von Jewgeni Prigoschin. Die Verluste waren auf beiden Seiten hoch, bei den Wagner-Söldnern starben laut neuester Zahlen vom US-Kriegsinstitut ISW rund 28 Prozent, während 80 Prozent der Kämpfer verwundet wurden. Im Mai verkündetet die Wagner-Gruppe, die Stadt eingenommen zu haben – aber erst, nachdem sie weite Teile der Stadt mit Artilleriebeschuss zerstört hatte. Danach übergab die Wagner-Truppe die Kontrolle an die russische Armee.
Zerstörte Stadt: Russlands Truppen finden kaum Schutz gegen die Gegenoffensive
Doch die russische Taktik der „verbrannten Erde“ rächt sich jetzt offenbar bei der Gegenoffensive der Ukraine. „Russland hat Bachmut Block für Block mit Panzern und Artillerie fast vollständig zerstört“, sagte Muzychuk und fügte hinzu: „Es gibt fast keine befestigten Stellungen mehr, die es den Russen ermöglichen würden, Fuß zu fassen, auch wenn sie nicht nachgeben.“ Es zeige sich nun, dass sich ihre Strategie gegen sie selber wende.
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Ukraine-Krieg: Bachmut dient als Brückenkopf für weitere Offensive
Inwieweit eine Rückeroberung von Bachmut aber von Vorteil im Ukraine-Krieg, ist umstritten. Während einige Militärbeobachter die Stadt als strategisch nicht wichtig erachten, wehrte sich Kommandeur Syrskyi gegen den Vorwurf, dass dahinter vor allem ein symbolischer Erfolg stecken könnte. Bei Bachmut konzentrierten sich viele Anhöhen, weswegen man von dort die Kontrolle über weitere Landstriche erhalten würde. Die Stadt sei deswegen ein wichtiger Brückenkopf und habe Auswirkungen auf die weitere Offensive der Ukraine. (jkf)