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Wahlen in den USA: Putins Vertrauter gibt Russlands Einmischung offen zu

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Russland betreibt vor den Midterms Stimmungsmache in den USA. Was ein offenes Geheimnis war, wird nun von einem bestätigt, der es wissen muss.

Update vom 7. November, 17.15 Uhr: Laut eines Berichts von CNN hat der russische Oligarch und Vertrauter von Wladimir Putin Russlands Einmischung in die Wahlen der USA zugegeben. „Ich werde Ihnen sehr subtil und vorsichtig antworten, und ich entschuldige mich, wenn meine Antwort eine gewisse Zweideutigkeit zulässt: Meine Herren, wir haben uns eingemischt, wir mischen uns ein und wir werden uns einmischen“, sagte Jewgeni Prigoschin in einer Fragerunde, die auf der sozialen Plattform VKontakte stattfand, das russische Äquivalent zu Facebook.

Prigoschin ist Finanzier einer als „Putin-Bots“ bekannten Agentur zur Einflussnahme im Internet und Gründer der Söldnergruppe Wagner. Er besitzt zwar kein Amt in der Regierung von Wladimir Putin, doch gilt als sehr enger Vertrauter des russischen Präsidenten. Laut CNN ist Prigoschin der erste hochrangige Protagonist aus dem Umfeld des Kreml, der die Einflussnahme russischer Kräfte auf US-Wahlen wie die Midterms zugibt.

Jewgeni Prigoschin hat die russische Einflussnahme auf die Stimmungslage in den USA kurz vor den Midterms erstmals zugegeben. (Archivbdild)

Wahlen in den USA: Russland macht Stimmung mit Cartoons

Erstmeldung vom 5.11.2022: Washington, D. C. - Kurz vor den Midterms in den USA machen Nachrichten die Runde, die nur allzu bekannt klingen. Laut eines Berichts des Nachrichtenportals Axios versucht Russland erneut, seinen Einfluss auf nationale Wahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika geltend zu machen. Eine Gruppe mit Verbindungen nach Moskau soll in sozialen Medien gezielt Wählergruppen vom äußeren rechten Rand ansprechen. Das Ziel laut den Reportern: die „Unterstützung für die Kandidaten der Demokraten zu untergraben.“

Erreicht werden soll das offenbar mit beleidigenden Cartoons, in denen unter anderem Raphael Warnock zu sehen ist. Der 53 Jahre alte Pastor vertritt den US-Bundesstaat Georgia im Senat und tritt bei den diesjährigen Midterms gegen den Republikaner Herschel Walker an. Walker ist ehemaliger Football-Profi und wird von Donald Trump unterstützt. Die Umfragen zu den Midterms sagen ein knappes Rennen zwischen beiden voraus. In dem Cartoon trägt Warnock Kleidung, die wohl aus Afrika stammen soll, schwingt eine Pistole und ruft: „Tut Buße für Eure Anbetung des Weißseins!“

Wahlen in den USA: Russland nimmt Einfluss vor den Midterms

Die Cartoons gehen laut Recherchen von Axios auf den „Newsroom for American and European Based Citizens“ zurück. Hinter dem Namen verstecke sich eine rechtsgerichtete Gruppierung, die bereits mehrfach durch die Verbreitung von Fake News aufgefallen ist. Sie war bereits bei der US-Wahl 2020 aktiv und hetzte damals - wenn am Ende auch erfolglos - gegen die Wahl von US-Präsident Joe Biden. Nun scheint sie wieder auf US-Wahlen Einfluss nehmen zu wollen.

Hilfe erhält sie dabei von Russlands „Internet Resarch Agency“, eine Firma mit Sitz in Sankt Petersburg. Im Netz bekannt unter „Putinbots“ oder Troll-Armee soll sie im Auftrag des Kreml Meinungsdiskurse im Internet beeinflussen. Laut US-Geheimdienste wird die Organisation von Jewgeni Prigoschin finanziert. Der russische Oligarch ist Gründer der Söldnerarmee „Wagner“ und enger Vertrauter Wladimir Putins. Seine Trollarmee soll bereits 2015 im Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton Stimmung gegen die Kandidatin der Demokraten gemacht haben. Sollte Donald Trump im Zuge der Midterms seine erneute Kandidatur verkünden, die Putinbots stünden sicher wieder bereit.

