Nato-Kooperation

Wegen Gaza-Krieg: Türkei blockiert Zusammenarbeit zwischen Nato und Israel

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Israels Krieg im Gazastreifen belastet das Verhältnis zur Türkei. Ankara blockiert seitdem die Kooperation in der Nato. Die Lage droht zu eskalieren.

Ankara – Die Türkei blockiert offenbar seit Oktober die Zusammenarbeit zwischen der Nato und Israel. Wegen des Krieges im Gazastreifen wird das Verhältnis beider Länder seitdem auf die Probe gestellt. In jüngster Zeit hat das Säbelrasseln Ankaras nochmals deutlich zugenommen. Auch einige Entscheidungsträger in Israel sind in ihrer Rhetorik wenig zimperlich. Damit wächst die Sorge vor einer Eskalation.

Vor der israelischen Offensive im Gazastreifen, die durch den Amoklauf der militanten Palästinenserorganisation Hamas am 7. Oktober ausgelöst wurde, hatte sich das Nato-Mitglied Türkei bemüht, seine seit langem gespannten Beziehungen zu Israel zu verbessern. Seitdem hat Ankara die israelische Operation im Gazastreifen, die seiner Meinung nach einem Völkermord gleichkommt, scharf kritisiert und den gesamten bilateralen Handel eingestellt. Auch mit Kritik an seinen westlichen Verbündeten für ihre Unterstützung Israels hat das Land seitdem nicht gespart.

Die Türkei blockiert die Zusammenarbeit Israels mit der Nato – wegen des Kriegs im Gazastreifen

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gaben mit dem Prozess vertraute Quellen, die nicht näher genannt wurden, jetzt zu, dass die Türkei seitdem die Zusammenarbeit zwischen der Nato und Israel blockiert. Ankara fordere, dass sich das Bündnis nicht mit Israel als Partner einlassen solle, solange der Konflikt nicht beendet sei, hieß es weiter. Unter der Bedingung der Anonymität hätten die Quellen berichtet, dass die Türkei seit Oktober ihr Veto gegen alle Nato-Aktivitäten mit Israel eingelegt habe – einschließlich gemeinsamer Treffen und Übungen.

Recep Tayyip Erdoğan auf dem Nato-Gipfel in Washington.

Begründet sei dies damit, dass Ankara „Israels Massaker“ an den Palästinensern im Gazastreifen als Verstoß gegen die Gründungsprinzipien des Verteidigungsbündnisses betrachte. Den Quellen der Agentur zufolge wird die Türkei die Blockade aufrechterhalten. Man werde Israel nicht erlauben, die Interaktion mit der Nato fortzusetzen oder voranzutreiben, solange der Konflikt nicht beendet ist, hieß es dort – schließlich sei man der Ansicht, dass Israels Aktionen im Gazastreifen gegen das Völkerrecht und die allgemeinen Menschenrechte verstoßen würden.

Erdoğan fordert Stopp der Nato-Kooperation – und droht Israel wegen Krieg in Gaza mit dem Einmarsch

Israel hat derzeit den Status eines Nato-Partners und pflegt enge Beziehungen zu dem Militärbündnis und einigen seiner Mitglieder, vor allem zu seinem größten Verbündeten, den Vereinigten Staaten. Eine UN-Untersuchung im Juni ergab, dass sowohl Israel als auch die Hamas in der Anfangsphase des Gaza-Krieges Kriegsverbrechen begangen hatten. Aufgrund der immensen Verluste unter der Zivilbevölkerung wurden die israelischen Aktionen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft. Israel weist dies zurück und behauptet, seine Operation im Gazastreifen ziele auf die Auslöschung der Hamas ab. Nach einem Nato-Gipfel in Washington im Juli erklärte die Türkei dann, die Nato könne ihre Partnerschaft mit der israelischen Regierung nicht fortsetzen.

Anfang dieser Woche erfolgte schließlich ein Eklat, das den israelischen Außenminister Israel Katz dazu brachte, einen Nato-Ausschluss der Türkei zu fordern. Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf einer Sitzung seiner regierenden Partei AKP am Montag (29. Juli) gefordert, die Türkei müsse „sehr stark sein“, damit Israel zu einem anderen Umgang mit den Palästinensern gezwungen sei. „So wie wir in Karabach eingegriffen haben, so wie wir in Libyen eingegriffen haben, werden wir genau das Gleiche mit ihnen machen“, sagte Erdoğan und bezog sich dabei auf frühere militärische Interventionen der Türkei.

Keine der Seiten wirkt deeskalierend – Krieg im Gazastreifen wird für Türkei und Israel zur Zerreißprobe

Dieses Säbelrasseln löste eine wütende Reaktion Israels aus und trug zu den Ängsten vor einem größeren regionalen Konflikt bei. „Angesichts der Drohungen des türkischen Präsidenten Erdoğan, in Israel einzumarschieren, und seiner gefährlichen Rhetorik hat Außenminister Israel Katz Diplomaten angewiesen, sich dringend mit allen Nato-Mitgliedern in Verbindung zu setzen, um die Türkei zu verurteilen und ihren Ausschluss aus dem regionalen Bündnis zu fordern“, teilte das israelische Außenministerium laut Medienberichten mit.

Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU

EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp

In einer am Einschätzung von Dr. Gallia Lindenstrauss, einer leitenden Forscherin für türkische Angelegenheiten am Institut für nationale Sicherheitsstudien in Israel zufolge, tragen beide Seiten zu einer Eskalation bei. Das schreibt die israelische Zeitung Haaretz. „Die rhetorischen Kämpfe zwischen Entscheidungsträgern in Israel und Erdogan und insbesondere die Tweets von Außenminister Israel Katz tragen zur Verschärfung der Krise bei, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie zu einer Zurückhaltung auf türkischer Seite führen“, äußerte sich die Forscherin dem Bericht nach am Dienstag (30. Juli) zu der Situation. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jakub Porzycki

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