Israel-Bodenoffensive ohne Plan und „erreichbare Ziele“? US-Insider warnen
VonChristoph Gschoßmann
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Israel bereitet eine Bodenoffensive in Gaza vor. Doch Experten aus den USA befürchten, dass ein Vorstoß zu planlos ablaufen könnte.
Tel Aviv – Israel steht kurz davor, seine Bodenoffensive im Krieg gegen Gaza und die Hamas zu beginnen. Doch nicht überall ist man überzeugt davon, dass Jerusalem diesen Schritt wohldurchdacht hat – beispielsweise beim Partner USA. Die demokratische Regierung von Präsident Joe Biden sei laut der New York Times, die sich auf hochrangige Regierungsbeamte beruft, besorgt darüber, dass es Israel an erreichbaren militärischen Zielen in Gaza fehle. Außerdem sollen die israelischen Verteidigungskräfte noch nicht bereit sein, eine Bodeninvasion mit einem funktionierenden Plan zu starten.
USA als Beobachter im Israel-Krieg: Biden sieht bei Bodenoffensive keinen „umsetzbaren Aktionsplan“
Die Regierung sei demnach besorgt, dass die israelischen Verteidigungskräfte noch keinen klaren militärischen Weg hätten, um das erklärte Ziel der „Ausrottung“ der Hamas, zu erreichen. In Gesprächen mit israelischen Beamten sagten amerikanische Beamte, sie hätten noch keinen umsetzbaren Aktionsplan gesehen. Darauf hat auch Präsident Biden öffentlich hingewiesen. Während seiner Rede letzte Woche in Tel Aviv warnte er, dass Israel „Klarheit über die Ziele und eine ehrliche Einschätzung darüber braucht, ob der eingeschlagene Weg diese Ziele erreichen wird“.
Über die Invasion gab es einen direkten Austausch zwischen den Außenministern. In Telefongesprächen mit seinem israelischen Amtskollegen Yoav Gallant betonte Verteidigungsminister Lloyd J. Austin III, dass sorgfältig darüber nachgedacht werden müsse, wie israelische Streitkräfte eine solche Offensive in Gaza durchführen könnten, wo die Hamas komplizierte Tunnelnetze unter dicht besiedelten Gebieten unterhält.
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Krieg in Israel: Verlust vieler Zivilistenleben durch Bodenoffensive befürchtet
Die Beamten bestanden laut der Times darauf, dass die Vereinigte Staaten von Amerika Israel nicht sagen, was es tun solle – aber dennoch die Bodeninvasion unterstützten. Austin habe Gallant „ermutigt“, „ihre Operationen im Einklang mit dem Kriegsrecht durchzuführen“. Die USA befürchten bei einem Bodenangriff den Verlust vieler Zivilistenleben. Die beiden Männer hätten auch über amerikanische Sicherheitshilfe für Israel gesprochen hätten.
Wie könnte Israel vorgehen? Amerikanische Beamte sagten, Israel müsse entscheiden, ob es beispielsweise versuchen soll, die Hamas durch chirurgische Luftangriffe in Kombination mit gezielten Angriffen von Spezialeinheiten auszuschalten – wie amerikanische Kampfflugzeuge sowie irakische und kurdische Truppen in Mossul – oder ob es mit Panzern und Infanterie in den Gazastreifen vordringen solle, wie amerikanische Marineinfanteristen und Soldaten zusammen mit irakischen und britischen Streitkräften 2004 in Falludscha.
„Gemäß dem Kriegsrecht das Notwendige tun“: US-Senator fordert Verschiebung der Bodenoffensive
Beide Taktiken werden zu schweren Verlusten führen, so die USA. Im Pentagon glauben laut der Times viele Beamte, dass die Räumungsoperationen von Mossul und Raqqa im Irak mehr als ein Jahrzehnt nach Falludscha ein besseres Modell für städtische Kriegsführung sind. „Eines der Dinge, die wir gelernt haben, ist, wie man Zivilisten im Kampfraum berücksichtigt, und sie sind Teil des Kampfraums, und wir müssen gemäß dem Kriegsrecht das Notwendige tun.“
„Schützen Sie diese Zivilisten“, sagte Austin am Sonntag (24. Oktober 2023). Hamas habe im Gegensatz zum IS auch 15 statt 2 Jahre Zeit gehabt, sich auf den Angriff vorzubereiten. Senator Jack Reed, ein Demokrat aus Rhode Island und Vorsitzender des Streitkräfteausschusses, forderte Israel am Montag auf, eine Bodeninvasion im Gazastreifen zu verschieben. (cgsc)