Israel stoppt Thunberg-Mission „der Befreiung“ – Verhaftung droht
VonMarcus Giebel
schließen
An der Seite weiterer Aktivisten begibt sich Greta Thunberg auf den Seeweg Richtung Gaza. Doch dort wird sie nicht ankommen, wenn es nach Israel geht.
Update vom 8. Juni, 17.10 Uhr: Die israelische Armee kündigte am Sonntag offiziell an, ein Aktivistenboot auf dem Weg zum Gazastreifen zu stoppen. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, das Schiff „Madleen“ mit der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg an Bord dürfe den Gazastreifen nicht erreichen. „An Greta, die Antisemitin, und ihre Begleiter, Sprachrohr der Hamas-Propaganda, sage ich klar: Dreht um, weil ihr niemals im Gazastreifen ankommen werdet“, erklärte Katz laut einer Mitteilung seines Büros.
Das Segelschiff der „Freedom Flotilla“ war eine Woche zuvor von Sizilien aufgebrochen. Die französisch-palästinensische EU-Abgeordnete Rima Hassan erklärte, man wolle die israelische Blockade für Hilfslieferungen „durchbrechen“ und den andauernden „Völkermord“ im Gazastreifen kritisieren. Am Samstag erreichte das Schiff ägyptische Gewässer und setzte Kurs auf den Gazastreifen.
Gazastreifen als Ziel: Israels Armee will Aktivisten-Boot von Thunberg stoppen
„Der Staat Israel wird niemandem erlauben, die Meeresblockade des Gazastreifens zu durchbrechen, deren Hauptaufgabe es ist, Waffenlieferungen an die Hamas zu verhindern“, erklärte Katz. Israel werde gegen „jeden Versuch vorgehen, die Blockade zu durchbrechen oder Terrororganisationen zu helfen, auf dem Meer, in der Luft oder am Boden“. Die Blockade bestand bereits vor Beginn des Gazakrieges.
Die Aktivisten der „Freedom Flotilla“ teilten auf Instagram mit, sich von Katz‘ Äußerungen nicht einschüchtern zu lassen. „Die ‚Madleen‘ ist ein friedliches, unbewaffnetes Zivilschiff, das mit humanitärer Hilfe und Menschenrechtsaktivisten in internationalen Gewässern unterwegs ist. Diese Mission ist unabhängig und wird ausschließlich von ihrem Gewissen und der Solidarität mit Gaza geleitet“, hieß es in der Stellungnahme. Das Schiff befinde sich 160 nautische Meilen (ca. 86 Kilometer) von der Küste des Gazastreifens entfernt. „Angesichts einer möglichen israelischen Aggression bleiben wir ruhig und vorbereitet“, teilten die Aktivisten mit.
Israel stoppt Thunberg-Mission „der Befreiung“ – Verhaftung droht
Erstmeldung vom 5. Juni: Jerusalem – Ihr Ziel ist für Greta Thunberg offenbar unerreichbar. Am Sonntag war die Schwedin, die sich als Klima-Aktivistin einen Namen gemacht hat, gemeinsam mit elf Mitstreitern von Catania auf Sizilien aus in See gestochen, um den Gazastreifen anzusteuern. Dort wollen sie Hilfsgüter für die notleidenden Menschen abliefern. Doch Israel hat etwas dagegen. Nach Informationen des staatlichen israelisches Senders Kan 11 haben die Sicherheitskräfte entschieden, dass sich das Schiff Madleen dem von der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Küstengebiet nicht nähern darf.
Weiter heißt es, zunächst sei erwogen worden, dem Segelschiff des Bündnisses „Freedom Flotilla Coalition“ die Anlandung zu gestatten. Doch letztlich habe Israel anders entschieden, um keinen Präzedenzfall zu schaffen. Thunberg und ihren Begleitern um die Deutsche Yasemin Acar drohe vielmehr sogar die Verhaftung.
Thunberg will mit Schiff in Gazastreifen: Israel denkt über Verhaftung der Aktivisten nach
Verteidigungsminister Israel Katz und hochrangige Militär-Vertreter entscheiden demnach an diesem Donnerstag darüber, wie weiter verfahren werden soll. Eine Option sei, dass die Madleen gestoppt und wieder ins offene Meer zurückbeordert werde, wenn das Schiff in einigen Tagen die Region erreicht habe. Ebenso sei möglich, dass es in den Hafen von Ashdod eskortiert werde und die Aktivisten dort festgenommen werden.
