In einem Jahr: Experte sieht Trump-Präsidentschaft „praktisch vorbei“
VonChristian Stör
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Ist eine neue Umfrage ein Vorbote eines Umschwungs in den USA? „Der Topf brodelt“, sagt ein Fachmann. Ist ein drittes Impeachment-Verfahren denkbar?
Washington, D.C. – Donald Trump rückt sich gerne ins rechte Licht. Doch die meisten seiner Aussagen halten einem Faktencheck nicht stand. Jüngstes Beispiel war seine Rede bei der UN-Vollversammlung am 23. September. Eine seiner zahlreichen Falschbehauptungen betraf seine eigene Beliebtheit in den USA. Er habe am Morgen „die besten Umfragewerte meines Lebens“ gesehen, verkündete er in seiner Ansprache.
Bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung sprach Donald Trump von Rekord-Umfragewerten. Die Wahrheit sieht anders aus. Ein Experte hält sogar das Ende seiner politischen Karriere für möglich.
Unklar blieb, auf welche Umfrage er sich dabei bezog. Fakt ist, dass seine Werte in öffentlich zugänglichen Umfragen weit von seinem höchsten jemals erreichten Wert entfernt sind – im Vergleich zum Jahresbeginn sind die laut US-Medien sogar deutlich gesunken. Für Trump scheint es derzeit in den Umfragen eher bergab zu gehen.
Trump vor den Zwischenwahlen 2026 in umkämpften Wahlkreisen zusehends unpopulärer
Eine andere Umfrage fällt für Trump aber noch sehr viel schlechter aus. Knapp ein Jahr vor den Zwischenwahlen in den USA hat eine neue Erhebung ergeben, dass fast die Hälfte der Wahlberechtigten in den umkämpften Wahlkreisen ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump unterstützt.
Die Umfrage von Lake Research Partners zeigt, dass 49 Prozent der wahrscheinlichen Wählerinnen und Wählern in sogenannten „Swing Districts“ ein Impeachment-Verfahren gegen Trump befürworten, während 44 Prozent dagegen sind. Noch deutlicher fällt die allgemeine Unzufriedenheit mit der Amtsführung des Präsidenten aus: 56 Prozent der Befragten missbilligen Trumps Arbeit als US-Präsident.
Swing Districs
Swing Districts, auch Battleground Districs genannt, sind Wahlkreise ohne klare parteipolitische Ausrichtung und gelten bei US-Wahlen als umkämpft. In diesen Wahlkreisen kann es zu Schwankungen zwischen der Unterstützung republikanischer und demokratischer Kandidatinnen und Kandidaten kommen, was sie für den Ausgang der Zwischenwahlen 2026 entscheidend macht.
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Konkrete Vorwürfe gegen Trump: Wachsende Unzufriedenheit in Schlüsselregionen
„Es ist bemerkenswert und unseres Wissens nach beispiellos, dass ein so großer Anteil der Wahlberechtigten in Swing Districts die Amtsenthebung eines Präsidenten im ersten Jahr seiner Amtszeit unterstützt“, heißt es in einem Memorandum des Meinungsforschungsinstituts zu den Ergebnissen.
Die Organisation „Free Speech For People“, die die Umfrage in Auftrag gegeben hat, listet gleich mehrere Gründe auf, die aus ihrer Sicht ein Amtsenthebungsverfahren rechtfertigen würden. Dazu gehören:
Experte sieht Trump-Präsidentschaft bei anhaltender Entwicklung vor dem Aus
Ein Experte interpretiert die Zahlen der neuen Umfrage sogar als Vorboten eines möglichen politischen Umschwungs in den USA. Sollten die Demokraten 20 bis 40 Sitze gewinnen, dann „ist Trumps Präsidentschaft praktisch vorbei“, lautet die Analyse des Journalisten Jason Easley, Mitinhaber und Herausgeber von PoliticusUSA, einer linksgerichteten Nachrichten-Website. „Der Widerstand gegen diesen Präsidenten und seine Präsidentschaft scheint immer stärker zu werden. Der Topf brodelt, und der Moment des Überkochens wird sich wahrscheinlich im kommenden November zeigen.“
Easley vermutet, dass angesichts der dramatischen Wende hin zur Amtsenthebung diese Unterstützung vor den Zwischenwahlen im nächsten Jahr eine absolute Mehrheit erreichen würde. „Es ist eine überraschend hohe Zahl von Wahlberechtigten in den Swing Districts, die Trumps Amtsenthebung fordern“, so Easley, der davon ausgeht, dass die Unterstützung für ein Impeachment bis zum November 2026 die 50-Prozent-Marke überschreiten könnte.
Drittes Impeachment-Verfahren gegen Trump?
Sollte es tatsächlich zu einem dritten Impeachment-Verfahren gegen Trump kommen, wäre dies ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Bereits während seiner ersten Amtszeit wurde Trump zweimal vom US-Repräsentantenhaus angeklagt, jedoch beide Male vom US-Senat freigesprochen. (Quellen: CNN, NY Times, G. Elliot Morris, Lake Research Partners, PoliticusUSA) (cs)