Vom Prügelknaben zum Musterschüler?

Merz trifft Trump in Washington: Deutschlands Status hat sich verändert

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Merz fährt zum Antrittsbesuch bei Trump nach Washington. Die Begegnung könnte eine Wende in den deutsch-amerikanischen Beziehungen herbeiführen.

Berlin – Der Donnerstag (5. Juni) markiert den Beginn eines kleinen Meeting-Marathons. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump werden im Juni voraussichtlich gleich dreimal aufeinander treffen. Vor dem G7-Treffen in Kanada und dem Nato-Gipfel in Den Haag reist Merz zum Antrittsbesuch nach Washington, um den Grundstein für die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA zu legen. Blickte Trump vor kurzer Zeit noch kritisch auf Berlin, so scheint sich Deutschlands Rolle aus Sicht des US-Präsidenten gewandelt zu haben. Für Merz ein gutes Zeichen.

Vor Treffen von Merz und Trump im Oval Office: Deutschland legt bei Verteidigung zu

Im Zentrum der Beziehungen zwischen Deutschland und den USA steht eine deutliche Kehrtwende in der Verteidigungspolitik, welche die Bundesregierung von Merz vollzogen hat. Fünf Prozent der Wirtschaftsleistung will die Bundesregierung künftig für Verteidigung ausgeben – ein deutlicher Anstieg. Der durchaus überraschende Beschluss kann vor allem als Signal an die US-Regierung gewertet werden. Trump hatte sich immer wieder darüber beklagt, dass die ewig klammen Nato-Mitglieder aus Europa zu wenig für die Verteidigung ausgeben und dadurch am Nabel der USA hängen würden.

„Wir haben vor wenigen Wochen unsere Verfassung geändert, um die nötigen Mittel für die Verteidigung unseres Landes aufzubringen – und dadurch zugleich auch unseren Beitrag zur Verteidigung unserer Partner und Verbündeten zu leisten“, erklärte Merz kürzlich wohl auch in Richtung Trump. Verteidigungsausgaben über einem Prozent des BIP sind dadurch künftig von der Schuldenbremse ausgenommen. Diese Entwicklung wird in Washington positiv aufgenommen. US-Außenminister Marco Rubio lobte nach einem Treffen mit Außenminister Johann Wadephul, die neue Bundesregierung erkenne die Dringlichkeit der aktuellen globalen Herausforderungen und „begegne ihnen mit Taten“.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Merz will Trump bei Treffen in Washington mit ins Boot holen

Die Merz-Regierung will, dass Deutschland in Europa und der Nato eine Führungsrolle übernimmt und der Verantwortung gerecht wird. Damit der Plan Erfolg hat, braucht man jedoch auch die USA im Boot. Das dürfte Merz als bekennendem Transatlantiker bewusst sein. Die passende Bühne dafür soll der Nato-Gipfel am 24. und 25. Juni in Den Haag werden. Das Nachrichtenportal n-tv analysiert, dass Merz diesen vor allem zu einem Erfolg für Trump machen will. Dem US-Präsidenten soll dort die Entschlossenheit der Partner bei der Verteidigungspolitik aufgezeigt werden und Trump somit enger an Europa gebunden werden. Deutschland machte durch seine Fünf-Prozent-Ankündigung bereits einen großen ersten Schritt.

Um sich mit Trump und der US-Regierung gut zustellen, hält die Merz-Regierung sich auch bei der Kritik zurück. Wadephul sparte bei seinem ersten Treffen mit Marco Rubio bewusst dessen scharfe Kritik an der Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextreme Vereinigung aus. Trumps Außenminister hatte Deutschland vorgeworfen, sich in eine „Tyrannei“ verwandelt zu haben. Nach einer Klage der AfD hat der Verfassungsschutz seine Einschätzung bis zur Verkündung des Urteils vorerst ausgesetzt.

Vor dem Antrittsbesuch von Merz bei Trump in Washington stehen die Zeichen auf einer Annäherung von Deutschland und den USA.

Antrittsbesuch „von großer Bedeutung“: Vieles hängt am Treffen von Merz und Trump

Bei Merz‘ Antrittsbesuch im Oval Office dürfte es aber wohl auch um das Zwischenmenschliche zwischen dem Bundeskanzler und Trump gehen. Tyson Barker, Experte am Thinktank Atlantic Council, betonte im Gespräch mit der Kyiv Post die Wichtigkeit des persönlichen Kontakts für Trump: „Es ist von großer Bedeutung, denn Trump personalisiert seine Außenpolitik. Sie wird vollständig durch seine persönlichen Beziehungen zu anderen außenpolitischen Führungspersönlichkeiten vermittelt.“ Eine gute Beziehung zwischen Deutschland und den USA steht und fällt also mit einer guten Beziehung zwischen Merz und Trump.

Dabei gibt es bereits erste Hinweise, dass es zwischen Merz und Trump passen könnte. Beide Politiker haben eine Vergangenheit in der freien Wirtschaft als möglichen Anknüpfungspunkt. Trotz der zuletzt geäußerten Kritik steht Merz ebenso wie Trump eng an der Seite Israels trotz des Krieges gegen die Hamas im Gazastreifen. Barker sieht als weiteren Vorteil, dass Merz „nicht wie Angela Merkel oder Olaf Scholz“ ist. Der Experte erklärte, dass der derzeitige deutsche Bundeskanzler im Gegensatz zu seinen Vorgängern „mehr mit politischen Visionen ... und mit der Sprache der Macht vertraut ist“.

Treffen im Weißen Haus: Merz hofft auf freundlichen Empfang durch Trump

Merz darf also darauf hoffen, dass Trump für seinen Antrittsbesuch in Washington keinen erneuten Hinterhalt im Oval Office plant. Der US-Präsident ließ zuletzt der ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa im Weißen Haus auflaufen. Das Treffen zwischen Merz und Trump könnte als entscheidender Test für die Neuausrichtung der deutsch-amerikanischen Beziehungen fungieren. Die Ergebnisse dürfte die Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen, die Unterstützung für die Ukraine und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland maßgeblich beeinflussen. (fd)

Rubriklistenbild: © Montage: Alex Brandon/ Michael Kappeler/dpa

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