Großbritannien

Liz Truss-Nachfolge: Ex-Premier Johnson will doch nicht erneut kandidieren

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Der ehemalige Premierminister Großbritanniens, Boris Johnson, plant nun doch keine Kandidatur für die Nachfolge von Liz Truss. Wer wird es nun?

Update von Sonntag, 23. Oktober 2022, 22:30 Uhr: London –  Der britische Ex-Premier Boris Johnson wird nun doch nicht bei einer parteiinternen Abstimmung für das Amt kandidieren. Obwohl er die notwendige Unterstützung in der konservativen Tory-Fraktion habe, habe er sich dagegen entschieden, teilte der Politiker am Sonntagabend mit. Er habe den Rückhalt von mehr als 100 Abgeordneten und könne damit eine Bewerbung einreichen, schrieb Johnson.

Liz Truss-Nachfolge: Ex-Premier Johnson will doch nicht erneut kandidieren

Damit ist Ex-Finanzminister Rishi Sunak der aussichtsreichste Kandidat für den Einzug in die Downing Street. Für ihn haben sich nach Zählung der BBC bereits mehr als 140 Parlamentarier öffentlich ausgesprochen. Notwendig ist die Unterstützung von mindestens 100 Abgeordneten. Er wolle das Land mit „Integrität und Professionalität“ durch die Krise führen, schrieb Sunak auf Twitter, als er am Sonntag seine Kandidatur offiziell machte. Außerdem noch im Rennen ist die Ministerin für Parlamentsfragen, Penny Mordaunt, die bislang jedoch weit abgeschlagen auf dem dritten Platz lag.

Plant Boris Johnson sein Comeback und will die Nachfolge von Premierministerin Liz Truss in Großbritannien antreten? (Archivbild)

Zu seinem Rückzug schrieb Johnson: „Ich hätte gute Chancen auf Erfolg in der Parteibasis und könnte womöglich am Freitag zurück in der Downing Street sein.“ Dennoch sei er zu dem Schluss gekommen, dass dies nicht der richtige Weg sei. „Man kann nicht effektiv regieren, wenn man keine geeinte Partei im Parlament hat.“ Leider sei keine Einigung mit seinen Rivalen Sunak oder Mordaunt zustande gekommen. „Ich glaube, dass ich viel zu bieten habe, aber leider ist dies wohl nicht die richtige Zeit“, so der 58-Jährige.

Liz Truss-Nachfolge: Ex-Premier Johnson will doch nicht erneut kandidieren

Erstmeldung von Sonntag, 23. Oktober 2022, 17:48 Uhr: London – Es ist anzunehmen, dass Boris Johnson gerade am Strand von Punta Cana oder am Hotelpool lag, als ihn die Nachricht erreichte: Die britische Premierministerin – und damit seine Amtsnachfolgerin – Liz Truss tritt zurück. Jedenfalls weilte der ehemalige Chef der Downing Street 10 zu der Zeit noch im Urlaub in der Dominikanischen Republik. Drei Tage später, am Samstagnachmittag, wurde Johnson dann bereits wieder in London gesichtet. Wird Johnson in London die Nachfolge von Liz Truss antreten und damit sein eigener Nach-Nachfolger im Amt des britischen Premierministers, von dem Johnson im Juli zurückgetreten war? Dieser Tage scheint in der Politik vieles möglich und nichts unmöglich.

Nachfolge von Liz Truss: Boris Johnson liebäugelt mit erneuter Kandidatur zum britischen Premierminister

Man muss jedenfalls kein großer Politikprophet sein, um zu erahnen, dass die Nachricht von Truss‘ Rücktritt Boris Johnson zumindest einen Schmunzler entlockt haben muss. Ein bisschen sonderbar war er ja schon immer, der Mann mit der wilden Sturmfrisur. Doch, Johnson ist nicht der einzige, der mit einer Kandidatur um den Posten des Regierungschefs im Vereinigten Königreich liebäugelt. Es bahnt sich ein Duell mit Ex-Finanzminister Rishi Sunak an.

Denn trotz der immer noch großen Beliebtheit von Johnson an der Parteibasis der Tories, gilt Sunak mit mehr als 120 öffentlichen Unterstützern als Favorit. „Großbritannien ist ein großartiges Land, aber wir sind in einer ernsthaften ökonomischen Krise. Deshalb möchte ich die Konservative Partei anführen und nächster Premierminister werden“, schrieb Sunak am Sonntag auf Twitter und betonte, er wolle das Land mit Integrität und Professionalität durch die Krise führen.

Liz Truss-Nachfolge in Großbritannien: Hat Boris Johnson bereits 100 Unterstützer aus der Tory-Fraktion?

