Israel bereitet Umsiedlung von Zivilisten in Gaza vor
VonKatja Thorwarth
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Tausende fordern in Tel Aviv ein Ende des Gaza-Kriegs, doch die Regierung bereitet die Ausweitung vor. Viele Menschen werden Gaza verlassen müssen.
Tel Aviv – Die Situation für die Bevölkerung im Gazastreifen ist durch den Krieg Israels gegen die Hamas katastrophal. Beobachter sprechen von einer humanitären Katastrophe; der Küstenstreifen ist eine Trümmerlandschaft.
Doch Israels Regierung um Benjamin Netanjahu hat die Kriegsziele noch nicht erreicht, die sie selbst als Zerschlagung der Hamas und die Befreiung der verbliebenen Geiseln definiert. Dazu gehört für Israel im Krieg wohl auch die langfristige Kontrolle über den Gazastreifen.
Kürzlich erst hatte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu die Besetzung des gesamten Küstengebietes angekündigt, was eine de facto Ausweitung des Gaza-Kriegs auf dicht besiedelten Gebieten wie etwa die Stadt Gaza bedeutet. Entsprechend bereitet Israel nun die Umsiedlung von Palästinenserinnen und Palästinensern innerhalb des abgeriegelten Streifens vor.
Die Militärbehörde Cogat teilte auf X mit, am Sonntag (17. August) werde die Lieferung von Zelten und Ausstattung für die Unterkünfte wieder aufgenommen. Damit bereite man die Evakuierung der Bevölkerung aus Kampfgebieten vor.
Israels Regierung bereitet Umsiedlung der Menschen aus Gaza vor
Die Menschen würden „zu ihrem Schutz“ in den Süden des Gazastreifens gebracht. Wohin genau, erklärte die Behörde nicht. Auch ist unklar, wann die Evakuierung beginnen soll.
Der Plan zur Ausweitung des Gaza-Kriegs sieht die Einnahme der Stadt Gaza und zentraler Flüchtlingslager vor. Dies geschieht laut Regierungsangaben zur Zerschlagung der palästinensischen Terrororganisation Hamas. Im Vorfeld hatte der israelische Generalstabschef Ejal Zamir Medienberichten zufolge vor großen Risiken für Soldaten und den im Gazastreifen verbliebene Geiseln gewarnt, jedoch die Planungen zur Erfüllung der Regierungsvorgaben eingeleitet.
Hintergrund
Der Überfall der Hamas und anderer islamistischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden, löste den Gaza-Krieg mit Zehntausenden Toten aus.
Am Samstagnachmittag teilte die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde in Gaza mit, dass bei israelischen Angriffen in den 24 Stunden zuvor 62 Palästinenser ums Leben gekommen seien. 29 von ihnen seien im Zusammenhang mit der Verteilung von humanitären Hilfsgütern getötet worden, was in den vergangenen Wochen immer wieder passierte, wie Beobachter melden.
Die Zahl der Toten seit Beginn des Gaza-Kriegs sei damit auf fast 62.000 gestiegen. Die Behörde unterscheidet bei ihren Angaben nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten. UN-Organisationen schätzen die Zahl aber als weitgehend glaubwürdig ein.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Tausende in Israel fordern Kriegs-Ende im Gazastreifen und Geisel-Freilassung
In Israel gingen derweil wieder Tausende Menschen auf die Straße, um ein Ende des Gaza-Kriegs und einen Deal zur Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas zu fordern. Am Sonntag (17. August) will die Organisation der Geiselangehörigen das Land mit einem Streik lahmlegen, um ihre Forderungen zu unterstreichen.
„Morgen werden wir das Land zum Stillstand bringen“, sagte Einav Zangauker bei der Kundgebung am Samstag – ihr Sohn Matan ist eine von 20 lebenden Geiseln im Gazastreifen. „Und wir werden nicht haltmachen, wir werden nicht auf Netanjahu warten, dass er den Krieg beendet, wir holen uns, was uns zusteht.“ Fraglich ist, welche Folgen der Streikaufruf haben wird. Der mächtige Gewerkschafts-Dachverband Histadrut schloss sich ihm nicht an.
Verhandlungslösung von Israel mit Hamas nicht vom Tisch
Eine Verhandlungslösung ist dennoch nicht völlig vom Tisch. Von einem Neustart der indirekten Gespräche, bei denen Ägypten, Katar und die USA zwischen Israelis und Hamas vermitteln, ist zwar derzeit keine Rede. Doch berichten Medien immer wieder von Kontaktaufnahmen und Sondierungen. (mit dpa)