Crashkurs Moldau-Politik

Eine Frau gegen Putins Marionetten-Fundus: Von Sandu bis Șor – wer ist wer bei der Moldau-Wahl?

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Putins Russland will Moldau vom Kurs Richtung EU abbringen. Mitentscheidend ist die Wahl am Wochenende. Die wichtigsten Akteure im Crash-Kurs:

Kischinau/München – Wenn Moldau am Sonntag (28. September) ein neues Parlament wählt, steht viel auf dem Spiel. Und die Einsätze sind hoch: Das kleine Land grenzt direkt an die Ukraine und die EU. Brüssel und Russland wollen es in ihren Teams haben, nehmen dafür auch viel Geld in die Hand. Durchaus denkbar scheint aber, dass die pro-europäische PAS-Partei ihre absolute Parlamentsmehrheit verliert – vielleicht sogar die Regierung verlassen muss. Dann würde die junge Demokratie wohl dem Kreml in die Hände fallen.

Protagonisten der Moldau-Wahl: Maia Sandu, Igor Dodon, Ilan Șor, Irina Vlah (v.li.)

Denn für Beobachter ist klar: Abseits der PAS sind (fast) alle wichtige Akteure und Parteien von Moskau beeinflusst, gekauft, in Szene gesetzt. Und doch ist die Lage unübersichtlich. Es gibt Nuancen. Und Schattengestalten. Ein Überblick über die wichtigsten Namen bei Moldaus Parlamentswahl:

Wer ist wer bei der Moldau-Wahl? Ein Überblick

Maia Sandu: Bislang hat die PAS satte 63 von 101 Parlamentssitzen in der Hauptstadt Kischinau inne. Das wird sich wohl ändern. Dennoch ruhen die Hoffnungen auf Maia Sandu. Dabei steht die 53-Jährige gar nicht zur Wahl – sie ist seit 2020 Moldaus Präsidentin und bleibt das im Normalfall noch bis 2028. Aber sie steht recht allein auf weiter Flur: Die als zurückhaltend geltende Sandu ist das Aushängeschild der PAS, und mit guten Kontakten etwa zu Emmanuel Macron sogar das der ganzen pro-europäischen Seite in Moldau. Beobachter bemängeln das durchaus. Man habe es verpasst, weitere Parteipromis und auch mögliche Partner für die PAS aufzubauen.

Sandu war als große Hoffnungsträgerin angetreten, ihr Wahlerfolg weckte auch im Westen große Hoffnungen. Doch die vergangenen vier Jahre unter PAS-Mehrheit waren schwer: Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg. Kurz fürchtete man in Moldau, Russland könne durch die Ukraine bis ins eigene Land marschieren. Später spielte der Kreml wiederholt am Gashebel, die Preise explodierten, flankiert von Propaganda aus Moskau. „Ende 2024 taumelte Moldau in einen eigentlich absehbaren Gas-Notstand“, rügt Felix Hett, Büroleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung für Ukraine und Moldau. Dafür habe sich die Regierung immer wieder einmal als erstaunlich gute Krisenmanagerin gezeigt.

Auch die angekündigte Reform der hochkorrupten Justiz kommt nur langsam voran. Für Sandu und die PAS gibt es aber eine Hoffnung über die wohl rund 30 Prozent eingefleischten Pro-Europäer im Lande hinaus: Vielleicht fürchten die Wähler noch Schlimmeres unter den (teils bereits bekannten) Alternativen. Ohnehin gilt laut Hett: „Es ist verdammt schwer, ein Land wie Moldau mit derart geringen administrativen Kapazitäten zu führen.“ Das ahnen wohl auch viele Menschen in Moldau.