Neben den überwiegend französischen Aktivisten befindet sich auch der irische Schauspieler Liam Cunningham an Bord. Er wurde international durch seine tragende Rolle in der Serie „Game of Thrones“ bekannt. In dem Fantasy-Epos spielte auch Carice van Houten mit, die wie weitere Prominente um die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Melissa Barrera die Aktion unterstützt.
Das pro-palästinensische Bündnis betont, die Madleen fahre ausschließlich durch internationale Gewässer in Richtung Gaza, wo die israelische Armee seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 Jagd auf die Hamas-Kämpfer macht und noch immer nach Geiseln sucht, deren Schicksal teilweise seit mehr als anderthalb Jahren ungewiss ist. Viele der zwei Millionen Menschen in dem zum Kriegsgebiet mutierten Küstenstreifen befinden sich infolge der Eskalation seit Monaten auf der Flucht, mussten ihr Hab und Gut zurücklassen, um mit ihrem Leben davonzukommen.
Thunberg und die Gaza-Mission: Schiff der Aktivisten soll Babynahrung und Medizin liefern
Geladen hat die Madleen laut der „Freedom Flotilla Coalition“ unter anderem Babynahrung und medizinisches Material. Zudem wird betont, das Schiff stelle keine Bedrohung dar und die Mission sei im Einklang mit dem Völkerrecht. Die Gruppe habe sich auf den Weg gemacht, „um die illegale Belagerung Gazas durch Israel zu durchbrechen und einen Seekorridor für die Menschen zu errichten“.
Deutschlands neuer Außenminister Johann Wadephul hatte jüngst gemeinsam mit zahlreichen Amtskollegen aus Europa und Übersee sowie EU-Vertretern eine Erklärung zur humanitären Hilfe in Gaza abgegeben, in der gewarnt wird: „Lebensmittel, Medikamente und unentbehrliche Versorgungsgüter sind aufgebraucht. Die Bevölkerung droht zu verhungern. Die Menschen in Gaza müssen die Hilfe erhalten, die sie so dringend benötigen.“ Nachdem Hilfslieferungen zeitweise gar nicht möglich waren, können die Menschen im Gazastreifen mittlerweile zumindest wieder versorgt werden – allerdings nur in begrenztem Umfang.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Israel hatte Mitte Mai eine neue Bodenoffensive gestartet, auch die Luftangriffe wurden ausgeweitet. Bereits im vergangenen Jahr war es Jerusalem gelungen, führende Köpfe der Hamas wie Ismail Hanija, Mohammed Deif oder Yahya Sinwar und zuletzt auch dessen Bruder Mohammed Sinwar zu töten. Insgesamt sollen dem Gaza-Krieg bereits mehr als 50.000 Menschen zum Opfer gefallen sein.
Thunberg darf nicht in Gazastreifen: „Globale Bewegung für Befreiung und Entkolonialisierung“
Schon häufiger hatte Thunberg offen Kritik am Vorgehen Israels gegenüber den Zivilisten in dem Küstenstreifen geäußert. In einem Instagram-Post sprach die 22-Jährige einmal mehr von einem Genozid und schrieb: „Systematischer Hunger und die Entziehung grundlegender Bedürfnisse sind nur einige der vielen Kriegsmethoden, die Israel gegen Palästinenser einsetzt.“ Ihre Mission sei „Teil einer globalen Bewegung für soziale Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Befreiung und Entkolonialisierung“.
Wegen ihrer Haltung und ihren Aussagen im Zusammenhang mit dem eskalierten Nahost-Konflikt hat die Gründerin von „Fridays for Future“ bereits heftigen Gegenwind spüren müssen. So wurde sie sogar als „Israelhasserin“ tituliert. Im vergangenen Oktober meldete sich mit Alexander Throm der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu Wort und rief in der Bild dazu auf, „eine Einreisesperre gegen diese Antisemitin“ für Deutschland zu erlassen.
Dazu kam es bislang aber nicht. Dagegen wird Thunberg die Anlandung mit der Madleen im Gazastreifen also verweigert. Da ist es allenfalls ein kleiner Trost, dass ihre Mission nun erst recht in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. (mg)
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.