VonAlexander Eser-Rupertischließen
Das große Geschacher um die Nachfolge von Liz Truss hat begonnen. Dabei erwägt offenbar auch ein bekanntes Gesicht ein Comeback: Boris Johnson.
London – Die nunmehr seit vielen Monaten anhaltende Regierungskrise in Großbritannien ist an Skurrilität kaum noch zu überbieten: Nach nur wenigen Wochen im Amt räumt auch die Boris-Johnson-Nachfolgerin Liz Truss ihren Posten. Ihre Nachfolge soll möglichst schnell geklärt werden, versichern die Tories. Die Opposition findet indes, die Konservativen hätten ihr Regierungsmandat verwirkt.
Bestärkt fühlen dürften sie sich in dieser Einschätzung auch durch aktuelle Medienberichte zu Boris Johnson – denn der könnte ein Comeback als Premierminister planen. Frei nach dem Motto: Was schon vorher nicht geklappt hat, klappt nun bestimmt.
Liz Truss: Premierministerin tritt ab – Könnte Boris Johnson ein Comeback als Liz Truss Nachfolger planen?
Experten hatten mit der Nachricht gerechnet und doch kam sie plötzlich: Liz Truss, Premierministerin von Großbritannien, tritt nach wenigen Wochen im Amt zurück. Nun erschüttern neue Medienberichte die britische Öffentlichkeit: Könnte Boris Johnson planen, Liz Truss Nachfolger zu werden? Geht es nach der Times und dem Telegraph ist genau das der Fall. Die Times berichtet, der Ex-Premierminister glaube, eine Kandidatur sei im „nationalen Interesse“. Tatsächlich im nationalen Interesse war zuvor Johnsons Rücktritt – wie zahlreiche Umfragen zeigten. An der Tory-Parteibasis ist er indes tatsächlich weiter keineswegs unbeliebt. Es scheint, der Party-Premier hofft auf eine zweite Chance.
Bei den Konservativen gibt man sich aus Sicht der Opposition inzwischen gänzlich der Lächerlichkeit preis. Labour-Chef und Oppositionsführer Keir Starmer schrieb auf Twitter: „Großbritannien hat etwas Besseres verdient als diese Drehtür des Tory-Chaos. Das britische Volk zahlt den Preis für 12 Jahre des Versagens. Es ist Zeit für Parlamentswahlen und eine Labour-Regierung.“ Eine Rückkehr Boris Johnsons würde man indes nicht nur bei Labour als alles andere als einen Ausweg aus der „Drehtür des Chaos“ empfinden – die selbst eingefleischte Tories längst nicht mehr leugnen können.
Liz Truss_ Nachfolger soll schnell gefunden werden – auch Rishi Sunak wieder ein Kandidat
Liz Truss‘ Nachfolger soll möglichst schnell gefunden werden, versichern die Konservativen. Bereits in der kommenden Woche sollen die Weichen für die Zukunft in der Politik gestellt werden. Zu den Kandidatinnen und Kandidaten, die sich auf die Nachfolge der britischen Premierministerin bewerben könnten, gehören – neben Boris Johnson – unter anderem Rishi Sunak, Penny Mordaunt oder Ben Wallace. Auch Kemi Badenoch ist noch in der Verlosung. Ebenfalls diskutiert wird die kürzlich zurückgetretene Innenministerin Suella Braverman aus dem extrem rechten Parteiflügel.
- Wer wird Liz Truss Nachfolger? Diesen Kandidaten werden gehandelt:
- Rishi Sunak
- Penny Mordaunt
- Boris Johnson
- Ben Wallace
- Kemi Badenoch
- Suella Braverman
Rishi Sunak hatte sich bereits früher in einer Stichwahl gegen Liz Truss durchgesetzt, Truss allerdings konnte die ausschlaggebende Abstimmung unter den konservativen Parteimitgliedern für sich entscheiden. Der neue Finanzminister Jeremy Hunt erklärte im Zuge des Truss-Rücktritts, nicht als Nachfolger zur Verfügung zu stehen. Er war zuvor bereits bei zwei Gelegenheiten mit seiner Bewerbung auf den Posten gescheitert.
Britische Premierministerin: Liz Truss‘ Amtszeit endet nach nur wenigen Wochen
Zuvor hatte die britische Premierministerin Liz Truss nach nur sechs Wochen im Amt ihren Rücktritt erklärt. Liz Truss Amtszeit endet damit früher als bei jedem ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger in der Geschichte Großbritanniens. Truss hatte erklärt, sie müsse anerkennen, dass sie „in dieser Situation das Mandat, mit dem ich von der konservativen Partei gewählt wurde, nicht erfüllen kann.“ Die Noch-Regierungschefin hatte bei ihrem geplanten Entlastungspaket bereits eine Voll-Umkehr hinnehmen müssen und war auch unter den Parteimitgliedern zunehmend in Ungnade gefallen.
Mit Blick auf die nächsten Wahlen droht den Tories ein Wahldebakel: In einer aktuellen Umfrage liegen die Konservativen inzwischen mit 39 Prozentpunkten hinter der Labour-Partei zurück. Ob ausgerechnet Boris Johnson das ändern kann, ist überaus zweifelhaft, zumal er zum beispiellosen Absturz seiner Partei einen erheblichen Teil beigetragen hat. Die vergangenen Monate bei den Tories haben indes eines deutlich gemacht: Kaum eine Absurdität ist für die Regierungspartei aktuell so fremd, dass sie nicht doch eine Option sein könnte. In anderen Worten: Auch eine Rückkehr Johnsons ist zumindest denkbar.
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