Nach diversen verdächtigen Drohnen-Sichtungen geraten auch Schiffe ins Visier. Vor Frankreich stürmen Soldaten einen Tanker. Russland reagiert erbost.
Brest – Der Einsatz läuft bereits seit einigen Tagen. Und er könnte Licht ins Dunkel bezüglich einiger Drohnen-Attacken in der jüngeren Vergangenheit bringen. Soldaten der französischen Marine haben einen Frachter vor der Küste des Landes geentert, um diesen zu durchsuchen. Das berichtet unter anderem die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (afp) unter Berufung auf Militärkreise.
Der Fall erinnert an den eines Frachters, den Spezialkräfte der deutschen Polizei im Nord-Ostsee-Kanal vor wenigen Tagen durchforsteten. Diesmal verbreitet unter anderem der französische Sender BFMTV Bilder von vermummten Einsatzkräften an Bord. Zwei Personen sollen festgenommen worden sein, sie hätten sich als Kapitän und Steuermann zu erkennen gegeben, habe Stephane Kellenberger, Staatsanwalt von Brest, erklärt.
Frankreich durchsucht Tanker: Gehört Schiff zu Putins „Schattenflotte“?
Der Tanker sei angezeigt worden, es fehle ein Nachweis der Nationalität, zudem habe sich die Crew geweigert, den Anweisungen zu folgen, wie auch die Zeitung Le Parisien berichtet. Die Ermittlungsabteilung der Seegendarmerie und die Gruppe der Seegendarmerie Atlantik hätten den Fall übernommen. Bei einer Verurteilung drohen demnach bis zu ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro.
Das Schiff soll zuletzt unter dem Namen „Boracay“ oder „Pushpa“ unterwegs gewesen sein, zuvor hörte es aber auch schon auf „Varuna“, „Kiwala“ oder „P. Fos“. Derzeit verkehrt es unter der Flagge Benins, in der Vergangenheit aber auch schon unter jenen von Dschibuti, Gabun, Liberia oder der Mongolei, wie dem Portal opensanctions.org zu entnehmen ist.
Schiff von französischen Soldaten durchsucht: Von Russland auf dem Weg nach Indien
Im russischen Primorsk startete der 2007 gebaute Frachter auf jeden Fall am 20. September seine aktuelle Tour, wie auf dem Portal vesselfinder.com zu lesen ist. Demnach gilt Valdinar in Indien als Ziel, die Reise sollte einen Monat dauern.
Einer afp-Analyse der Daten auf dem Portal zufolge hielt sich das Schiff zwischen dem 22. und dem 25. September nahe der Küste Dänemarks auf. Es waren jene Tage, an denen vermehrt Drohnen über dem Land gesichtet wurden. Dänemark rätselt noch immer, von wo aus die Flugobjekte gestartet sind.
Mittlerweile ankert das Schiff seit einigen Tagen vor der Küste von Saint-Nazaire im Westen Frankreichs. Die Soldaten sollen bereits am Samstag an Bord gegangen sein.
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Macron nach Einsatz auf Tanker: „Sehr schwerwiegende Fehler“ der Besatzung
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich am Rande des EU-Gipfels in Kopenhagen zu dem Vorfall. Wie der dänische Sender TV 2 informiert, blieb er jedoch zurückhaltend, was die Rolle des Tankers bei den Drohnen-Sichtungen über Dänemark angeht: „Es ist nicht meine Aufgabe, diesen Zusammenhang herzustellen. Ich bleibe vorsichtig.“
Laut französischen Medien sagte er über die „Schattenflotte“: „Sie finanziert nach unseren Schätzungen 40 Prozent der russischen Kriegsanstrengungen. Zwischen 600 und 1000 Schiffe operieren auf diese Weise und ermöglichen den Transport russischer Kohlenwasserstoffe, selbst wenn dies verboten ist.“
Die Besatzung des Tankers habe „sehr schwerwiegende Fehler begangen, die das Gerichtsverfahren rechtfertigen“. Macron lobte die Einsatzteams, die rechtzeitig eingegriffen hätten. Zugleich erwähnte er, dass der Fall „die Präsenz und Realität der russischen Schattenflotte“ unterstreiche.
Russland über Einsatz auf Frachter: Peskow wirft Europa „provokative Maßnahmen“ vor
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe zurück, wie unter anderem die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtet. Auf den Vorfall angesprochen, sagte er demnach: „Zu dem konkret erwähnten Schiff kann ich nichts sagen. Wir haben keine Informationen und wissen daher nicht, von welchem Schiff gesprochen wird.“
Allerdings warf er den Europäern „zahlreiche provokative Maßnahmen“ vor, die „der Gewährleistung der Freiheit der Handelsschifffahrt absolut nicht förderlich sind“. Die Folge daraus: „Manchmal veranlasst dies unsere Streitkräfte, sozusagen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung zu ergreifen.“
Drohnen-Sichtungen über NATO-Gebiet: Sicherheitsexperte mit Vorwurf an Russland
Zuletzt häuften sich die Sichtungen von Drohnen über Ostsee-Anrainerstaaten, die zur NATO gehören. Polen und Estland – im zweiten Fall wegen der Luftraumverletzung durch russische Jets – aktivierten wegen solcher Vorfälle bereits Artikel 4 des NATO-Vertrags, der Konsultationen im Fall einer Bedrohung zur Folge hat.
In Deutschland sorgte gerade erst ein Bericht des Spiegel vor Aufsehen, wonach die Behörden nach Drohnen-Überflügen über Einrichtungen in Schleswig-Holstein befürchten, diese seien aus der Luft vermessen worden. Betroffen waren unter anderem ein Kraftwerk, eine Werft und ein Klinikum.
Obwohl es offenbar an Beweisen fehlt, fällt der Verdacht schnell auf Russland. Während der Drohnen-Vorfälle in Dänemark war auch ein russisches Kriegsschiff in der Nähe entdeckt worden. Laut der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau hält Jacob Kaarsbo, Experte für Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Schiffe als sogenannte Startrampen für möglich. Der einstige Chefanalyst des dänischen Nachrichtendienstes betonte: „Es ist schwer vorstellbar, dass außer Russland irgendjemand die Fähigkeit und Absicht hat, so etwas zu tun.“ (Quellen: afp, BFMTV, Le Parisien, opensanctions.org, vesselfinder.com, TV 2, Tass, Spiegel, Ritzau) (mg)