VonFriederike Hilzschließen
Familie, Arbeit und Finanzen: Es ist schwer unter einen Hut zu bringen. Doch vor allem ein Thema birgt Konfliktpotenzial in der Partnerschaft.
Der Gender Pay Gap ist traurige Realität und auch 2023 gibt es mehr Christians als Frauen in den Vorständen deutscher Börsenunternehmen. Von Gleichstellung sind wir also noch ein bisschen entfernt. Besonders bemerkbar macht sich dies aber nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch im Privatleben. Meistens ist es die Frau, die nach dem Ende des Mutterschutzes in Elternzeit geht, wodurch sie sich zwangsweise von ihrem Partner finanziell abhängig machen.
Schauspielerin und Podcasterin Marie Nasemann und ihr Ehemann Sebastian Tigges haben es bei ihrem ersten Kind umgekehrt gemacht: Nach der Geburt ihres Sohnes ging Tigges in Elternzeit. Die 34-Jährige erklärt, wie sie währenddessen mit den Themen Geld und Abhängigkeit umgegangen sind und wie sie trotzdem ihre Rente sichern.
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Gemeinsames oder getrenntes Konto – so handhabt es Marie Nasemann in ihrer Beziehung
Normalerweise machen Nasemann und ihr Mann das so: „Um Konflikte zu vermeiden, bekommt […] jede*r von uns ein gleich hohes Taschengeld auf sein Privatkonto und kann das für Unternehmungen alleine, Hobbys oder Kleidung ausgeben oder einfach sparen.“ Dabei, so schreibt sie, würden sie auch immer ihre derzeitigen Umstände mitbedenken und, falls nötig, den Taschengeldbetrag aussetzen oder anpassen. Ein Kind ist natürlich ein besonderer Ausnahmezustand.
„Ich kann nur raten, das Thema anzusprechen, bevor man sich dazu entscheidet, Kinder miteinander zu bekommen“, schreibt die Podcasterin in einem Instagrampost (siehe oben). Muss der oder die Partner:in in Elternzeit nach Geld fragen oder steht es beiden gleich zu? Lieber ein gemeinsames oder lieber getrennte Konten? Und wer zahlt eigentlich wofür? Gar nicht so einfach.
Sind diese Fragen allerdings geklärt, bevor das Kind kommt, lässt sich der ein oder anderen Konflikt umgehen. Unter anderem, weil sie diesen Stress schon einmal durchgemacht hat, freut sich Hazel Brugger mehr auf ihr zweites Kind.
Marie Nasemann: „Ohne Care-Arbeit funktioniert die Erwerbsarbeit des anderen nicht“
Wie gehen werdende Eltern mit dieser Situation am besten um? Nasemann und Tigges ist eines besonders wichtig: Gleichberechtigung. Das bedeutet, dass die 34-Jährige nicht plötzlich alleine über das Geld entschieden hat, während ihr Ehemann in Elternzeit war. „Ohne Care-Arbeit funktioniert die Erwerbsarbeit des anderen nicht“, so die Schauspielerin. „Als unser Sohn auf die Welt gekommen ist, habe ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, Sebastian […] nur eine Art Taschengeld auszuzahlen.“
Wenn dies in einer Partnerschaft der Fall ist, während und nach der Elternzeit, findet Nasemann, das sei „ökonomische Gewalt“. Deswegen achtet das Paar nicht nur darauf, dass ihr jetziges Einkommen gleich verteilt ist, sondern dass es auch beim Thema Altersvorsorge gerecht zugeht. „Wir haben weiter in Sebastians Anwaltskammer eingezahlt, damit er seine Rente bekommt im Alter“, erzählt die Podcasterin. Für sie selbst hätten sie das nicht getan, weil sie in diesem Jahr ja schließlich arbeiten konnte. Besonders als Frau ist es wichtig, das Thema Rente nicht vor sich herzuschieben.
Nach der Elternzeit, so die 34-Jährige, „haben wir geguckt, dass wir natürlich beide unsere Altersvorsorge haben und da den gleichen Betrag einzahlen können.“ Sie sei sich bewusst, schreibt sie, dass es ein großes Privileg sei, „während der Elternzeit noch Geld für die Altersvorsorge zu haben.“
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