VonFelix Busjaegerschließen
Israel griff in Syrien mehrere Ziele an, offiziell zum Schutz der Drusen. Trotz fragiler Waffenruhe kommt es weiter zu Attacken – zum Ärger von Trump.
Damaskus – Eigentlich herrscht nach der Eskalation der Gewalt in Syrien eine Waffenruhe. Doch nach Angaben von Aktivisten setzt Israel im benachbarten Land die Angriffe fort. Israelische Streitkräfte hätten wichtige Straßen zwischen mehreren Dörfern in der südlichen Provinz Suwaida mit Kampfflugzeugen und Drohnen bombardiert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.
Doch das Vorgehen von Benjamin Netanjahus Regierung soll inzwischen im Weißen Haus zunehmend für Ärger sorgen, weil es die Nahost-Friedenspolitik von US-Präsident Donald Trump und seine inszenierte Rolle als Friedensbringer unterwandert. Wie weit kann Israel seine Militärpolitik in Syrien ausreizen, ohne die Interessen der USA und Trumps Nahost-Agenda zu unterlaufen?
Israels Angriffe gegen Ziele in Syrien: Einsatz zum Schutz der Drusen
Seit dem Ausbruch von den Kämpfen in Syrien zwischen ethnischen und religiösen Gruppen hat Israel mehrfach Ziele in Suwaida und in der Hauptstadt Damaskus bombardiert. Israel will damit nach eigener Aussage die drusische Gemeinde in Syrien schützen, doch gleichermaßen verfolgt die Regierung mit den Angriffen auch strategische Interessen in der Region. Im südlichen Syrien kämpfen seit gut einer Woche drusische Milizen gegen sunnitische Stammesgruppen, die von der Regierung in Damaskus unterstützt werden. Menschenrechtsaktivisten zufolge wurden mehr als 1100 Menschen getötet.
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Eigentlich wurde am Samstag eine Waffenruhe zwischen Israel und Syrien verkündet, die von den USA und der Türkei unterstützt wird. Nach Darstellung des US-Sondergesandten für Syrien, Thomas Barrack, einigten sich „alle Konfliktparteien“ auf eine „Pause und Einstellung der Feindseligkeiten“ mit Beginn am späten Sonntagnachmittag. Doch offenbar brechen die Kämpfe immer wieder erneut aus. Aktuell sollen rund 1500 sunnitische Beduinen aus der umkämpften Region „evakuiert“ werden. In einem ersten Schritt seien rund 350 von ihnen in die benachbarte Provinz Daraa gebracht worden. Die Vertreibung der Beduinen ist ein Triumph für die drusischen Milizen.
Konflikt um Drusen in Suwaida: Israel startet Angriffe in Syrien – aus Kalkül
Die gesteigerten militärischen Aktivitäten fußen dabei auf geopolitischem Kalkül: Israel hat in den vergangenen Monaten, seit dem Sturz von Machthaber Bashar al-Assad, seine Angriffe massiv gesteigert. Das britische Projekt ACLED, das Daten aus Konfliktgebieten auswertet, zählte allein seit dem politischen Umsturz mehr als 280 israelische Angriffe in Syrien. ACLED spricht von einem „anhaltenden Militäreinsatz“ Israels in Syrien.
Zur Einordnung: Syrien war in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz von Tötungen und Gewalt in ihren brutalsten Formen. Die neue Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Scharaa hatte es sich in der fragilen Umbruchszeit zur erklärten Aufgabe gemacht, ethnische Konflikte in Syrien zu beruhigen. Doch die jüngste Gewalt in der Provinz Suwaida, unter anderem gegen die Drusen, hatte die Glaubwürdigkeit dieser Vorhaben untergraben. Die religiöse Minderheit scheint dabei selbst gespalten: Mehrere religiöse Führungspersonen hatten für einen bewaffneten Kampf geworben.
Israels Angriffe in Syrien: Übergangsregierung zunehmend unter Druck
Die Gewalt im Süden Syriens war vor rund einer Woche ausgebrochen. Truppen der syrischen Übergangsregierung griffen in den Konflikt ein und nahmen vorwiegend Drusen ins Visier. Als Reaktion bombardierte Israel Regierungsgebäude in Damaskus und Konvois der Regierungsarmee auf dem Weg nach Suwaida mit dem erklärten Ziel, die Minderheit in Syrien zu schützen. Nach dem Sturz von Syriens Ex-Machthaber Baschar al-Assad im Dezember 2024 und Jahren des Bürgerkriegs bleibt die Lage im ethnisch und religiös vielfältigen Syrien damit weiterhin fragil.