Wandel in Europa: Die Geschichte der EU in Bildern

Karte der Europäische Union
Die Europäische Union ist eine wirtschaftliche und politische Vereinigung von 27 europäischen Ländern. Insgesamt leben etwa 450 Millionen Menschen im Gebiet der EU. Ursprünglich als Wirtschaftsverbund gegründet, hat sie sich zu einer Organisation entwickelt, die eine Vielzahl von Feldern abdeckt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist der europäische Binnenmarkt der größte gemeinsame Markt weltweit. Er ermöglicht die freie Bewegung der meisten Waren, Dienstleistungen, Kapital und Menschen. © PantherMedia (Montage)
Römischen Verträge EU
Der Grundstein für die heutige EU wurde am 25. März 1957 gelegt. Die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg unterzeichneten damals die Römischen Verträge. Für Deutschland setzten Kanzler Konrad Adenauer (links) und Walter Hallstein, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ihre Unterschriften unter das Dokument. Damit waren die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) besiegelt. © dpa
Margaret Thatcher und François Mitterrand
Am 1. Januar 1973 traten Dänemark, die Republik Irland und das Vereinigte Königreich der EG bei. Einfach war das Verhältnis zwischen Großbritannien und Europa nie. Auch Premierministerin Margaret Thatcher (links) war keine Freundin Europas. Mit der Forderung „We want our money back“ setzte die Eiserne Lady 1984 beim Gipfel in Fontainebleau einen Rabatt bei den Zahlungen Großbritanniens in die Gemeinschaftskasse durch. Verhandlungspartner wie der französische Präsident François Mitterrand (rechts) waren machtlos. © Daniel Janin, Gabriel Duval/afp
Militärjunta in Griechenland
Zum 1. Januar 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft bei. Die Aufnahme des Landes war heftig umstritten. Europa befürchtete, sich einen unangenehmen Partner ins Nest zu holen. So sorgte zum einen das konfliktreiche Verhältnis Griechenlands zur Türkei für Unbehagen. Noch schwerer wog die Diktatur der rechtsextremen Militärjunta, die erst im Juli 1974 zu Ende gegangen war. Ein interner Machtwechsel am 25. November 1973, als Panzer im Athener Zentrum auffuhren (im Bild), konnte den Wandel nicht mehr aufhalten. © Imago
Von wegen grenzenlos - Ärger in Schengen über Grenzkontrollen
1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten das „Schengener Abkommen“ über den schrittweisen Abbau der Personenkontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen. Die weitgehende Reisefreiheit erleichterte das Leben und Arbeiten in anderen europäischen Ländern erheblich. Alle Bürgerinnen und Bürger der EU haben das Recht und die Freiheit, selbst zu entscheiden, in welchem EU-Land sie arbeiten, studieren oder ihren Ruhestand verbringen möchten.  © Harald Tittel/dpa
Franco und Juan Ćarlos
1986 nahm die EG zwei neue Mitglieder auf: Portugal und Spanien. Damit konnten beide Staaten ihre Isolation auf dem Kontinent beenden. Vor allem für Spanien war der Beitritt in die EG ein markanter Wendepunkt, um die Folgen der jahrzehntelangen Diktatur unter Francisco Franco (rechts) zu überwinden. Juan Carlos (links), der zwei Tage nach Francos Tod am 20. November 1975 zum König proklamiert worden war, spielte eine entscheidende Rolle bei der Überwindung der Diktatur. Bei der Aufnahme des Bildes im Jahr 1971 hatte er noch im Schatten Francos gestanden. © afp
Silvester 1989 am Brandenburger Tor
Eine Erweiterung im eigentlichen Sinne war es nicht. Doch als am 3. Oktober 1990 die Länder der DDR der Bundesrepublik Deutschland beitraten, wurde die EG automatisch um ein gutes Stück größer. Mit der Wiedervereinigung erstreckte sich das gesamte Gemeinschaftsrecht nun auch auf das Beitrittsgebiet. Mit einer Bevölkerungszahl von mehr als 80 Millionen Menschen ist Deutschland seitdem der bevölkerungsreichste Mitgliedsstaat. © Wolfgang Kumm/dpa
Genscher und Waigel unterzeichnen Maastrichter Vertrag
Anfang der Neunziger war die Zeit reif für einen Wandel. Die Römischen Verträge hatten ausgedient. Am 7. Februar 1992 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU ein neues Vertragswerk. Für Deutschland unterzeichneten Außenminister Hans-Dietrich Genscher (links) und Finanzminister Theo Waigel (rechts) das Dokument. Der Vertrag von Maastricht zur Gründung der Europäischen Union trat am 1. November 1993 in Kraft. Mit dem EU-Vertrag entwickelte sich die europäische Gemeinschaft zu einer politischen Union. © dpa
Volksabstimmung zum EU-Beitritt in Norwegen 1994
1995 nahm die EU drei neue Länder auf. In Österreich, Schweden und Finnland hatten zuvor die Menschen in Volksentscheiden dem Beitritt zugestimmt. Auch Norwegen ließ das Volk in einem Referendum darüber abstimmen. Doch hier sah das Ergebnis anders aus. 52,2 Prozent der Wahlberechtigten in Norwegen votierten in einer Volksabstimmung gegen einen Beitritt.  © Berit Roald/Imago
Tschechien feiert EU-Beitritt
Neun Jahre später kam es zur ersten Osterweiterung. Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und die Republik Zypern der EU bei. Die neuen EU-Länder feierten den Beitritt, in Prag (hier im Bild) und anderen Hauptstädten freuten sich die Menschen über eine Zukunft unter dem Dach der EU. Die Europäische Union setzte sich somit aus 25 Mitgliedstaaten zusammen. © Michal Svacek/afp
Rumänien - EU
Der zweite Teil der Osterweiterung ließ nicht lange auf sich warten. Am 25. April 2005 unterzeichneten Rumänien und Bulgarien den Beitrittsvertrag zur EU. Beide Länder wurden zum 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen. Für die Menschen in Bukarest (hier im Bild) gab es also mehr als nur einen Grund, die Nacht zum Tage zu machen. Die Fläche der EU wuchs mit dieser Erweiterung auf etwas mehr als 4,3 Millionen Quadratkilometer.  © Robert Ghement/dpa
Kroatien wird EU-Mitglied
Schon im Juni 2004 war Kroatien der Status eines offiziellen Beitrittskandidaten verliehen worden. Doch die Verhandlungen verzögerten sich mehrmals, erst sieben Jahre später konnten sie erfolgreich abgeschlossen werden. Kurz danach stimmten 66,3 Prozent der Wahlberechtigten bei einem Referendum für den Beitritt in die EU. Am 1. Juli 2013 war schließlich der Zeitpunkt gekommen, um vor dem Europäischen Parlament in Straßburg die Flagge Kroatiens zu hissen. Die EU bestand damit aus 28 Mitgliedsstaaten. © Frederick Florin/afp
EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp
Banksy-Kunstwerk zu EU und Brexit
Seit dem 31. Januar 2020 besteht die EU nur noch aus 27 Staaten. Nach 47 Jahren verließ das Vereinigte Königreich als erstes Mitgliedsland die Europäische Union. Im Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit in einem Referendum für den Abschied aus der EU gestimmt. Der britische Street-Art-Künstler Banksy kommentierte den Brexit auf seine Art. In der Hafenstadt Dover malte er eine riesige EU-Flagge an eine Hauswand – zusammen mit einem Handwerker, der einen der Sterne entfernt. © Glyn Kirk/afp
Friedensnobelpreis für EU.
2012 wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Herman Van Rompuy, José Manuel Barroso und Martin Schulz (von links nach rechts) nahmen den Preis bei der Verleihung im Osloer Rathaus am 10. Dezember 2012 in Empfang. © Cornelius Poppe/afp

