Mehrere Helfer bei israelischem Luftangriff in Gaza getötet – NGO kündigt Konsequenzen an
VonBabett Gumbrecht
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Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist durch den Krieg weiter katastrophal. Nun bestätigt die Hilfsorganisation World Central Kitchen den Tod von sieben Mitarbeitern.
Gaza – Ungeachtet aller Friedensappelle tobt der Krieg im Gazastreifen weiter. Nun sind bei einem israelischen Luftangriff nach Angaben der Hilfsorganisation World Central Kitchen sieben ihrer Mitarbeiter getötet worden.
„Die israelische Regierung muss dieses wahllose Töten stoppen“, schrieb der Gründer der Organisation, der in den USA lebende spanische Starkoch José Andrés, am frühen Dienstagmorgen (2. April) auf der Plattform X (ehemals Twitter). Die Hilfsorganisation zieht nach dem Vorfall die Reißleine: „World Central Kitchen stellt seine Aktivitäten in der Region ab sofort ein. Wir werden bald Entscheidungen über die Zukunft unserer Arbeit treffen“, schreibt die NGO auf ihrer Webseite.
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Wie das WCK-Team berichtet, sei die Gruppe mit zwei gepanzerten Fahrzeugen in einer Sicherheitszone unterwegs gewesen. Obwohl der Konvoi seine Bewegungen mit den israelischen Verteidigungsstreitkräften koordiniert hatte, wurde er getroffen, als er das Lagerhaus in Deir al-Balah verließ. Dort lagert das Team mehr als 100 Tonnen Nahrungsmittel, die auf dem Seeweg nach Gaza gebracht worden waren.
„Dies ist nicht nur ein Angriff auf WCK, sondern auch auf humanitäre Organisationen, die in den schlimmsten Situationen, in denen Lebensmittel als Kriegswaffe eingesetzt werden, Hilfe leisten. Das ist unverzeihlich“, sagte die Geschäftsführerin von World Central Kitchen, Erin Gore.
Opfer stammen aus aller Welt: Angriff auf Hilfsarbeiter in Gaza wird scharf verurteilt
Die sieben Getöteten stammen unter anderem aus Australien, Polen, dem Vereinigten Königreich, USA und Kanada sowie aus Palästina. Der australische Premierminister Anthony Albanese bestätigte den Tod einer australischen Mitarbeiterin der Hilfsorganisation und verurteilte den Angriff scharf. „Dies ist eine Tragödie, die niemals hätte passieren dürfen“, zitierten australische Medien Albanese am Dienstag. Seine Regierung habe die israelische Regierung wegen des Vorfalls direkt kontaktiert.
Die Familie einer Mitarbeiterin aus Australien sagte, die 43-Jährige sei getötet worden, „während sie die Arbeit verrichtete, die sie liebte“. Sie werde „ein Vermächtnis des Mitgefühls, des Mutes und der Liebe für alle in ihrem Umkreis hinterlassen“.
Israels Armee: Untersuchungen der Umstände des „tragischen Vorfalls“ eingeleitet
Israels Armee schrieb auf Telegram, das Militär führe „eine gründliche Untersuchung auf höchster Ebene durch, um die Umstände dieses tragischen Vorfalls zu verstehen“. World Central Kitchen betreibt in Gaza mit örtlichen Partnern Gemeinschaftsküchen, die Mahlzeiten für die Bevölkerung zubereiten. Derzeit beteiligt sich die Organisation an Hilfslieferungen, die seit März von Zypern aus über das Meer in das Kriegsgebiet gelangen. Sie hat dabei auch die Verteilung der Hilfsgüter vor Ort übernommen, berichtet die Deutsche-Presse-Agentur (dpa).
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Israel müsse aufhören, humanitäre Hilfe einzuschränken, Zivilisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu töten und Lebensmittel als Waffe einzusetzen, schrieb Mitbegründer Andrés weiter. „Keine weiteren unschuldigen Todesopfer. Frieden beginnt mit unserer gemeinsamen Menschlichkeit. Er muss jetzt beginnen“, fügte er hinzu.
In der Nacht kursierten auf diversen Social-Media-Plattformen Foto- und Videoaufnahmen, die die getöteten Mitarbeiter von World Central Kitchen zeigten. Zu sehen waren ihre Leichen in Schutzwesten und ihre blutverschmierten Pässe. Neben Statements von der NGO und Politikern zeigten sich auch X-User betroffen. „Dies ist eine Organisation, die dafür bekannt ist, den Leidenden zu helfen. Dieser Akt der Gewalt ist unverzeihlich“, schreibt eine X-Userin unter der Mittelung von WCK.