Neues BND-Papier

Geheimdienst: Putin plant militärische Provokation gegen Nato 


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Artillerie auf Rädern: Kanonen und Panzer sind das große Plus der russischen Armee. Auch in der Ukraine führt Russland einen artilleristischen Krieg, dem die Nato und besonders Deutschland kaum gewachsen sein – hier ein Mehrfachraketenwerfer vom Typ BM-21 Grad bei Kursk (Symbolbild)
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Russland kurbelt seine Rüstung an. Und Putin wirft sein Auge auf Polen oder das Baltikum – damit rechnet der deutsche Geheimdienst in einem Dossier.

Berlin – „Russland bereitet sich auf einen großen Krieg vor“, sagt Carlo Masala. Der Politikwissenschaftler der Bundeswehr-Uni München hatte zusammen mit Carsten Breuer in der ARD-Sendung „Maischberger“ philosophiert, was Wladimir Putins Invasionsarmee wohl vorhabe, wenn der Ukraine-Krieg zum Stillstand gekommen sei. Breuer ist als Generalinspekteur ranghöchster Soldat der Bundeswehr und hatte bereits Anfang 2024 gegenüber der Welt am Sonntag klargestellt: „In fünf Jahren müssen wir kriegstüchtig sein“ – davon ist schon das erste Jahr verstrichen. Die Zeit drängt.

Wie verschiedene Medien berichten, ergäbe eine Analyse von Militär und Bundesnachrichtendienst (BND), dass Russland sich für eine künftige Auseinandersetzung mit dem Westen rüste. Putin habe seine Soldaten im Vergleich zur Vorkriegsstärke verdoppelt, hat Carsten Breuer bei „Maischberger“ gesagt; mit Militärstrukturen, die ganz klar in Richtung Westen ausgerichtet seien, wie er anfügte. Das wäre erkennbar an der Errichtung neuer Militärbezirke an der westlichen Grenze Russlands – zum Beispiel in Moskau und in Leningrad. „Man hat Strukturen geschaffen, aus denen man ablesen kann, dass ein deutlicher Druck gegenüber dem Westen aufgebaut wird“, so Breuer.

Putins Marschrichtung: Russland sieht sich in einem Systemkonflikt mit dem Westen

Russland sähe sich in einem Systemkonflikt mit dem Westen, schreibt die Bild über das Fundament der künftig zu erwartenden Auseinandersetzungen. Grund für „die neue Tonlage“ führender Militärs, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) formuliert, sei nach Recherchen von SZ, WDR und NDR eine brandaktuelle Bewertung der politischen Lage durch den Geheimdienst. Laut der SZ sei sie erst wenige Wochen alt und bilde die Grundlage von Gesprächen in Berlin.

„Deshalb ist die Beendigung des Ukraine-Krieges, so sehr wie sie auch wünschen, und so sehr auch jeder daran arbeitet und jeder daran arbeiten muss – sie wird nicht dazu führen, dass wir wieder Frieden auf dem europäischen Kontinent haben.“

Carsten Breuer bei „Maischberger“

„Offenbar wollen Bundeswehr und Geheimdienst sich nicht noch einmal so überrumpeln lassen wie im Winter 2021/22, als der BND trotz eines massiven russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine nicht an einen Überfall glauben wollte“, schreiben die SZ-Autoren Manuel Bewarder, Florian Flade und Jörg Schmitt. Ihnen zufolge fehlten im Papier belastbare Erkenntnisse, dass eine Konfrontation Russland mit der Nato unmittelbar bevorstehe; nichtsdestotrotz arbeite Russland daran, Anfang der 2030er-Jahre einen „großmaßstäblichen konventionellen Krieg“ führen zu können, wie die Autoren aus dem Dossier zitieren.

Anders als viele Analysten glauben, und wie auch der Ukraine-Krieg Glauben macht, lasse Russland dieser seit mehr als drei Jahren Material und Menschen verschleißende militärische Konflikt demnach wirtschaftlich eher kalt. Wie Thomas Urban im Magazin Cicero geschrieben hat, sehe sich Putin von der Vorsehung dazu auserwählt, das russische Imperium wiederherzustellen. Insofern gingen auch die Analysten des BND davon aus, dass Putin weiter aus einer Position der Stärke agieren wolle, wie die SZ schreibt. Sabine Adler prophezeite im vergangenen Jahr gegenüber ZDF heute: Putin sei mit dem Krieg auf dem Zenit seiner Macht, so die ehemalige Moskau-Korrespondentin des Deutschlandfunks. „Und deshalb wird er nach der Ukraine einen neuen Kriegsschauplatz suchen, wenn er daran nicht gehindert wird.“

Europa erkennt: Kriegswirtschaft Russlands in der Lage, einen Überschuss zu produzieren

Die Lagebeurteilung der militärischen Stärke Russlands durch Generalinspekteur Carsten Breuer deckt sich mit Meinungen verschiedener Militär-Analysten: „Wie konnte die russische Rüstungsindustrie die Produktion bestimmter Waffen und Munition in relativ kurzer Zeit so deutlich steigern?“, fragt Julian Cooper. Der Analyst des britischen Thinktanks Royals United Services Institute (RUSI) zitiert in dieser Hinsicht den RUSI-Analysten Richard Connolly, der bereits im Februar gegenüber dem britischen Guardian zugespitzt hat, Russland verfüge über eine „Kalaschnikow-Ökonomie“: „ziemlich einfach, aber langlebig und für den Einsatz im großen Stil und in Konflikten konzipiert“, so der Autor. Russland habe einfach die Produktion auf dem Rücken der Arbeitnehmer erhöht: durch längere Bandlaufzeiten mit 12-Stunden-Schichten an sechs Tagen pro Woche.