Zwischenwahlen USA: Die zehn spannendsten Duelle im Senat

John Fetterman von den Demokraten
Der linke Demokrat John Fetterman ist amtierender Vizegouverneur von Pennsylvania und tritt dort gegen den republikanischen Trump-Schützling Mehmet Oz an. Kurz vor den demokratischen Vorwahlen im Mai erlitt Fetterman einen Schlaganfall, von dem er sich noch immer erholt.  © Kriston Jae Bethel/afp
Mehemt Oz aus Pennsylvania
Der Republikaner Mehmet Oz wird im Wahlkampf in Pennsylvania um den Sitz im US-Senat von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt. Der Kardiologe und ehemalige TV-Arzt geriet in die Kritik, weil er in seiner Sendung, „The Dr. Oz Show“, pseudowissenschaftliche und alternativmedizinische Ansichten verbreitete. © Ed Jones/AFP
Mandela Barnes
Der progressive Demokrat Mandela Barnes ist Vizegouverneur von Wisconsin und will den amtierenden republikanischen Senator, Ron Johnson, ablösen. Barnes setzt sich insbesondere für Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte ein. Seine Kandidatur wird von den prominenten US-Linken Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und Elizabeth Warren offiziell unterstützt. © Scott Olson/AFP
Ron Johnson von den Republikanern
Der MAGA-Republikaner Ron Johnson ist der amtierende Senator von Wisconsin und rechtsextrem. Er will die staatliche Kranken- und Rentenversicherung privatisieren. Den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 bezeichnete er als „überwiegend friedlich“, es sei kein bewaffneter Aufstand gewesen. © Mark Hertzberg/Imago
Raphael Warnock von den Demokraten
Raphael Warnock ist Senator des Swing States Georgia. Er wird herausgefordert von dem Trump-Protegé Herschel Walker. Warnock ist Pastor der Ebenezer Baptist Church in Atlanta, in der einst der bekannte Bürgerrechtsaktivist Martin Luther King Jr. predigte. Warnock ist der erste Schwarze, der den Südstaat Georgia im US-Senat vertritt. © Anna Moneymaker/AFP
Herschel Walker von den Republikanern
Der Ex-American-Football-Spieler und Republikaner Herschel Walker tritt in Georgia gegen den demokratischen Senator Raphael Warnock an. Seine Kandidatur wird von Donald Trump unterstützt. Walker fällt immer wieder durch vergangene Skandale auf. Der erklärte Abtreibungsgegner soll eine Ex-Freundin zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt und dafür bezahlt haben. © Megan Varner/AFP
Catherine Cortez Masto von den Demokraten
In Nevada wackelt der Senatssitz der demokratischen Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto. Ihr Herausforderer ist der von Donald Trump unterstütze Republikaner und Wahlleugner Adam Laxalt. Cortez Masto macht sich im Wahlkampf insbesondere für das Recht auf Abtreibung stark. Bevor sie Senatorin wurde, war sie Navadas Generalstaatsanwältin. © Kevin Dietsch/AFP
Republikaner Adam Laxalt, Kandidat für den Senat
Der Republikaner Adam Laxalt fordert in Nevada die demokratische Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto heraus. Laxalt wird von Donald Trump unterstützt und ist demzufolge Wahlleugner. Der ehemalige Generalstaatsanwalt von Nevada konzentriert sich auf die Themen Inflation und „Law and Order“. © Bridget Bennett/AFP
Tim Ryan aus Ohio
Demokrat Tim Ryan kämpft in Ohio mit dem Republikaner J. D. Vance um den frei werdenden Senatssitz. Ryan ist Abgeordneter im Repräsentantenhaus und war 2019 Präsidentschaftskandidat der Demokraten, doch schied vorzeitig aus dem Rennen aus. © Jerry Mennenga/Imago
JD Vance kandidiert für die Republikaner
J. D. Vance kandidiert auf republikanischer Seite in Ohio gegen den Demokraten Tim Ryan für den Senat. Vance ist Risikokapitalgeber und Autor des autobiografischen Bestsellers „Hillbilly Elegie“. Er sicherte sich die republikanische Nominierung im Vorwahlkampf durch rechtsextreme Positionen und die Unterstützung von Donald Trump. © Jeff Swensen/AFP
Marco Rubio kandidiert für die Republikaner
