Gegen Gaza-Einsatz: In Israel demonstrieren mehr als 200.000 Menschen
VonLaura May
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Proteste gegen Israel im Krieg: Zehntausende demonstrieren gegen Netanjahus Gaza-Politik und für Geisel-Freilassung, während das Militär aufstockt.
Tel Aviv – Die Kritik an Israel im Krieg wird auch innerhalb des Landes immer lauter. Zehntausende Israelis blockierten am Sonntag (17. August) landesweit Straßen und legten mit einem Generalstreik das öffentliche Leben teilweise lahm, um für die Freilassung der Hamas-Geiseln und ein Ende des Gaza-Krieges zu demonstrieren. „Bringt sie alle nach Hause!“, skandierten die Demonstranten in Tel Aviv, während in Jerusalem und anderen Städten viele Geschäfte geschlossen blieben.
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Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte mit scharfer Kritik. Er warf den Protestierenden vor, „nicht nur die Position der Hamas zu stärken und die Freilassung unserer Geiseln zu verzögern, sondern auch dafür zu sorgen, dass sich die Gräueltaten des 7. Oktober (2023) wiederholen“.
Protest in Israel gegen Gaza-Krieg: Knapp eine halbe Million Menschen
Die Proteste fallen zusammen mit der Ankündigung des israelischen Sicherheitskabinetts, den Militäreinsatz im Gazastreifen auszuweiten. Armeechef Ejal Samir genehmigte am selben Tag die „nächste Phase“ der Pläne zur Einnahme der Stadt Gaza. Nach Angaben des Forums der Geiselfamilien, das zu den Protesten aufgerufen hatte, beteiligten sich landesweit fast eine halbe Million Menschen an den Kundgebungen.
Besonders dramatisch gestalteten sich die Straßenblockaden. Demonstranten zündeten Reifen an und verursachten erhebliche Verkehrsbehinderungen. Die wichtige Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem wurde komplett blockiert. Die Polizei griff durch und nahm mehr als 30 Teilnehmer fest.
Israel: Menschen versammeln sich vor Netanjahus Resident und fordern Freilassung von Geiseln
Die geplante Militäroperation sieht laut Medienberichten eine Evakuierung der Bewohner der Stadt Gaza vor, gefolgt von einer Umzingelung und Eroberung. Für diese Einsätze werden nach israelischen Medienberichten zehntausende Reservisten einberufen. Die Armee erklärte, sie wolle ihre Einsätze auf die Stadt Gaza „konzentrieren“, um die Hamas „entscheidend“ zu schlagen.
Auf dem „Platz der Geiseln“ in Tel Aviv, der seit Kriegsbeginn zu einem Symbol geworden ist, hängten Demonstranten eine riesige israelische Flagge mit Porträts der Entführten auf. Vor Netanjahus Residenz versammelten sich dutzende Menschen mit Fotos von Geiseln und schwenkten israelische sowie gelbe Fahnen – die symbolische Farbe für die Geiseln.
Gaza-Einsatz: Geisel-Angehörige werfen der israelischen Regierung „sinnlosen Krieg“ vor
Einav Tzangauker, Mutter der Geisel Matan und Sprecherin vieler Angehöriger, artikulierte die Frustration der Familien: „Wir fordern ein umfassendes und umsetzbares Abkommen sowie ein Ende des Krieges. Wir fordern, was uns zusteht: unsere Kinder.“ Sie kritisierte die Regierung scharf und erklärte: „Die israelische Regierung hat nie eine echte Initiative für ein umfassendes Abkommen und das Ende des Krieges vorgeschlagen. Sie haben den gerechtesten Krieg in einen sinnlosen Krieg verwandelt.“
Die israelische Regierung hat nie eine echte Initiative für ein umfassendes Abkommen und das Ende des Krieges vorgeschlagen. Sie haben den gerechtesten Krieg in einen sinnlosen Krieg verwandelt.
Die Hamas und verbündete Kämpfer hatten mit ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg ausgelöst. Bei dem Überfall wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet und 251 als Geiseln verschleppt. Noch immer hält die Hamas 49 Geiseln fest, von denen nach Einschätzung der israelischen Armee nur noch 22 am Leben sind.
Die Angehörigen der Geiseln fürchten nun, dass die Ausweitung des Militäreinsatzes zum Tod ihrer festgehaltenen Familienmitglieder führen könnte. Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben der Hamas-Behörden mehr als 61.900 Menschen im Gazastreifen getötet. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen, werden von der UNO jedoch als realistisch eingestuft. (lm/afp)