Hisbollahs verborgener Schatz: Israels Armee enthüllt unterirdischen Goldbunker
VonMaria Sterkl
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Im Libanon verlegt sich die israelische Armee immer mehr darauf, die komplette Infrastruktur der mächtigen Hisbollah zu zerstören.
Beirut/Jerusalem – Große Mengen an Gold und Hunderte Millionen Dollar in Scheinen: Dieses Vermögen soll die libanesische Hisbollah in einem unterirdischen Bunker gelagert haben, und zwar ausgerechnet unter dem Sahel-Krankenhaus in Beirut. Das behauptet zumindest Israels Armee, die in gewohnt knalliger Rhetorik von „Nasrallahs Geldbunker“ spricht. Demnach habe sich der langjährige Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, immer dann, wenn er in sichere Deckung gehen musste, in diesen Bunker zurückgezogen.
Israelische Armee: Geldbunker von Hassan Nasrallah ist geknackt
„Ich möchte betonen: Wir sind nicht im Krieg mit dem libanesischen Volk“, sagte Militärsprecher Daniel Hagari einmal mehr. Diese Versicherung dient vor allem dazu, Kritik an den zivilen Opfern bei den Angriffen in Beirut zu begegnen. Bei einem Luftschlag nahe einem anderen Krankenhaus in der libanesischen Hauptstadt sollen mehr als 50 Menschen getötet worden sein, darunter auch Kinder.
Israel nimmt wirtschaftliche Basis der Hisbollah ins Visier
Das Sahel-Krankenhaus werde man jedenfalls nicht angreifen, versichert die Armee. Dennoch gab der Direktor des Sahel-Hospitals, Fadi Alameh, bekannt, den Komplex vorsorglich evakuieren zu lassen. Alameh bestreitet, dass sich unter dem Gebäude ein Bunker der Hisbollah befindet. Er rief die libanesische Armee und die Behörden auf, das Gebäude zu durchsuchen.
Israel nimmt nun also die wirtschaftliche Basis der Hisbollah ins Visier. Begonnen wurde damit schon in den vergangenen Wochen mit Bombardements im Bekaa-Tal, dem Zentrum der Drogenproduktion der Hisbollah. Am vergangenen Sonntag gingen dann an zahlreichen Orten im Libanon die lokalen Filialen der Al-Qard Al-Hassan-Bank in Flammen auf. Die Bank gilt als einer der wichtigsten finanziellen Knotenpunkte der Hisbollah im Libanon. Sie vergibt zinslose Darlehen an vorwiegend schiitische Kunden im Libanon.
Drei Haupteinnahmequellen der Hisbollah
Zudem wickelt die Hisbollah laut Geheimdiensten die Zahlung eines großen Teils der Gehälter ihrer Funktionäre über Konten bei Al-Qard Al-Hassan ab. Indem Israels Armee die Zweigstellen dieser Bank sprengen konnte, unterbrach sie auch die Geldflüsse der Hisbollah innerhalb des Libanon – nachdem sie zuvor schon auf iranische Bargeldtransfers an der syrisch-libanesischen Grenze abgezielt hatte.
Die Hisbollah finanziert sich laut israelischen Geheimdienstinformationen aus drei Quellen: einerseits über Transfers aus dem Iran, andererseits aus eigenen Geschäften, drittens aus Spenden, die im Vergleich zu den anderen beiden Quellen den kleineren Anteil ausmachen. Den größten Anteil macht die direkte iranische Finanzierung aus.
Hundreds of millions of dollars are used for terrorism each year.
Jeden Monat sollen rund 50 Millionen Dollar aus dem Iran über Syrien in den Libanon gelangen. Ein Teil davon wird in Form von Bargeld transportiert, ein weiterer Teil wird durch Öllieferungen abgewickelt: Das nach Syrien gelieferte Öl wird in Bargeld abgegolten, das wiederum direkt an die Hisbollah im Libanon ausgezahlt wird. Der Handel mit Treibstoffen im Libanon ist ebenfalls in Teilen in den Händen der Hisbollah.
Einen stark anwachsenden Anteil ihrer finanziellen Ressourcen machen die eigenen Geschäfte der Hisbollah aus. Das geschieht offensichtlich, um sich von iranischen Transfers unabhängiger zu machen, um von den Sanktionen gegen das Ayatollah-Regime nicht betroffen zu werden. Die Einnahmen kommen vor allem aus dem Handel mit Drogen, konkret mit Captagon, einem Aufputschmittel, das teils im Libanon hergestellt, teils aus Syrien importiert wird. Auch der Handel mit Waffen und Tabak trägt Bares ein.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Zu diesem Zweck reiste US-Sondergesandter Amos Hochstein vor einigen Tagen in den Libanon. Am Dienstag traf auch US-Außenminister Antony Blinken in Israel ein. Dabei mangelt es aus US-Sicht schon nicht an Gesprächsthemen: Blinken, der in der Folge auch nach Ägypten und Katar reisen wird, hofft, den stockenden Verhandlungen um einen Geisel-Deal mit der Hamas neues Leben einzuhauchen.
Zudem gilt es, Israel von einer harten Reaktion auf den iranischen Angriff abzuhalten. Und nicht zuletzt wird das israelische Vorgehen in Gaza Thema sein: Die USA haben Israel ein 30-tägiges Ultimatum gesetzt, um die humanitäre Krise dort zu lindern – andernfalls drohe ein Waffenembargo.