Preisexplosion

Haus heizen: Diese Kosten kommen auf Gaskunden im Winter zu

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Die Gasspeicher füllen sich. Dennoch warnen die Versorger in Deutschland vor Engpässen in der Gaskrise. Für das Heizen von Häusern sind das keine guten Aussichten.

Berlin – Frieren soll niemand, aber es könnte Engpässe geben: Die Gasversorger blicken mit gemischten Gefühlen in Richtung Winter. So warnte Trading Hub Europe (THE) am Dienstag, dem 23. August, in der Gaskrise vor einer Knappheit. Angesichts der aktuellen Füllstände der Gasspeicher sei weniger mit einem bundesweiten Problem zu rechnen, sagte THE-Geschäftsführer Torsten Frank der Rheinischen Post. Dennoch könnte es regional zu Mangellagen kommen. „Das lässt sich leider nicht ausschließen.“ Seinen Worten zufolge soll die Versorgungssicherheit für private Häuser aber gesichert sein. Doch es wird teuer.

Gaskrise in Deutschland: Beim Heizen vom Haus kommen auf die Gaskunden gewaltige Kosten zu

Deutschland muss also weiter vor dem Winter und der Gaskrise zittern. Nachdem Russland im Streit um die westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Krieges den Gashahn zugedreht hat, steigen die Gaspreise immer weiter. Derzeit liegt der Gesamtspeicherstand bei 80,14 Prozent. Der Füllstand des Speichers im niedersächsischen Rehden beträgt laut Bundesnetzagentur 60,4 Prozent. Um gut für die kalte Jahreszeit gerüstet zu sein, sollen spätestens bis zum 1. November die Vorratskammern zu 95 Prozent gefüllt sein.

Viele hunderte Euro an Zusatzkosten: Eigentümer von Häusern erwarten in der Gaskrise viele Extra-Kosten.

Gaskrise: Trotz hohem Füllstand in den Gasspeichern rechnen Experten mit Engpass im Winter

Beim Trading Hub Europe blickt man mit gemischten Gefühlen auf die Zielvorgabe. Viele Speicher würden sicherlich bis zu dem Zieldatum die wichtige Marke erreichen, prognostizierte Frank. „Aber eben nicht alle“, fügte er hinzu. Für die privaten Haushalte sei er aber recht zuversichtlich. Man komme insgesamt trotz der Querelen mit Russland beim Einspeichern gut voran. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die privaten Haushalte in diesem Winter nicht frieren müssen“, sagte der Fachmann.

Doch selbst wenn genug Gas vorhanden sein sollte: Wer sein Haus heizen will, auf den kommen gewaltige Extrakosten zu. Am Montag war der Gaspreis noch einmal kräftig gestiegen – und zwar um mehr als 13 Prozent auf fast 276 Euro je Megawattstunde. Die Ankündigung von Gazprom, die gedrosselte Lieferung durch die Nord-Stream-1-Pipeline noch einmal komplett zu unterbrechen, hatte die rasante Entwicklung weiter befeuert.

Haus heizen: Wie hoch sind die Kosten bei den aktuellen Gaspreisen? Studie gibt Aufschluss

Deshalb fragen sich immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher: Wie teuer wird das Heizen des Hauses eigentlich? Eine Antwort auf die Frage liefert jetzt eine Studie vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz München (FIW), die verschiedene Haus- und Wohnungsgrößen mit unterschiedlichen Dämmstandards verglichen und über die das Handelsblatt berichtet hat. Denn am Ende hängen die tatsächlichen Kosten von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.

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Die Unterschiede können beträchtlich sein. Legt man einen Verbraucher-Gaspreis von 20 Cent pro Kilowattstunde zugrunde, dann zahlen Bewohner eines Einfamilienhauses (160 Quadratmeter) 1120 Euro pro Jahr – allerdings nur, wenn das Haus mit dem KfW-55-Standard enorm gut gedämmt ist. Bei einem leichter gedämmten Haus fallen schon 5760 Euro an. In einem ungedämmten Haus sind es 9600 Euro. Liegt der Gaspreis vielleicht sogar bei 25 Cent, dann stehen auf einmal 12.000 Euro auf der Rechnung.

Gaspreis in Deutschland: So teuer wird das Heizen der Wohnung – Fachmann warnt vor Kollaps

Auch für Mieter kommt es knüppeldick. Wer 90 Quadratmeter in einem gut gedämmten Mehrfamilienhaus bewohnt, zahlt bei 20 Cent pro Kilowattstunde im Gesamtjahr 630 Euro in einer sehr gut gedämmten Wohnung. Bei leichter Dämmung sind es schon 2700 Euro, bei schlechter Dämmung sogar 4500 Euro.

Damit deckt sich die Studie mit Angaben von Verbraucherschützern, die schon seit Wochen vor einer Verdreifachung der Nebenkostenabrechnungen in der Gaskrise warnen. Das bestätigte auch Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG), dem Handelsblatt. „Große Teile der Bevölkerung stehen aufgrund ihres hohen Gasverbrauchs vor einem Energiekosten-Kollaps“, warnte er in dem Medienbericht.

Gasumlage und Mehrwertsteuer: Regierung von Scholz plant zusätzlich drittes Entlastungspaket

In der Politik weiß man um die Entwicklung. Mit aller Macht will sich die Ampel-Koalition gegen die Gaskrise stemmen. Doch das ist nicht so einfach. Zwar ruft Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck seit Wochen zum Gassparen auf. Dennoch ist er gezwungen, die Gaskunden, von denen jetzt viele über Wärmepumpen nachdenken, mit einer Gasumlage zusätzlich zu den hohen Preisen zu belasten. Um die Entwicklung aber abzufedern, soll die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Dadurch, so versprach Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), würden die Verbraucherinnen und Verbraucher am Ende mehr entlastet als belastet. Doch Beispielrechnungen weckten an der Aussage zuletzt Zweifel.

Warum gibt es die Gasumlage?

Deutschland ist bei der Energieversorgung in hohem Maße von Gas abhängig. Mehr als die Hälfte wird aus Russland bezogen. Jedoch gibt es seit dem Ukraine-Krieg Streit und Russland hat die Liefermenge massiv gedrosselt. Die Ausfälle müssen viele deutsche Energieversorger jetzt kompensieren, in dem sie am Weltmarkt zu überteuerten Preisen Nachschub einkaufen müssen. Das kostet Milliarden und bringt viele Konzerne an den Rand der Insolvenz. Deswegen dürfen sie die Mehrkosten über die Gasumlage an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterreichen.

Neues Entlastungspaket: Ampel-Koalition debattiert über Ausweitung vom Heizkostenzuschuss

Insgesamt werden sich die Gaskunden wohl oder übel in den kommenden Monaten auf steigende Rechnungen einstellen müssen. Wie hoch die Extrakosten am Ende ausfallen werden, hängt aber noch von möglichen Hilfsmaßnahmen ab. So plant die Bundesregierung noch ein drittes Entlastungspaket, um die steigenden Gaspreise und Energiekosten aufzufangen. Der genaue Inhalt für das neue Entlastungspaket ist aber noch umstritten zwischen SPD, FDP und Grünen. Neben einem Steuerentlastungsgesetz ist auch die Ausweitung des Heizkostenzuschusses für Wohngeldempfänger oder eine Energiepauschale für Rentnerinnen und Rentner im Gespräch. Eine Einigung soll aber spätestens im Oktober erzielt sein.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/Sven Simon/imago

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