VonMarcus Giebelschließen
Nach diversen Zwischenfällen mit Drohnen in Dänemark erregt ein russisches Kriegsschiff Aufmerksamkeit. Ein Experte verweist auf die Schattenflotte.
Kopenhagen – Die zahlreichen Drohnen-Sichtungen über Dänemark werfen einige Fragen auf. Wer steckt dahinter? Wo starten die Flugobjekte ihre Missionen, die schon zu vorübergehenden Flughafenschließungen geführt haben? Welche Ziele stecken hinter den Überflügen? Eine Antwort könnte nun eine Recherche von Ekstra Bladet (EB) liefern.
Das Boulevardblatt berichtet, es sei mithilfe eines Hubschraubers auf ein russisches Kriegsschiff gestoßen, das sich in der Nähe dänischer Gewässer versteckt halte. Da dessen AIS-Signal ausgeschaltet sei, könne es weder geortet noch in Schiffsdatenbanken gefunden werden. Es handele sich um das zur russischen Ostseeflotte zählende Landungsschiff „Aleksandr Shabalin“, benannt nach einem sowjetischen Schiffsoffizier, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte und zweimal als Held der Sowjetunion ausgezeichnet wurde.
Drohnen über Dänemark gesichtet: Russisches Kriegsschiff nahe Insel wohl nicht selbst als Basis genutzt
Das Schiff liegt demnach zwischen der Südspitze von Langeland und Lolland, zwei der zahlreichen dänischen Inseln östlich des Festlandes. Der Abstand zur Küste von Langeland wird mit zwölf Kilometern angegeben. Die betroffenen Flughäfen und Militäranlagen seien von seinem Standort zwischen 70 und 270 Kilometer entfernt.
Weiter heißt es, das vor allem im syrischen Bürgerkrieg eingesetzte Schiff sei mit Raketenwerfern, Flugabwehrgeschützen und Maschinenkanonen ausgestattet, könne bis zu zehn Panzer und 340 Soldaten befördern. Erwähnt wird auch die Einschätzung von Jacob Kaarsbo, Experte für Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Der einstige Chefanalyst des dänischen Nachrichtendienstes erklärt, das Schiff könnte zwar selbst als Drohnenbasis agiert haben, doch dies wäre „etwas zu offensichtlich“. Vielmehr vermutet er, dass die „Aleksandr Shabalin“ die Schiffe der Schattenflotte Russlands ergänzt habe. Diese könnten Drohnen an Bord haben. Dabei wird auch darauf verwiesen, dass Deutschland gerade erst ein solches Schiff festgesetzt habe – wegen des Verdachts, von dort aus seien Drohnen gestartet und über kritische Infrastruktur im Bundesgebiet geflogen.
Russische Drohnen-Missionen? Kriegsschiff verhält sich nahe dänischer Inseln auffällig
Folglich könnte das nun entdeckte Schiff eine Beobachtungsfunktion eingenommen haben. Ebenso bringt er eine Rolle als Abschreckung ins Spiel. So sei es durchaus klug, ein Kriegsschiff quasi im „Hinterzimmer“ zu positionieren, wenn sich die Aufmerksamkeit auf zivile Schiffe und deren Verwicklung in die Drohnen-Missionen richte.
Damit wäre es also ein Ablenkungsmanöver. Kaarsbo glaubt demnach jedenfalls nicht daran, dass ein russisches Kriegsschiff in diesen Tagen zufällig nahe der dänischen Hoheitsgewässer liegt.
Nach EB-Informationen war Dänemarks Streitkräften bekannt, dass sich das Schiff vor Langeland aufhielt. Während des Hubschrauber-Überflugs habe es so ausgesehen, als würde sich die „Aleksandr Shabalin“ in nordöstlicher Richtung bewegen. Sicher könne das wegen des ausgeschalteten Ortungssignals aber nicht gesagt werden.
Aufnahmen des Kriegsschiffes verbreitete auch der Facebook-Account Shipandmaritimephotography. Diese sollen am 14. September vor Langeland entstanden sein. Während auf den meisten Bildern im Hintergrund nur der Horizont zu erkennen ist, ist einmal ein Windpark zu sehen, ein anderes Mal eine Küste zu erahnen.
Dänemark nach Drohnen-Sichtungen: Frederiksen sieht Russland als Bedrohung für Sicherheit
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen betonte derweil in einer unter anderem auf Facebook verbreiteten Videobotschaft, die Behörden hätten noch nicht feststellen können, wer hinter den Hybridangriffen steckt. Allerdings stehe fest, „dass es vor allem ein Land gibt, das eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellt – und zwar Russland“.
Sie habe unter anderem mit Bundeskanzler Friedrich Merz, dem britischen Premierminister Keir Starmer und NATO-Generalsekretär Mark Rutte gesprochen. Im Dialog mit den NATO-Partnern werde erörtert, „wie sie Dänemark in der aktuellen Situation beim Schutz und der Verteidigung unseres Luftraums helfen können“.
Auf X schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, er habe Frederiksen die volle Solidarität seines Landes zugesichert. Die Grande Nation sei „bereit, Dänemark bei der Beurteilung der Lage zu unterstützen und zur Sicherheit des dänischen Luftraums beizutragen“.
Wadephul nach Drohnen-Vorfällen: „NATO zu einer flexiblen Antwort in der Lage“
In New York meldete sich derweil Außenminister Johann Wadephul zu Wort. Am Rande der UN-Vollversammlung betonte der CDU-Politiker laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die jüngsten Grenzverletzungen hätten gezeigt, „dass Russland nur eine Sprache versteht. Und das ist die Sprache der kraftvollen Verteidigung der europäischen Interessen und der Interessen der Freiheit.“
In Richtung Kreml-Chef Wladimir Putin fügte er an: „Russland muss wissen, wir, die NATO, sind jederzeit zu einer flexiblen Antwort in der Lage.“ Auch die Bundeswehr müsse zur Verteidigung der Freiheit deutlich verstärkt werden. Er gehe davon aus, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD „einen Großteil der Investitionen jetzt auch in eine Verstärkung der Luftverteidigungskräfte stecken wird. Das ist notwendig.“ (Quellen: Ekstra Bladet, Facebook, X, dpa) (mg)
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