Israels geplantes Lager für Vertriebene in Gaza ist höchst umstritten. Nun äußert ein Ex-Premier Kritik und spricht von einem „Konzentrationslager“.
Tel Aviv/Gaza – Es ist ein umstrittener Plan Israels, der seit Tagen für massive Kritik sorgt: Im Süden des Gazastreifens soll ein Lager, eine „humanitäre Stadt“, entstehen, das Heimat für bis zu 600.000 vertriebene Palästinenser werden soll. In Israel und im Ausland sorgen die Überlegungen teilweise für deutliche Reaktionen. Einige, darunter der ehemalige Ministerpräsident Ehud Olmert, behaupteten, die Stadt ähnele den Konzentrationslagern der Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg.
Kritik an Israel-Plan: Opposition sieht in „humanitärer Stadt“ in Gaza „extreme Wahnvorstellungen“
Verteidigungsminister Israel Katz hatte vor einigen Tagen seine Überlegungen zu dem Vorhaben publik gemacht. Das geplante Lager für Palästinenser im Süden des Gazastreifens, das auf den Trümmern der Grenzstadt Rafah entstehen soll, soll nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite ynet umgerechnet zwischen 2,6 Milliarden und 3,9 Milliarden Euro kosten. Israel würde demnach zunächst fast die gesamten Kosten tragen. Israel spricht indes davon, Palästinensern eine „freiwillige Ausreise“ zu ermöglichen.
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Ynet zufolge gibt es allerdings selbst unter den an der Planung beteiligten Personen Zweifel daran, ob das Lager je errichtet wird. Nur sehr wenige glaubten daran, zitierte die Nachrichtenseite Kreise aus Israels Kabinett. Laut israelischen Medien gibt es auch aus der Armee deutliche Kritik an dem Plan. Oppositionsführer Jair Lapid schrieb auf der Plattform X, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lasse seine rechtsextremen Koalitionspartner mit „extremen Wahnvorstellungen durchdrehen“, um seine Koalition zu erhalten.
Ex-Premier kritisiert Israel wegen Umsiedlung im Gazastreifen – „Ist ein Konzentrationslager“
In die Reihen der Kritik an den Vorhaben hat sich auch der ehemalige israelische Premierminister Ehud Olmert eingereiht. Gegenüber dem Guardian sagte er, dass die Zwangseinweisung in Lager einer ethnischen Säuberung gleichkäme. Die „humanitäre Stadt“, die der israelische Verteidigungsminister auf den Ruinen von Rafah errichten wollte, wäre ein Konzentrationslager, so Olmert weiter. „Es ist ein Konzentrationslager. Es tut mir leid.“
Das Projekt der „humanitären Stadt“ wird vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unterstützt und Israels Weigerung, sich aus dem von Katz vorgesehenen Gebiet zurückzuziehen, ist ein Grund für die stockenden Verhandlungen über einen Waffenstillstand, wie zuletzt israelische Medien berichteten. Israel begehe bereits jetzt Kriegsverbrechen im Gazastreifen und im Westjordanland, so Olmert. Der Bau eines solchen Lagers wäre eine Eskalation.
Größere Bedrohung für Israel: Ex-Premier warnt vor dem „Feind von innen“
Zugleich räumte Olmert ein, dass die israelische Regierung vor großen internen Problemen stehen würde. Die Kabinettsmitglieder, die Gewalt in Gaza und im Westjordanland befürworten, seien eine größere Bedrohung für die langfristige Sicherheit des Landes als jeder externe Feind: „Diese Leute sind der Feind von innen.“
Indes sieht US-Präsident Donald Trump die indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas weiter auf einem guten Weg – trotz eines fehlenden Durchbruchs. „Wir reden miteinander und werden das hoffentlich im Laufe der nächsten Woche klären können. Mal sehen, was passiert“, sagte der Republikaner am 13. Juli. In den vergangenen Wochen hatte Trump wiederholt solche Zeitspannen für eine mögliche Einigung genannt, die jedoch allesamt ergebnislos verliefen. Die USA, Katar und Ägypten fungieren als Vermittler zwischen Israel und Hamas. (fbu/dpa)
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