Regierungskrise

Schwierige Aufgabe für Macron: Frankreich wartet auf eine Regierung

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Wen macht Emmanuel Macron zum Premierminister? Frankreichs Präsident muss in der Regierungskrise aus einer Reihe schlechter Optionen wählen.

Paris – Emmanuel Macron steht unter massivem Druck, eine neue Regierung zu bilden. Zum einen hat Frankreich momentan keinen Haushalt. Die geschäftsführenden Minister:innen des zurückgetretenen Premiers Michel Barnier haben diese Woche deshalb ein „Spezialgesetz“ präsentiert, das es der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU wenigstens erlauben soll, Steuern einzutreiben und Staatsanleihen aufzunehmen. Die Nationalversammlung soll diesen Erlass noch vor Jahresende durchwinken, um einen „Shutdown“ wie in den USA zu verhindern.

Frankreichs Präsident bei Ernennung des Premiers unter Zeitdruck

Doch dies ist nicht einmal Macrons größtes Problem. Vor allem muss er verhindern, dass sich die Bildung der nächsten Regierung nach Barniers Sturz vom Monatsbeginn in die Länge zieht – wie im Sommer, als Frankreich wochenlang kein funktionierendes Kabinett hatte.

Ein zweiter Ausfall dieser Art würde notgedrungen auf den ohnehin geschwächten und isolierten Staatschef zurückfallen. Immer zahlreicher werden die Stimmen, die ihm nach der verheerenden Ansetzung von Neuwahlen im Juni den Rücktritt nahelegen. Die linkspopulistischen „Unbeugsamen“ von Jean-Luc Mélenchon verlangen per Petition – neuster Stand: 385.000 Unterschriften – gar die Absetzung des Präsidenten.

Linke beanspruchen Amt des Premiers für sich

Macron muss deshalb schnell handeln. Am Dienstag versprach er, dass er „binnen 48 Stunden“ einen Premier ernennen werde. Doch die Wahl ist knifflig, Kandidaten Mangelware. Die Linke erhebt nicht zum ersten Mal Anspruch auf den Posten – und sie hat ein gewichtiges Argument: Im Juni und Juli kam die „Neue Volksfront“ bei den Neuwahlen zwar nur knapp, aber immerhin vor die Parteien der „Macron-Mitte“ wie auch vor die Konservativen und Rechtspopulisten.

Noch sollte man Macron nicht abschreiben. Frankreichs Präsident steht vor einer schwierigen Regierungsbildung.

Macron scheint der Idee einer linken Premiersfigur nicht mehr abgeneigt zu sein. Das böte für den Präsidenten auch einen Vorteil: Wenn er einen sehr pragmatischen Sozialdemokraten wie Didier Migaud oder Bernard Cazeneuve ernennt, würde er damit die Volksfront spalten. Mélenchon urteilte die Sozialisten, die Macrons Ruf folgen würden, schon mal vorneweg als „Verräter“ ab. Sozialistenchef Olivier Faure, der bisher zu den Linksaußen gehalten hatte, erwiderte diese Woche: „Je lauter Mélenchon schreit, desto weniger hört man ihn.“

Große Koalition der moderaten Kräfte scheint unmöglich

Bedeutet dies den Bruch der linken Einheitsfront? Macron müsste für die Spaltung der Linken einen Preis zahlen: Auch Cazeneuve hatte früher schon mehr oder weniger klar verlangt, dass Macron die umkämpfte Rentenreform aussetzen oder rückgängig machen müsse. Die Konservativen verlangen zudem eine Verschärfung des Ausländerrechtes, um dem Rassemblement National von Marine Le Pen das Wasser abzugraben. Dabei könnte jemand von der Linken nicht mitmachen.

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Eine große Koalition der moderaten Kräfte, wie sie Macron nach deutschem Vorbild vorschwebt, scheint in Frankreich unmöglich: Den beteiligten Parteien geht es in Paris traditionsgemäß nicht um Absprachen, sondern um die Macht – und die will jede Seite allein ausüben. Und die Positionen scheinen nicht nur in der Frage des Renteneintrittsalters – das von 62 auf 64 Jahre steigen soll – oder im Einwanderungsrecht unversöhnlich, sondern etwa auch beim Budget: Die Linke verlangt Sozialhilfen, die Rechte Einsparungen.

Macrons Machtbasis im Élysée-Palast schwindet

Macron hat eingesehen, dass ein Koalitionsvertrag unmöglich scheint. Er strebt deshalb einen bloßen Nichtangriffspakt an. Der oder die Premier soll sich verpflichten, alle Vorlagen dem Parlament zu unterbreiten, ohne über den Verfassungskniff per Dekret zu regieren. Im Gegenzug müssten alle an der Regierung beteiligten Parteien versprechen, dass sie keinen Misstrauensantrag einreichen. Le Pen und Mélenchon brächten damit keine Mehrheit mehr für einen Regierungssturz zusammen.

