„Vollkommen ohne Not“

Erster Renten-Rebell der JU knickt ein und hofft nun auf Merz – Entscheidung heute

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Am Dienstag trifft sich die Union zur entscheidenden Renten-Sitzung. Die Junge Gruppe bekräftigt kurz vorher ihre Kritik – und zweifelt an der Regierungsfähigkeit.

Update, 2. Dezember, 12:43 Uhr: Hat das Rentenpaket eine Mehrheit im Bundestag? Heute wird sich wohl zeigen, ob Fraktionschef Jens Spahn genügend der 18 Abgeordneten aus der Jungen Gruppe umstimmen kann. Bei der Fraktionssitzung am Dienstag (2. Dezember) soll wohl per Handzeichen ein allgemeines Stimmungsbild eingefangen werden. Noch ist unklar, ob und wie viele der Jungen Gruppe für das Paket stimmen könnten. Um 14:15 Uhr ist eine kurze Pressekonferenz mit Spahn angesetzt.

Update, 20:21 Uhr: Im Renten-Streit lenkt wohl der erste der 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe öffentlich ein. Der CDU-Abgeordnete Daniel Kölbl erklärte gegenüber dem Spiegel: „Ich möchte keine Regierungskrise. Deswegen werde ich mein Abstimmungsverhalten im Zweifel entgegen meiner inhaltlichen Überzeugung so ausrichten, dass meine Stimme nicht die entscheidende Stimme für ein Scheitern des Rentenpakets wäre.“

Mit Blick auf das Paket kritisierte er nach wie vor, es sei „in der Sache falsch“, der jungen Generation einseitig Milliarden-Kosten aufzubürden. Auch warf Kölbl der SPD vor, das Renten-Paket „vollkommen ohne Not von einer Sachfrage zu einer Machtfrage erklärt“ zu haben. Mit seiner Zustimmung für das Renten-Paket bei der Abstimmung im Bundestag bringe er auch sein Vertrauen in Bundeskanzler Friedrich Merz zum Ausdruck – dass noch in „dieser Legislaturperiode eine generationengerechte Rentenreform“ beschlossen werde.

Renten-Rumms: JU bleibt bei Nein und rechnet in Papier mit SPD ab

Erstmeldung: Berlin – Bevor es am Dienstag ans Eingemachte geht, bekräftigt die Junge Gruppe ihre inhaltliche Ablehnung für das Renten-Paket der Regierung. In einem fünfseitigen Papier legt die Gruppe aus 18 CDU- und CSU-Abgeordneten noch einmal ihre Position dar und geht dabei insbesondere mit dem Koalitionspartner SPD hart ins Gericht. In dem Papier greift die Junge Gruppe jenes Argument auf, mit dem die jungen Abgeordneten im Renten-Streit zum Einlenken gebracht werden sollen: die Regierungsfähigkeit.

Johannes Winkel (rechts), Vorsitzender der Jungen Union der CDU, und Carl-Philipp Sassenrath (Mitte), CDU-Bundestagsabgeordneter, während einer Generaldebatte über den Haushalt.

So soll etwa Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) in der Fraktionssitzung am Freitag (28. November) betont haben, dass die Zustimmung zum Rentenpaket nicht nur eine Sachfrage sei. Es gehe um die Regierungsfähigkeit der Union und der Koalition, mahnte Spahn die jungen Renten-Rebellen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Teilnehmerangabe berichtete. Die Junge Gruppe jedoch begreift sich mit ihrem Renten-Wiederstand als Kämpfer für Regierungsfähigkeit, wie aus dem Schreiben von Montag hervorgeht.

Junge Gruppe richtet in Renten-Papier Vorwürfe an die SPD

Für Regierungsfähigkeit brauche es „den fairen Ausgleich zwischen den Koalitionspartnern auf Regierungs- und Fraktionsebene“, heißt es in dem Papier, das dem Münchner Merkur von Ippen.Media vorliegt. Die Bedenken gegenüber dem Renten-Paket seien Ausdruck „für die Regierungsfähigkeit der Union in einer Koalition, die auf Augenhöhe mit der SPD agieren muss“. An ebendiesem Agieren Augenhöhe sowie an weiteren Voraussetzungen für Regierungsfähigkeit scheint für die Junge Gruppe aktuell zu zweifeln, wie die Ausführungen in dem Positions-Papier zeigen.

