Grauenhafte Funde in Syrien

Assads Gräueltaten liegen unter der Erde: Massengräber in Syrien gefunden

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In Syrien wurden über das ganze Land verteilt Massengräber gefunden – Spuren des gestürzten Assad-Regimes. Ein Teil der Aufklärungsarbeit, die die Übergangsregierung verspricht.

Damaskus – Das Terrorregime der Assad-Familie hinterlässt grausame Spuren in Syrien. Nach dem Sturz des Machthabers Baschar al-Assad durch islamistische Rebellengruppen und dessen Flucht nach Russland suchen Menschen nach ihren vermissten, in vielen Fällen toten, Verwandten. Die zahlreichen Foltergefängnisse des syrischen Geheimdienstes werden nach Hinweisen durchsucht, in Krankenhäusern wird versucht, Leichen zu identifizieren – Leichen von Assad-Kritikern und Aktivisten. Ein besonders grausamer Fund zeigt aktuell, dass viele Tote wohl gar nicht erst in Leichenhallen ankamen.

Nachdem die Assad-Herrschaft nach über 50 Jahren ein Ende genommen hat, übernimmt Abu Mohammed al-Dscholani, bisher Regierungschef der nordwestlichen Provinz Idlib, die Führung einer Übergangsregierung. Er ist Anführer der islamistischen Rebellengruppe „Haiat Tahrir al-Scham“ (HTS), die als treibende Kraft der Großoffensive gegen das Regime gilt. Die systematischen Menschenrechtsverletzungen der vergangenen Jahrzehnte sollen nun aufgearbeitet werden.

Massengräber in Syrien nach Assad-Sturz gefunden: Überreste weisen Folterspuren auf

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
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Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Seit dem Regierungswechsel werden in ganz Syrien Massengräber gefunden. In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus wurde ein Grab entdeckt, das sterbliche Überreste von rund 100.000 Menschen enthalten könnte, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Die Stätte in al-Qutayfah, 40 Kilometer nördlich der Hauptstadt, ist offenbar allerdings nur eines von mehreren Massengräbern, die im ganzen Land entdeckt wurden.

Laut Bericht von Al-Dschasira wurden zwölf Massengräber im Süden Syrien gefunden. Eines davon enthielt 22 Leichen, darunter Frauen und Kinder, deren Überreste Anzeichen von Folter und Hinrichtung aufweisen sollen. Ugur Umit Ungor, Professor für Völkermordforschung an der Universität Amsterdam, sagte dem arabischen Sender, die Entdeckung des „zentralisierten Massengrabs“ in al-Qutayfah sei „ein Spiegelbild der Tötungsmaschinerie des Assad-Regimes“.

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Chef der syrischen Übergangsregierung al-Dscholani verspricht juristische Aufklärung

Das wahre Ausmaß der Massengräber sei jedoch nur in den Archiven des Assad-Regimes zu finden, sagt der Wissenschaftler. Deshalb sei es wichtig, dass diese nicht geplündert werden, sagte er dem Sender. Diese Sorge ist nicht unbegründet, immerhin sind nach dem Regierungssturz und der Flucht Assads nach Russland der Regierungspalast und einige regierungseigenen Einrichtungen geplündert worden.

Al-Dscholani erklärte gegenüber Al-Dschasira, dass diejenigen, die Verbrechen gegen das syrische Volk begangen oder al-Assad aktiv dabei geholfen hätten, vor Gericht gestellt würden. „Wir werden nicht aufgeben, um die Gerechtigkeit zu erreichen, die unser Volk erwartet. Wir werden nicht zulassen, dass die Gräueltaten, die an unserem Volk begangen wurden, in Vergessenheit geraten“, sagte der neue Regierungschef dem Sender. Das Regime hat angekündigt, eine Rechtsreform vorzubereiten. Er forderte die Vereinten Nationen und andere internationale Institutionen auf, bei der Dokumentation der vom Regime begangenen Verbrechen zu helfen. Nachdem sich zu Beginn der Woche ein UN-Beauftragter mit al-Dscholani in Damaskus getroffen hat, nimmt nun auch die deutsche Regierung Kontakt mit den Rebellenführern auf. (smk)

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