Bidens Chefdiplomat auf Nahost-Reise

„Kein Schekel für Familien der Nazis“: Israels Finanzminister zerreißt Blinken-Plan für Gaza

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Israels Finanzminister Bezalel Smotrich (l) neben Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
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US-Außenminister Blinken fordert mehr finanzielle Unterstützung für die Palästinenser. Hardliner Smotrich erteilt eine deutliche Absage.

Tel-Aviv – Der israelische Finanzminister, Bezalel Smotrich, hat sich im Rahmen der Nahost-Reise von US-Außenminister Anthony Blinken gegen eine stärkere finanzielle Unterstützung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ausgesprochen. Die Palästinenser würden „keinen Schekel“ von der israelischen Regierung bekommen, bekräftigte Smotrich mit Blick auf Blinken am Dienstag (9. Januar). Der Außenminister von US-Präsident Joe Biden war bereits zum vierten Mal seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas in den Nahen Osten gereist.

Krieg gegen die Hamas: Blinken ruft Israels Regierung zur Zusammenarbeit mit Palästinensern auf

Der US-Chefdiplomat hatte bei seinem Besuch bekräftigt, dass der Gazastreifen auch in Zukunft die Heimat der Palästinenser bleiben solle. „Bei dem heutigen Treffen habe ich klargemacht, dass palästinensische Zivilisten in der Lage sein müssen, nach Hause zurückzukehren, sobald die Bedingungen dies zulassen. Sie dürfen nicht dazu gedrängt werden, Gaza zu verlassen“, sagte Blinken am Dienstag in Tel-Aviv. Die israelische Regierung hatte Berichten zufolge zuletzt über eine Umsiedlung der im Gazastreifen lebenden Palästinenser diskutiert.

Dabei müsse die israelische Regierung enger mit der Palästinensischen Autonomiebehörde zusammenarbeiten – auch finanziell. „Israel muss ein Partner der palästinensischen Führer sein, die bereit sind, ihr Volk dabei zu unterstützen, Seite an Seite in Frieden mit Israel als Nachbarn zu leben“, führte Blinken weiter aus.

Die Forderung des US-Außenministers: Die israelische Regierung solle die Steuereinnahmen, die sie im Namen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) einsammelt, wieder in voller Höhe an diese übertragen. Als Reaktion auf die Angriffe vom 7. Oktober hatte die israelische Regierung damit begonnen, einen Teil der Steuern einzubehalten. Dabei soll es sich um Gelder handeln, die nach israelischer Einschätzung von der PA für den Gazastreifen vorgesehen seien. Smotrich hatte den Schritt damit begründet, dass die PA mit den Geldern die „schreckliche Massaker der Nazi-Terrororganisation Hamas“ unterstütze. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters im November 2023.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Finanzminister Smotrich weist Blinken-Forderung zurück – „Kein Schekel für Familien der Nazis in Gaza“

Der israelische Finanzminister erteilte deswegen Blinkens Forderungen erneut prompt eine Absage. Dabei richtete er deutliche Worte an den US-Chefdiplomaten. „Wir werden keinen Schekel an die Palästinensische Autonomiebehörde überweisen, der an die Familien der Nazis in Gaza geht“, zitierte die Jerusalem Post Smotrich. Weiter schlug der Finanzminister „die Öffnung der Tore Gazas für die freiwillige Auswanderung von Flüchtlingen“ vor. So wie es die internationale Gemeinschaft bereits bei Geflüchteten aus Syrien und der Ukraine gemacht habe.

Der 43-Jährige sagte weiter, man schätze die Unterstützung der USA für Israel sehr, „aber wenn es um unsere Existenz in unserem Land geht, werden wir immer nach israelischen Interessen handeln“. Smotrich gilt als Hardliner in der Rechtsaußen-Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Finanzminister gehört der Gruppe von Ministern im Kabinett an, die eine Wiederbesiedlung des Gazastreifens durch Israel gefordert hatten. Darüber hinaus gilt er als Verfechter der Vision von „Groß-Israel“ und setzt sich auch für eine Annexion des Westjordanlands ein.

Vor Treffen mit Palästinenserpräsident Abbas – Blinken kritisiert hohe Zahl an zivilen Opfern in Gaza

Israel hatte sich 2005 offiziell aus dem Gazastreifen zurückgezogen und die israelischen Siedlungen in dem Gebiet geräumt. Die Palästinenser beanspruchen das Westjordanland, Gaza sowie den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems als Gebiet eines künftigen eigenen Staates.

Für Mittwoch (10. Januar) hat Blinken ein Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geplant, um über die Zukunft des Gazastreifens in der Zeit nach dem Krieg zu sprechen. Abbas gehört der palästinensischen Fatah-Bewegung an, die im Westjordanland ansässig ist. Im Vorlauf des Treffens hatte Blinken die hohe Zahl an zivilen Opfern im Gazastreifen kritisiert und Israel zu einem besseren Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung aufgerufen. Blinken habe „die Wichtigkeit betont, weiteren zivilen Schaden zu vermeiden und zivile Infrastruktur in Gaza zu schützen“, erklärte Außenministeriumssprecher Matthew Miller. (fd mit Material von dpa)

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