Bereits mehrfach in den vergangenen Monaten hatte Israel militärisch Partei für die Drusen ergriffen. Dabei betreibt die Regierung von Benjamin Netanjahu eine klare Interessenpolitik. Sie will die syrischen Truppen möglichst weit weg haben von der Grenze, während die eigenen Truppen in den vergangenen Monaten immer weiter vorgerückt sind – offiziell, um eine Pufferzone zu errichten. Im Februar 2025 hatte Netanjahu im Zusammenhang mit einer neuen Doktrin erklärt, dass Südsyrien entmilitarisiert bleiben müsse und die dortigen drusischen Gemeinden geschützt werden sollen.
Donald Trumps Nahost-Politik: Israels Angriffe in Syrien untergraben Pläne
Dass Israel gegenwärtig Ziele in Syrien angreift, sorgte in den vergangenen Tagen wohl für massive Kritik – aus den USA. Das Vorgehen von Benjamin Netanjahu hat Vertreter des Weißen Hauses erzürnt, wie amerikanische Medien berichten. Dem israelischen Ministerpräsidenten wird inoffiziell vorgeworfen, er verhalte sich wie ein „Verrückter“. Er bombardiere „ständig alles“, sagte ein US-Beamter gegenüber der amerikanischen Nachrichtenwebsite Axios. „Das könnte Trumps Vorhaben untergraben.“
In Washington wächst die Sorge, Netanjahus Eskalationsstrategie könne Trumps außenpolitische Inszenierung als Friedenstifter torpedieren. Der US-Präsident verfolgt seit jeher seine eigenen Ziele: Der Republikaner inszeniert sich immer wieder als Friedenstifter und scheint entschlossen, den Friedensnobelpreis zu gewinnen. Doch bereits vergangene Woche zeichnete sich ab, dass Israel und die USA beim Thema Syrien unterschiedliche Wege verfolgen könnten. Laut Middle East Eye seien die Verbündeten noch nicht auf direkten Kollisionskurs, doch die Differenzen könnten Trumps diplomatische Ansätze erschweren.
Konflikt um Drusen in Syrien: Trumps Außenminister reagiert auf Gewalt
Wie weit Israel zur Wahrung der eigenen Interessen gehen wird, ist ungewiss. Ein Ende der Attacken ist bislang nicht in Sicht. Dennoch zeigt sich, dass das aktuelle Vorgehen zum Schutz der Drusen nicht im Einklang mit den Visionen der Trump-Regierung steht. Dass die Interessen der beiden Nationen in Syrien teils weit auseinander liegen, zeigte sich bereits vor Monaten, als die USA Bitten nach mehr Truppen im Nordosten Syriens ablehnten.
Die USA reagieren bislang diplomatisch zurückhaltend. Unklar bleibt, ob Trump offiziell wegen des israelischen Vorgehens interveniert. Dennoch zeichnet sich bereits ab, dass die gegenwärtige Krise nicht nur Syriens Interimsregierung um Ahmed al-Scharaa auf die Probe stellt. Auch die USA stehen immer mehr unter Zugzwang. Einen möglichen Vorstoß wagte US-Außenminister Marco Rubio. Er forderte Sharaa am Sonntag auf, einzugreifen und die Gewalt Suwaida zu beenden, und verurteilte die „entsetzlichen und gefährlichen Entwicklungen“ im Süden des Landes.
Trump in Zwickmühle: US-Präsident hofft Waffenruhe in Gaza – Syrien plötzlich neuer Konfliktherd
Trotz der öffentlichen Kritik an der syrischen Regierung wächst in der US-Regierung insgeheim die Besorgnis über Israels jüngstes Vorgehen. „Netanjahu ist manchmal wie ein Kind, das sich einfach nicht benimmt“, sagte ein US-Beamter gegenüber Axios. Die USA scheinen aktuell in einer Zwickmühle: Weder das syrische Vorgehen, noch Israels Angriffe dienen den Friedensinteressen von Donald Trump.
Ein weiterer Konfliktherd dürfte Trump kaum gelegen kommen – zumal er seit Wochen ein baldiges Ende der Kämpfe im Gazastreifen propagiert. Ob es als Reaktion auf die israelischen Angriffe zu einer offenen Distanzierung zwischen den USA und Israel kommt, bleibt offen. Klar ist aber: Die Krise in Südsyrien wird zunehmend zum Belastungstest – für Trumps Nahost-Strategie ebenso wie für das fragile Gleichgewicht nach dem Sturz von Baschar al-Assad (fbu)
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