Insofern schließe sich auch der Bundesnachrichtendienst der These an, dass Russland den Ukraine-Krieg mindestens in diesem Jahr wird weiterführen können. Wie Bild und SZ berichten, sei die Kriegswirtschaft Russlands nicht nur in der Lage, die Verluste durch den Ukraine-Krieg wettzumachen, sondern sogar einen Überschuss zu produzieren. Auch Carsten Breuer hat bei „Maischberger“ erklärt, dass beobachtet worden sei, wie Russland Material in Depots verbrächte. Daneben will Russland seine Armee von derzeit ungefähr 1,3 Millionen Kräften bis 2026 auf 1,5 Millionen Kräfte aufstocken sowie die Stückzahlen von Klein- und Großgerät in der Nähe zur Nato-Grenze „um 30 bis 50 Prozent“ erhöhen, wie SZ und Bild aus dem BND-Papier zitieren.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Ukraine-Krieg: Russische Armee hat sich in eine lernende Organisation gewandelt

Am Beispiel der Artillerie und der Luftabwehr, also Raketen, machen Guntram B. Wolff und andere Autoren klar, dass sich die russische Produktion anpassen könne, „sodass die Abhängigkeit von begrenzten Lagerbeständen kaum zu größeren Produktionsengpässen führen dürfte“, so die Autoren des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) in einem Papier aus dem September vergangenen Jahres. Ihnen zufolge habe sich die russische Armee unter den Bedingungen des Ukraine-Krieges in eine lernende Organisation gewandelt.

Um rückwärtige Systeme genauso effizient zu produzieren wie Frontsysteme, beispielsweise Panzer, beschreite die russische Armee einen Mittelweg. Der Engpass der Artillerie-Produktion bestehe in den Rohren, die sich unter Gefechtsbedingungen schnell abnützen. Im Panzerbau seien die Wannen Mangelware. Die Lösung: Russland führe moderne Artilleriesysteme auf Rädern ein, um die Abhängigkeit von Wannen zu beseitigen und damit den Produktionswettbewerb zwischen Panzern und Artillerie zu beenden, schreiben die Autoren, die daraus eine der hauptsächlichen Herausforderungen für europäische Armeen herleiten: den Innovationswettlauf mit Wladimir Putins Regime zu bestehen.

Nato alarmiert: Mit einer Warnung hat sich jetzt Mark Rutte während eines Besuchs in Warschau gemeldet

Das alles würde Moskau die Option eröffnen, einen begrenzten Konflikt heraufzubeschwören, um die Rückschlagwilligkeit der Nato auszuloten, beispielsweise durch einen Angriff auf das Baltikum. Von diesem Szenario ginge auch das BND-Papier aus, so die SZ. Insofern sehen deutsche Wirtschaftswissenschaftler eine Waffenruhe in der Ukraine kritisch: Die IfW-Autoren stellen klar, dass das Know-how Russlands in der Produktion neuerer Waffensysteme ebenfalls gewachsen sei – obwohl für die Raketenproduktion keine Zahlen vorliegen, sei die Effektivität Russlands in der Produktion von Drohnen um das Sechsfache gestiegen. Die aktuelle Situation sei insofern für die Nato bedrohlich – eine diplomatische Lösung des Konflikts für den Westen lebensgefährlich, so die Autoren, die nahe legen, dass ein Waffenstillstand Russland helfen würde, seine Bestände aufzufüllen.

Mit einer Warnung hat sich jetzt Mark Rutte während eines Besuchs in Warschau gemeldet: Das transatlantische Militärbündnis werde auf einen Angriff mit „voller Kraft“ reagieren, wie den Nato-Generalsekretär das Magazin Politico zitiert. In einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärte der polnische Premierminister Donald Tusk „Polen übernimmt die volle Verantwortung für die Sicherung seiner Ostgrenze, die zugleich die Grenze der EU ist.“ Neben dem Baltikum gilt Polen als eines der ersten Ziele eines möglichen Überfalls durch Wladimir Putin. Polen ist eines der Einfallstore für Russland nach Zentraleuropa.

Für den deutschen Generalinspekteur Carsten Breuer ist somit das Ende des Ukraine-Krieges lediglich ein Zwischenschritt für Wladimir Putin, wie er in der Sendung „Maischberger“ sagte: „Deshalb ist die Beendigung des Ukraine-Krieges, so sehr wie sie auch wünschen, und so sehr auch jeder daran arbeitet und jeder daran arbeiten muss – sie wird nicht dazu führen, dass wir wieder Frieden auf dem europäischen Kontinent haben.“

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