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Bezalel Smotrich äußert Kritik an den Hilfslieferungen nach Gaza und fordert deren Einstellung. Zivile Verluste im Krieg würde er hinnehmen.
Frankfurt – Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich gilt als nationalistischer Hardliner in der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu und fiel wiederholt mit radikalen Aussagen mit Blick auf den Gazastreifen und den Krieg in Israel auf. Jetzt sprach sich Smotrich für den Stopp von Hilfslieferungen in den Gazastreifen aus. Mögliche, durch eine Blockade des Gazastreifen ausgelöste, Hungertode nannte der israelische Politiker „gerechtfertigt und moralisch“.
Israels Finanzminister gegen Hilfslieferungen – Millionen Todesopfer in Gaza „gerechtfertigt“
„Wir lassen Hilfslieferungen hinein, weil wir keine andere Wahl haben“, sagte Smotrich auf einer Konferenz in Yad Binyamin, die vom israelischen Medium Israel Hayom veranstaltet wurde. „In der gegenwärtigen globalen Realität können wir keinen Krieg führen. Niemand wird zulassen, dass wir zwei Millionen Zivilisten verhungern lassen, auch wenn das gerechtfertigt und moralisch sein könnte, bis unsere Geiseln freigelassen werden“, führte der Finanzminister weiter aus. Das berichteten das Portal The Times of Israel und der britische Guardian.
„Humanitäre Hilfe im Austausch gegen Humanität ist moralisch gerechtfertigt, aber was können wir tun? Wir leben heute in einer bestimmten Realität, wir brauchen internationale Legitimität für diesen Krieg“, führte Smotrich weiter aus. Nach Ansicht des israelischen Politikers profitiere vor allem die Terrororganisation Hamas von den Hilfslieferungen nach Gaza. Plünderungen der Lieferungen durch Hamas-Kämpfer seien laut Smotrich der „Hauptgrund“ für eine Verlängerung des Kriegs.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Religiöser Hardliner Smotrich im Nahost-Konflikt wiederholt in der Kritik
Smotrich ist seit 2023 Vorsitzender der rechtsextremen Partei „Religiöser Zionismus“. Seit 2022 gehört der 44-Jährige dem Kabinett von Premierminister Netanjahu als Finanzminister an. Durch seine Position ist er auch verantwortlich für den Siedlungsbau im Westjordanland.
Smotrich und der Minister für öffentliche Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, gelten als scharfe Kritiker von Netanjahu. Die beiden Politiker positionierten sich öffentlich wiederholt gegen Verhandlungen mit der Hamas und drohten Netanjahu damit, die Koalition zu sprengen, sollte er sich auf Diplomatie mit der Terrororganisation einlassen.
Israels Ministerpräsident hatte nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober auch darauf verzichtet, die beiden Hardliner in sein mittlerweile aufgelöstes Kriegskabinett einzugliedern. Berichten israelischer Medien zufolge hatte Netanjahu das Kriegskabinett Mitte Juni auch deswegen aufgelöst, um zu verhindern, dass Ben Gvir und Smotrich in das Gremium nachrücken.
Smotrich geriet auch wiederholt in die Kritik der US-Regierung – unter anderem, weil er mehrfach Steuerzahlungen an die Palästinensischen Autonomiegebiete mit Verweis auf den Gaza-Krieg zurückhielt.
„Moralische Schande“: Netanjahus Finanzminister sorgt für Aufregung
Der Kommentar des israelischen Finanzministers über die Hilfslieferungen in den Gazastreifen ist der jüngste in einer langen Reihe von verbalen Entgleisungen. Im November 2023 erklärte Smotrich mit Blick auf das Westjordanland, dort würden „zwei Millionen Nazis“ leben.
Im Februar sagte der Finanzminister in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender KAN, die Befreiung der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln sei nicht das wichtigste Ziel für Israel im Krieg. Entscheidend sei demnach die Zerstörung der Hamas. Oppositionsführer Jair Lapid bezeichnete die Aussagen von Smotrich daraufhin als „moralische Schande“.
Unterdessen rüstet sich Israel für einen erwarteten Vergeltungsschlag des Irans für die Tötung des Hamas-Anführers Ismail Hanija. Die Regierung in Jerusalem bereite sich Berichten zufolge auf einen mehrtägigen Angriff von Iran und Hisbollah vor. (fd)