In Florida sieht sich der amtierende republikanische Senator Marco Rubio seiner demokratischen Herausforderin Val Demings gegenüber. Donald Trump verpasste Rubio, der 2016 als dessen Kontrahent in den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen antrat, den hämischen Spitznamen „little Marco“ (kleiner Marco). © Anna Moneymaker/AFP
Val Demings kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Val Demings fordert in Florida den amtierenden republikanischen Senator Marco Rubio heraus. Sie ist die ehemalige Polizeichefin von Orlando und konnte bereits republikanische Attacken abwehren, die darauf abzielten, sie als zu lax in puncto Strafverfolgung darzustellen. © Joe Readle/AFP
Ted Budd kandidiert für die Republikaner
In North Carolina tritt der Republikaner Ted Budd gegen die Demokratin Cheri Beasley an. Der von Trump unterstützte rechtsextreme Abgeordnete Budd ist Wahlleugner und Inhaber eines Schusswaffengeschäfts. © Seth Herald/AFP
Cheri Beasly kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Cheri Beasley kämpft in North Carolina mit dem Trump-Republikaner Ted Budd um den Sitz im Senat. Beasley ist ehemalige Richterin am Supreme Court des Bundesstaates North Carolina und befürwortet das Recht auf Abtreibung. © Sean Rayford/AFP
Mark Kelly kandidiert für die Demokraten
In Arizona wird der demokratische Amtsinhaber Mark Kelly vom Trump-Schützling und rechtsextremen Republikaner Blake Masters herausgefordert. Kelly ist ehemaliger Astronaut und Ehemann der ehemaligen Abgeordneten Gabby Giffords, der bei einer Veranstaltung in den Kopf geschossen wurde und die überlebte. Demzufolge setzt sich Kelly für strengere Schusswaffengesetze ein. © Kevin Dietsch/AFP
Blake Masters kandidiert für die Republikaner
Der rechtsextreme Republikaner Blake Masters fordert in Arizona den demokratischen Amtsinhaber Mark Kelly heraus. Masters ist ein Schützling Donald Trumps und sprach sich im Vorwahlkampf nicht nur gegen Abtreibungen, sondern auch gegen Empfängnisverhütung aus. Er ist auch Anhänger des rechten, rassistischen Verschwörungsmythos vom „Großen Austausch“. © Brandon Bell/afp
Maggie Hassan kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Maggie Hassan ist die Amtsinhaberin des Senatssitzes für New Hampshire. Sie wird von dem Republikaner Don Bolduc herausgefordert. Hassan konzentriert sich im Wahlkampf auf den Schutz des Rechts auf Abtreibung. Sie war bereits Gouverneurin von New Hampshire. © Scott Eisen/AFP
Don Bolduc kandidiert für die Republikaner
Der Republikaner Don Bolduc fordert in New Hampshire die demokratische Amtsinhaberin Maggie Hassan heraus. Bolduc lobte die höchst umstrittene Anti-Abtreibungsentscheidung des Supreme Courts. Der pensionierte Brigadegeneral ist ein rechtsextremer Kandidat, doch er wird nicht von Donald Trump unterstützt. © Scott Eisen/AFP
Michael Bennet kandidiert für die Demokraten
In Colorado wird der demokratische Amtsinhaber Michael Bennet von dem Republikaner Joe O’Dea herausgefordert. Bennet hat sich während seiner Amtszeit auf die Ausweitung der Steuergutschrift für Kinder konzentriert. Er macht auch Wahlkampf mit den Mitteln aus dem Infrastrukturpaket, die seinem Bundesstaat zuerkannt wurden. © POOL

Wahlen in den USA: Russlands Strategie für die Midterms

Pünktlich zu den Midterms in den USA haben die russischen Bots ihre Arbeit offenbar wieder aufgenommen. Die Cartoons wurden bislang vor allem auf rechtsradikalen Plattformen geteilt, wie zum Beispiel das Social Media Portal „Gab“ oder das Internetforum „patriots.win“.

Neben Hetze gegen Demokraten verfolgt die Gruppe kurz vor den Midterms offenbar noch eine weitere Agenda. Laut Axios seien auch Cartoons und Bilder in Umlauf gebracht worden, die eine Pro-China-Stimmung verbreiten sollen. Wähler:innen in den USA sollen so verwirrt werden, damit sie ihre Stimme bei den Zwischenwahlen gar nicht erst abgeben. Das wiederum reicht in der Regel aus, denn auch die Troll-Armee weiß: Je weniger Leute zur Wahl gehen, desto besser stehen die Chancen der Republikaner auf ein gutes Ergebnis bei den Midterms. (Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vyacheslav Prokofyev

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