Frieden in Gaza? Israelischer Ex-General gibt sich optimistisch
VonSandra Kathe
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Israel und die Hamas haben sich auf ein Friedensabkommen geeinigt. Militärexperten sehen Gründe, warum es den Kriegsparteien diesmal Ernst sein könnte.
Gaza/Tel Aviv – Unter Vermittlung der USA sowie zahlreicher Golfstaaten haben die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu sowie die Hamas einem Friedensplan für Gaza zugestimmt. In dessen Folge sollen die verbleibenden überlebenden Geiseln des Hamas-Angriffs vor zwei Jahren freigelassen werden und die israelische Armee sich nach und nach aus dem Gazastreifen zurückziehen.
Zwar ist es nicht das erste Mal, dass die Verhandlungen im Konflikt zwischen den beiden Kriegsparteien zu einem Waffenstillstand geführt haben. Doch Fachleute sehen einige Gründe, dass es Netanjahus israelischer Regierung und der Hamas-Führung diesmal ernst sein könnte. Vor allem Israel steht nicht nur wegen heftiger Kritik aus der Bevölkerung unter Druck, sondern auch weil sich zahlreiche internationale Regierungen für eine Unterstützung der Palästinenser ausgesprochen haben.
Verhandlungen zum Krieg in Gaza: Luftangriff auf Doha war Schlüsselmoment
In einem Tagesschau-Bericht heißt es darüber hinaus, dass sich die Lage auch aus Sicht der Hamas gewandelt habe. So zitiert das ARD-Format Friedensvermittler Gershon Baskin, der Israels Luftangriff auf Hamas-Vertreter in Doha Anfang September als Schlüsselmoment der Verhandlungen heraushebt und sagt, dass die darauf folgende Reaktion der USA als Verbündeter Katars der Hamas-Führung ihr Misstrauen genommen hätte. Nur auf dieser Basis sei eine Zustimmung zu den Friedensplänen überhaupt möglich geworden.
Nun könnten, jüngsten Ankündigungen von Donald Trump zufolge, bereits Anfang der Woche weitere der am 7. Oktober entführten Geiseln freigelassen werden. Das israelische Militär werde sich schrittweise aus dem größten Teil des Gazastreifens zurückziehen und eine Notfallversorgung für die Menschen in dem in Trümmern liegenden Palästinensergebiet zulassen.
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Offiziellen, und von den Vereinten Nationen als glaubwürdig eingestuften, Zahlen zufolge seien seit dem Beginn der Angriffe durch das israelische Militär im Gazastreifen 67.000 Menschen ums Leben gekommen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. In Teilen des Palästinensergebiets herrsche eine Hungersnot, die weitere Leben koste.
Militärexperte sieht mögliches Ende im Gaza-Krieg – Es braucht starke Partner für Stabilität
In einem Interview mit dem Spiegel bespricht auch der ehemalige israelische General Israel Ziv die Hintergründe der sich ankündigenden Friedenslösung für den Gazastreifen und betont, dass in der aktuellen Lage weder Israel noch die Hamas „mutig genug“ seien, „die Schuld für ein Scheitern auf sich zu nehmen“. Für eine langfristige Lösung sehen Experten wie er aber auch eine dritte Partei in der Pflicht, die einen langfristigen Frieden in Gaza sichert. Eine Rolle, der die USA als Verbündeter nicht gerecht werden könnten.
Stattdessen spricht Ziv etwa von einer der Möglichkeit einer „multinationalen oder multiarabischen Armee“ – mit Streitkräften etwa aus Jordanien, Saudi-Arabien oder den Golfstaaten. Diese könnte einerseits die Aufgabe erfüllen, ein „Vakuum“ im Gazastreifen zu verhindern, in dem die stark geschwächte Terrororganisation Hamas, die bislang Gazastreifen auch politisch regiert hat, ihre Macht wieder aufbauen kann. Die Alternative dafür wäre Zivs Ausführungen nach, dass die israelische Armee im Gazastreifen im Einsatz bleibe, was für alle Beteiligten viele Nachteile hätte.
Langfristige Lösung des Gazakriegs: Trumps Eingreifen schafft für Netanjahu einen Ausweg
Allein die Tatsache, dass eine dauerhafte Besatzung des Gazastreifens für Israel „eine immense militärische Belastung bedeuten“ würde, sieht der Militärexperte Ziv als wichtigen Grund für Israel, einer Alternativlösung zuzustimmen. Ganz abgesehen davon, dass eine israelische Besatzung „das Leben der Menschen und die Zukunft von Gaza nicht verbessern“ könne. Vor diesem Hintergrund – und weil sich auch Israels Bevölkerung einem Krieg mehr und mehr entgegenstellt – gibt Ziv sich vorsichtig optimistisch dafür, dass die Übereinkunft über einen Waffenstillstand nun anhält.
Zivs Ausführungen gegenüber dem Spiegel zufolge ist das jedoch nicht in erster Linie Trumps Verhandlungsgeschick – und der klaren Positionierung der USA nach dem Angriff in Doha – zu verdanken, sondern kommt vor allem deswegen, weil Netanjahu sich durch das Eingreifen Trumps ein willkommener Ausweg biete. Dieser könne nun gegenüber seiner rechten Koalitionspartner argumentieren, dass er den Krieg zwar gern weiterführen würde, aber das Eingreifen des US-Präsidenten ihm keine andere Wahl lasse. An den Differenzen zwischen den beiden Kriegsparteien habe sich dagegen nichts geändert. (Quellen: Tagesschau, Spiegel, Reuters) (saka)