Lukaschenko erhandelt sich Putins Gunst: So profitiert der Belarus-Machthaber vom Wagner-Aufstand
VonKathrin Reikowski
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Die Wagner-Revolte in Russland ist nach einem Tag offenbar beendet. Putin soll sich dafür beim belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko bedankt haben.
Minsk/Moskau – Der Aufstand der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg ist nach einem Tag beendet: Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin war in der Nacht zum Sonntag mutmaßlich unterwegs nach Belarus, seine Einheiten hatten den Befehl zum Rückzug erhalten. Noch am Abend ließ der Kreml keinen Zweifel darüber aufkommen, wem Dank für den Rückzug der Wagner-Truppen und die Aushandlung eines Abkommens mit Prigoschin gebührt: dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko.
Die Nachricht dazu kam zunächst aus Belarus. Die belarussische Nachrichtenagentur Belta ließ am Samstagabend mitteilen, dass Wladimir Putin und Lukaschenko gegen 21 Uhr telefoniert hätten: „Der Präsident von Belarus informierte den Präsidenten von Russland ausführlich über die Ergebnisse der Verhandlungen mit dem Führer der Wagner-Gruppe. Der Präsident von Russland (...) dankte seinem belarussischen Kollegen für die geleistete Arbeit.“ Prigoschin selbst hatte seine Söldner am Samstag zum Rückzug aufgefordert – erwähnte laut der Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) in einer Erklärung aber nicht, dass Lukaschenko an einer Einigung beteiligt gewesen sei. Bis Sonntagmorgen seien Details, Zeitplan und Ergebnisse demnach nicht klar – außerdem sei schwer einzuschätzen, wer sich wie intensiv an die Abmachungen halten würde.
Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, und Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, sprechen während ihres Treffens in der Residenz Bocharov Ruchei in der russischen Ferienstadt Sotschi.
Nach der Wagner-Revolte: Wie Lukaschenko seine Unterstützung des Kreml ummünzen könnte
Das ISW analysiert jetzt, dass Lukaschenko den ausgehandelten Deal zu seinem Vorteil ausnutzen könnte. „Dass es nun so aussieht, dass der belarussische Präsident Lukaschenko eine direkte Rolle dabei spielt, einen militärischen Vormarsch auf Moskau zu stoppen, ist für Putin demütigend und hat Lukaschenko möglicherweise andere Vorteile verschafft“, schreibt das ISW.
Am Samstag, dem Tag der Wagner-Revolte, habe Putin Lukaschenko über die Situation informiert. Dies könne laut ISW darauf deuten, dass „Putin sich an Lukaschenko gewandt habe, um den bewaffneten Aufstand zu lösen, obwohl die belarussische Regierung die Interaktionen mit dem Kreml oft zu ihrem Vorteil ausnutzt.“
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Dem ISW zufolge legen die Nachrichten von Samstag nahe, dass Lukaschenko „einen nicht näher bezeichneten Einfluss auf Prigoschin hat“ – unter anderem könne es einen Zusammenhang mit den Wahlen in Belarus im August 2020 geben. Lukaschenko könne sich seine Unterstützung laut ISW nun etwas kosten lassen: „Lukaschenko wird wahrscheinlich versuchen, die Deeskalation des bewaffneten Aufstands zu nutzen, um seine Ziele voranzutreiben“, schreibt das ISW.