Der SPD werfen die Abgeordneten mit Blick auf das Renten-Paket einmal mehr vor, nicht kompromissfähig gewesen zu sein. Führende Sozialdemokraten hatten in den vergangenen Wochen immer wieder betont, an dem Paket keine Änderungen mehr vornehmen zu wollen. Das Paket sei vom Koalitionsvertrag gedeckt und durch das Kabinett beschlossen, argumentierten die SPD-Spitzen. „Dass die SPD nicht zu Verhandlungen in der Sache bereit war, zu denen sie parlamentarisch verpflichtet gewesen wäre, ist nicht nachvollziehbar“, kritisiert nun die Junge Gruppe: „Regierungsfähigkeit heißt Kompromissfähigkeit.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Kurz vor Renten-Showdown in der Union: Junge Gruppe hält „Paket für nicht zustimmungsfähig“

In dem Papier bekräftigen die Abgeordneten aus CDU und CSU ihre Position im Renten-Streit: „Als Junge Gruppe halten wir das Rentenpaket für nicht zustimmungsfähig. Dabei bleibt es.“ Die staatspolitische Verantwortung eines Abgeordneten umfasse „Rücksicht auf den Koalitionsfrieden und die weitere Regierungsarbeit in anderen wichtigen Politikfeldern und die Bewertung des Erreichten“.

Die Verantwortung umfasse jedoch ebenso „die finanzielle Stabilität und die sich daraus ergebende Handlungsfähigkeit unseres Landes in den 2030er-Jahren nicht außer Acht zu lassen“. Jedes Mitglied würde nun Argumente abwägen und eine Entscheidung treffen, heißt es mit Blick auf die für diese Woche geplante Abstimmung über das Renten-Paket.

Vorwürfe an Arbeitsministerin Bas: Junge Unions-Abgeordnete zweifeln an „Reformfähigkeit der Koalition“

Direkte Vorwürfe richtet die Junge Gruppe in an Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). „Wenn die Parteivorsitzende und zuständige Bundesministerin zum ‚gemeinsamen Kampf‘ gegen die Arbeitgeber aufruft, ist das nicht nur eine klare Absage an jegliche Reform im Sinne einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik. Es ist darüber hinaus eine Absage an die Sozialpartnerschaft in Deutschland und damit ein politischer Skandal für sich, der für die Union nicht akzeptabel sein darf.“ Die Junge Gruppe erklärt daher: „An der Reformfähigkeit der Koalition muss man zweifeln.“

Die Kritik der Jungen Gruppe bezieht sich auf einen Auftritt der Arbeitsministerin beim Bundeskongress der Jusos am Wochenende. Dort hatte die SPD-Chefin von ihrem Auftritt auf dem Arbeitgebertag berichtet und gesagt, dort sei ihr „besonders deutlich geworden (…), gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“. Sie sei dort gefragt worden, wie viel soziale Sicherheit sich Deutschland überhaupt noch leisten wolle.

Junge Gruppe zweifelt an großer Renten-Reform und betont Bedeutung von Vertrauen zur SPD

Mit der Kritik an den Aussagen der Arbeitsministerin verbinden die jungen Unionsabgeordneten Zweifel an dem Zustandekommen einer großen Renten-Reform, „die genau die Kosten unter Kontrolle bringen wird, auf die der Koalitionspartner jetzt besteht“. Ein weiterer Punkt in dem Papier der 18 Unions-Abgeordneten: „Regierungsfähigkeit heißt Vertrauen.“ Ohne ein Grundvertrauen in den Koalitionspartner SPD „kann es nicht gehen“, schreibt die Junge Gruppe. „Das Vertrauen in die Reformbereitschaft der SPD fehlt derzeit beim Thema Rente.“

Renten-Abstimmung in dieser Woche? Bas knüpft Fortbestand der Koalition an Zustimmung

Am Dienstag wird es ernst: Die Fraktionssitzung der Union soll die Antwort liefern, wie viele Abgeordnete im Bundestag mit Nein stimmen wollen. Darauf verwies auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (CDU) am Montag. In der Fraktionssitzung werde „einmal abgestimmt und dann geschaut“, erklärte Linnemann nach der Vorstandssitzung in Berlin. „Mehr weiß ich nicht.“ Jedoch äußerte er sich zu einem der Gesichter des Widerstands: dem Chef der Jungen Union, Johannes Winkel. Dieser habe in der CDU-Vorstandssitzung sein Nein zum Rentenpaket in der jetzigen Form bekräftigt. Winkel habe „sein Abstimmungsverhalten deutlich gemacht, dass er dem so nicht zustimmen kann“.

Noch in dieser Woche soll – läuft alles nach Plan – im Bundestag über das Renten-Paket abgestimmt werden. Und Arbeitsministerin Bas erhöht unterdessen noch einmal explizit den Druck; Bas knüpft das Fortbestehen der Regierungskoalition an eine erfolgreiche Abstimmung zum Renten-Paket. Die SPD-Chefin sei optimistisch, dass es in dieser Woche gelinge, das Renten-Paket zu beschließen, erklärte sie am Montag in Brüssel. „Das ist wichtig, insbesondere natürlich für den Fortbestand der Koalition, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass wir kaum noch andere Gesetzgebungen, wenn das jetzt scheitert, durchs Parlament bringen.“ (Quellen: Eigene Recherche, dpa, Reuters) (pav)

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