Sein wohl gefährlichster Rivale ist eben der skandalumwitterte und Ex-Premierminister Boris Johnson. Auch dieser werde „ganz klar antreten und hat eine breite Unterstützung“, betonte dessen Verbündeter und Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg am Sonntag. Aus dem Kampagnen-Team hieß es, Johnson habe die für eine erfolgreiche Kandidatur notwendige Schwelle von 100 Unterstützern bereits erreicht. Allerdings kamen daran schnell Zweifel auf, da sich öffentlich erst etwa halb so viele für den 58-Jährigen ausgesprochen haben.

Die Tory-Partei sucht eine Nachfolge für die scheidende Premierministerin Liz Truss, die am Donnerstag nach sechs beispiellos chaotischen Wochen im Amt auf Druck ihrer Partei zurückgetreten war.

Will Boris Johnson Nachfolger von Liz Truss werden? Familienurlaub in der Karibik abgebrochen

Ex-Premier Johnson, der am Samstag mit seiner Familie aus einem abgekürzten Karibik-Urlaub zurückkam, traf sich noch am gleichen Abend mit Sunak zum Gespräch. Britische Medien spekulierten, die beiden könnten sich auf einen Deal einigen, um eine noch tiefere Spaltung ihrer Partei zu vermeiden. So kursierte etwa das Szenario, der Favorit Sunak könne Johnson eine Rolle in einem zukünftigen Kabinett anbieten. Am Sonntag wurde jedoch klar: Einen solchen Deal wird es nicht geben. Sunak-Unterstützer Dominic Raab erklärte: „Ein Deal ist nicht der richtige Weg nach vorne.“

Als Dritte im Rennen ist die Ministerin für Parlamentsfragen, Penny Mordaunt, die Zählungen zufolge bislang am wenigsten Unterstützer hinter sich vereinen kann. Sie trete jedoch an, um zu gewinnen und schließe einen Deal mit Johnson aus, sagte Mordaunt auf Nachfrage im BBC-Interview. Auf Antworten zu ihren konkreten Politikplänen – etwa zur Reform des unterfinanzierten Gesundheitssystems oder zu Verteidigungsausgaben – wollte sie sich hingegen nicht festlegen.

Liz Truss-Nachfolge: Noch bis Montag, 24. Oktober, können Bewerbungen eingehen

Noch bis Montagnachmittag können Nominierungen eingehen. Erhalten mehr als zwei Kandidaten die nötigen Unterstützungen von 100 Abgeordneten, soll bei Abstimmungen in der Fraktion der Kreis verkleinert werden. Gibt es danach noch zwei Finalisten, kann die Parteibasis bis Freitag in einem Online-Votum abstimmen.

Ein Duell zwischen Sunak und Johnson könnte zum erbitterten Kampf zwischen alten Rivalen werden – oder zur „Mutter aller Führungskämpfe“, wie das Portal „Politico“ am Wochenende schrieb. Sunak hatte mit seinem Rücktritt als Finanzminister aus dem Johnson-Kabinett im Sommer maßgeblich dazu beigetragen, den damaligen Premier zu Fall zu bringen. Das Verhältnis der Männer galt schon zuvor als angespannt, seitdem als zerrüttet.

Mehrere Abgeordnete haben gedroht, dem Premier die Gefolgschaft zu verweigern oder gar die Partei zu verlassen, sollte Johnson zurück ins Amt kommen. Über dem Skandalpolitiker schwebt noch immer eine Untersuchung dazu, ob er in der „Partygate“-Affäre das Parlament belogen hat – was als politisches K.O.-Kriterium gelten würde. Der einflussreiche Abgeordnete Steve Baker bezeichnete ein Johnson-Comeback am Sonntag als „garantiertes Desaster“.

Nachfolge von Ex-Premier Liz Truss: Penny Mordaunt und Rishi Sunak schärfste Johnson-Konkurrenten

Neben Baker hat Sunak auch andere Schwergewichte aus der Tory-Partei hinter sich: Grant Shapps, der 2019 mit die Johnson-Kampagne zum Erfolg führte, schloss sich diesmal dem Sunak-Lager an. Dass auch Handelsministerin Kemi Badenoch und Ex-Innenministerin Suella Braverman vom rechten Rand der Partei sich für den 42-Jährigen aussprachen, gilt als wichtiges Anzeichen dafür, dass sich möglicherweise verschiedene Parteiflügel hinter Sunak vereinigen könnten.

In den Oppositionsparteien und auch großen Teilen der Öffentlichkeit herrscht enorme Frustration darüber, dass erneut die Tory-Partei allein darüber entscheiden wird, wer das Land in Zukunft regieren und damit die Nachfolge von Liz Truss antreten wird. Der Chef der Labour-Partei, Keir Starmer, forderte im BBC-Interview erneut eine Neuwahl. Der „lächerliche chaotische Zirkus in der Tory-Partei“ müsse endlich ein Ende haben, so Starmer. (mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Aaron Chown/dpa

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