Friedensplan-Gespräche in Florida: USA verhandeln Ukraine-Schicksal – darum geht es
VonSonja Thomaser
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USA und Ukraine haben über ein Kriegsende verhandelt. Während sich Selenskyj vor dem Treffen optimistisch zeigte, offenbarten Berichte Trumps wirtschaftliche Ziele.
Hallandale Beach – Am 30. November 2025 liefen in Florida entscheidende Gespräche über die Zukunft Ukraine-Krieg. Eine von Verteidigungsminister Rustem Umjerow angeführte ukrainische Delegation traf sich mit hochrangigen US-Vertretern, um über einen überarbeiteten Friedensplan zu verhandeln.
Für die US-Seite nahmen Außenminister Marco Rubio, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, an den Verhandlungen teil – doch hinter den Friedensbemühungen stehen offenbar auch massive wirtschaftliche Interessen.
28-Punkte-Plan der USA: Überarbeiteter Plan für Frieden in der Ukraine nach Genfer Gesprächen
Die Gespräche in Florida bauten auf den jüngsten Verhandlungen in Genf auf, wo US-amerikanische, ukrainische und europäische Vertreter den ursprünglichen 28-Punkte-Plan überarbeitet hatten. Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich laut Kyiv Independent vor den Gesprächen in Washington optimistisch und erklärte, die amerikanische Seite demonstriere „einen konstruktiven Ansatz“. Es sei durchaus realistisch, in den kommenden Tagen die Schritte zu finalisieren, um zu bestimmen, wie der Ukraine-Krieg würdig beendet werden könne.
Der ursprüngliche US-Plan hatte massive Kritik ausgelöst, da er weitreichende Zugeständnisse von Kiew verlangte, die als „Wunschliste des Kreml“ bezeichnet wurden. Dazu gehörten die Abtretung der gesamten Ostregion Donbass an Russland, Beschränkungen für die Größe des ukrainischen Militärs und der Ausschluss eines NATO-Beitritts der Ukraine.
Die überarbeitete Version soll nun stärker mit der ukrainischen Position in Einklang stehen. Die problematischsten Elemente, die Europa und die NATO betrafen, wurden laut Tagesschau aus dem Plan entfernt. Besonders umstritten waren ursprünglich Vorgaben zur EU-Politik und NATO-Fragen, die weit über die Zuständigkeiten der USA hinausgingen. Bei den Genfer Gesprächen am vergangenen Sonntag erzielten die Parteien grundsätzliche Einigungen zu allen Punkten bis auf zwei: Territorium und Sicherheitsgarantien.
Die Änderungen gegenüber des ursprünglichen 28-Punkte-Plans:
Interessen der Ukraine sollen eine größere Rolle spielen
Vorgaben zur EU-Politik wurden entfernt
NATO-Punkte wurden entfernt
Territoriumsfragen werden noch diskutiert
ebenso wie Sicherheitsgarantien
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Wirtschaftliche Interessen im Fokus – Witkoff und Kushner verhandeln seit Monaten mit Moskau
Hinter den Friedensbemühungen der USA stehen jedoch offenbar auch massive wirtschaftliche Interessen. Recherchen des Wall Street Journal enthüllten, dass Witkoff und Kushner bereits seit Monaten mit russischen Vertretern über eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Washington und Moskau verhandeln. Als Vehikel dafür dient demnach ein Friedensvertrag für die Ukraine.
Die Grundidee des Projekts: Nach dem Krieg sollen wirtschaftliche Kooperationen zwischen den USA und Russland zur neuen Grundlage von Stabilität werden. Herzstück ist die Nutzung von rund 300 Milliarden Dollar eingefrorener russischer Zentralbankgelder für gemeinsame Projekte, inklusive eines US-geführten Wiederaufbaus der Ukraine und neuer Arktis-Kooperationen. Ergänzend geht es um Pläne für Energieprojekte, seltene Erden und eine mögliche Wiederbelebung von Nord Stream 2.
Politische Turbulenzen im Ukraine-Krieg: Selenskyj-Vertrauter muss zurücktreten
Die ukrainischen Friedensverhandlungen wurden zusätzlich durch politische Turbulenzen in Kiew erschwert. Andrij Jermak, Selenskyjs engster Vertrauter und bisheriger Chefverhandler, trat am 28. November inmitten einer großen Korruptionsuntersuchung zurück.
Selenskyj musste daraufhin die Verhandlungsdelegation per Dekret neu zusammenstellen. Die neue Delegation wird von Umjerow angeführt und umfasst auch Andrij Hnatow, den Chef des ukrainischen Generalstabs, und Außenminister Andrij Sybiha.
Frieden im Ukraine-Krieg? Unklar, ob Moskau dem neuen Plan zustimmt
Beide Seiten sprachen nach den Verhandlungen am Sonntag von produktiven Gesprächen. Rubio erkläre, man habe auf den Ergebnissen aus Genf Anfang des Monats aufgebaut, räumte aber laut CNN ein, dass „noch viel zu tun“ sei. „Das ist eine heikle Angelegenheit. Es ist kompliziert. Viele Faktoren spielen eine Rolle, und offensichtlich ist hier noch eine weitere Partei involviert, die in die Gleichung einbezogen werden muss. Die Gespräche werden im Laufe dieser Woche fortgesetzt.“ Nach den Gesprächen in Florida soll Witkoff nach Moskau reisen, um mit Präsident Putin über den Plan zu sprechen. Auch Umjerow ist als direkter Gesprächspartner für die russische Seite im Gespräch.
Allerdings ist unklar, ob Russland einer überarbeiteten Fassung des Plans zustimmen wird. Der Kreml äußerte bereits Zweifel an seiner Bereitschaft, die überarbeiteten Bedingungen zu akzeptieren, nachdem die Ukraine Änderungen am ursprünglichen 28-Punkte-Plan durchsetzen konnte.
Putin bekräftigte laut dem Politmagazin Axios am Donnerstag seine territorialen Forderungen und erklärte, Russland werde das beanspruchte Land entweder friedlich oder mit Gewalt einnehmen. Moskau ist in den vergangenen Monaten von seinen Kriegszielen nicht abgerückt und lässt das Nachbarland trotz laufender Gespräche mit unverminderter Härte weiter angreifen. (Quellen: dpa, AFP, Kyiv Independent, Tagesschau, Wall Street Journal, Axios) (sot)