Wehrbeauftragte äußert sich

Neue Ideen für die Bundeswehr? „Niemand möchte die alte Wehrpflicht reaktivieren“

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Ob die Wehrpflicht kommt und wie sie aussehen könnte, das wird kontrovers diskutiert. Wehrbeauftragte und Reservistenverband wollen die Wehrpflicht neu denken.

München - Nach der Ankündigung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), die Wiedereinführung der Wehrpflicht prüfen zu lassen, wird nun auch die genaue Ausgestaltung diskutiert. Ob Wehrpflicht oder allgemeine Dienstpflicht, darauf hat auch Pistorius noch keine Antwort geliefert.

Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) und der Reservistenverband sprechen sich für neue Konzepte aus. Die Wehrpflicht, wie sie in Deutschland noch 2011 galt und praktiziert wurde, sei aus ihrer Sicht keine Option, sagte Högl. Vielmehr hat sich die Wehrbeauftragte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe für eine Dienstpflicht ausgesprochen. Diese solle sich nicht nur auf die Bundeswehr, sondern auch auf die Bereiche Soziales, Kultur und Umwelt erstrecken.

Pistorius‘ Wehrpflicht: Högl fordert ergebnisoffene Debatte

Dass über die Frage nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht in der deutschen Parteienlandschaft noch längst keine Einigkeit herrscht, zeigt sich in der laufenden Debatte. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht stößt besonders bei den Ampel-Parteien auf Widerstand. Högl betont, dass die Fragen rund um die Dienstpflicht allerdings auch in der Gesellschaft unterschiedlich beantwortet werden. Sie forderte daher eine sorgfältige, umfassende und ergebnisoffene Diskussion.

„Es geht um unsere Gesellschaft und was jede und jeder für unsere Gesellschaft tun könnte und sollte. Ich bin überzeugt, dass es unserer Gesellschaft guttäte, wenn alle sich eine Zeit lang engagieren“, sagte die Wehrbeauftragte.

Auch der Reservistenverband möchte Wehrpflicht auf andere Organisationen ausweiten

Auch Patrick Sensburg, der Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr, möchte nicht zurück zur alten Wehrpflicht. Vielmehr solle sich das Pflichtjahr auf alle Organisationen erstrecken, „die im Falle der Landesverteidigung die Verteidigungsbereitschaft unseres Landes aufrechterhalten“.

Sensburg fordert in den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass in der Dienstpflicht auch Einsatzmöglichkeiten in den Bereichen des Zivilschutzes sowie des Rettungsdienstes möglich sein sollten.

Pistorius informiert sich über schwedisches Wehrpflicht-Modell

Ein Vorbild für die deutsche Wehrpflicht sieht Verteidigungsminister Pistorius im schwedischen Modell. Demzufolge sind junge Frauen und Männer zwar zur Musterung verpflichtet, ausgewählt für den Wehrdienst werden allerdings nur Teile eines Jahrgangs. Über dieses Modell informiert sich der Verteidigungsminister zurzeit in Norwegen und Schweden auf seiner Skandinavienreise. Eher ablehnend äußerte sich nach einem Schweden-Besuch CSU-Chef Markus Söder.

Eva Högl und Boris Pistorius

Mit einer schnellen Entscheidung sei in der Frage nach der Wehrpflicht allerdings nicht zu rechnen, gab Pistorius am Dienstag (5. März) bekannt. Welches das richtige Modell für die deutsche Wehr- oder Dienstpflicht sei und ob bereits 2025 oder erst später mit einer Entscheidung zu rechnen sei, solle sich in der nun geführten Debatte erst herausstellen. (pav mit Material von AFP)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

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