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Der designierte US-Präsident Donald Trump (l) spricht lachend mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der Kathedrale Notre Dame.
Der designierte US-Präsident Donald Trump (l) spricht lachend mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der Kathedrale Notre Dame. © Ludovic Marin/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) schüttelt einem Gast in der Kathedrale Notre Dame die Hand. Frankreichs berühmte Kathedrale wurde nach einem verheerenden Brand offiziell wiedereröffnet wird. Viele Staatschefs und andere Prominente waren dabei.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) schüttelt einem Gast in der Kathedrale Notre Dame die Hand. Frankreichs berühmte Kathedrale wurde nach einem verheerenden Brand offiziell wiedereröffnet wird. Viele Staatschefs und andere Prominente waren dabei.  © Thibault Camus/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (2.v.l) und seine Frau Brigitte (r) begrüßen den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vor der Kathedrale Notre Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (2.v.l) und seine Frau Brigitte (r) begrüßen den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vor der Kathedrale Notre Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung. © Christophe Petit-Tesson/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) spricht mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die in Paris feierlich wiedereröffnet wird.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) spricht mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die in Paris feierlich wiedereröffnet wird. © Teresa Suarez/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l-r) und seine Frau Brigitte posieren für ein Foto mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame. Melania Trump begleitete ihren Mann nicht auf seiner Reise nach Frankreich.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l-r) und seine Frau Brigitte posieren für ein Foto mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame. Melania Trump begleitete ihren Mann nicht auf seiner Reise nach Frankreich.  © Christophe Petit-Tesson/dpa
Die Ehefrau von Präsident Emmanuel Macron, Brigitte Macron (Mitte l), unterhält sich flüsternd mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump (Mitte r). Daneben sitzen die Tochter von US-Präsident Joe Biden, Ashley Biden, (l.), First Lady Jill Biden (2.v.l.) und Emmanuel Macron (r.).
Die Ehefrau von Präsident Emmanuel Macron, Brigitte Macron (Mitte l), unterhält sich flüsternd mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump (Mitte r). Daneben sitzen die Tochter von US-Präsident Joe Biden, Ashley Biden, (l.), First Lady Jill Biden (2.v.l.) und Emmanuel Macron (r.). © Ludovic Marin/dpa
Glanzvolle Kulisse für Trump: Der britische Prinz William trifft den designierten US-Präsidenten Donald Trump (l) nach der Wiedereröffnung von Notre Dame in der Residenz des britischen Botschafters in Paris.
Glanzvolle Kulisse für Trump: Der britische Prinz William trifft den designierten US-Präsidenten Donald Trump (l) vor der Wiedereröffnung von Notre Dame in der Residenz des britischen Botschafters in Paris. © Aaron Chown
Elon Musk (M.), CEO von Tesla und SpaceX, nimmt am Gottesdienst in der Kathedrale Notre Dame teil und schaut fasziniert zur Decke. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen im Jahr 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet.
Elon Musk (M.), CEO von Tesla und SpaceX, nimmt am Gottesdienst in der Kathedrale Notre Dame teil und schaut fasziniert zur Decke. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen im Jahr 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet. © Ludovic Marin
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) begrüßt den designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die am Samstag, 7. Dezember 2024, in Paris feierlich wiedereröffnet wurde.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) begrüßt den designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die am Samstag, 7. Dezember 2024, in Paris feierlich wiedereröffnet wurde.  © Christophe Petit-Tesson/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l.) und seine Frau Brigitte begrüßen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der Kathedrale Notre-Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l.) und seine Frau Brigitte begrüßen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der Kathedrale Notre-Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung. © Teresa Suarez/dpa
Der designierte US-Präsident Donald Trump sitzt in der Kathedrale Notre-Dame und wartet auf den Beginn der feierlichen Wiedereröffnung.
Der designierte US-Präsident Donald Trump sitzt in der Kathedrale Notre-Dame und wartet auf den Beginn der feierlichen Wiedereröffnung.  © Thibault Camus/dpa
Elon Musk kommt in der Kathedrale Notre Dame an. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet.
Elon Musk kommt in der Kathedrale Notre Dame an. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet. © Thibault Camus/dpa
Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Am 15. April 2019 fing der Dachstuhl der Notre-Dame Kathedrale Feuer. Vier Stunden lang wüteten die Flammen und fügten dem historischen Bauwerk schwere Schäden zu. Wenige Monate später beschloss das französische Parlament den Wiederaufbau der Kathedrale. Fünf Jahre später und nach Ausgaben von bis zu 600 Millionen Euro wird Notre-Dame am 8. Dezember 2024 feierlich wiedereröffnet. © Christian Böhmer/dpa
Vor der Wiedereröffnung der Pariser Notre-Dame
Kurz vor der Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame verschaffte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Begleitung seiner Ehefrau Brigitte Macron einen eigenen Eindruck von den Reparaturarbeiten. © Sarah Meyssonnier/dpa

Wie sich Macron aus der Affäre ziehen will, ist derzeit offen. Seine Machtbasis im Élysée-Palast wird jedenfalls immer dünner. Heute diktiert ihm das Parlament das Vorgehen und sogar die Kabinettsspitze, für deren Besetzung eigentlich laut Verfassung einzig Macron zuständig ist. Das ist völlig neu für Frankreich.

Rubriklistenbild: © AFP

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