Dodon und Ceban: Die prorussischen Hauptkonkurrenten

Igor Dodon (Patriotischer Block): Igor Nikolajewitsch Dodon ist ein alter Bekannter in Moldau: Von 2016 bis 2020 war er Präsident des Landes, in der Wahl 2016 hatte er Sandu besiegt. Eigentlich ist Dodon Chef der seit langem – nicht nur, aber auch – unter der russischsprachigen Bevölkerung populären Sozialisten der PRSM. Diesmal führt Dodon ein vergrößertes Bündnis in die Wahl, den „Patriotischen Block“. Mit dabei sind etwa auch die Kommunisten. Wenig Zweifel gibt es daran, dass der Kreml bei der Bündnisfindung Strippen gezogen hat. Alle Beteiligten gelten als prorussisch. Noch im Juli war Dodon mit einigen weiteren Politikern in Moskau bei Vize-Premier Dmitrij Patruschew zu Gast.

Das gilt natürlich auch für Dodon. Noch im Sommer 2024 schlug ein Interview mit dem russischsprachigen Radio Free Europe-Sender Current Time hohe Wellen: Dodon gab „allen Seiten“ Schuld am Ukraine-Krieg und nannte Sandu eine „ernstlichere Diktatorin als andere, von denen man das denkt, oder als man Russland so nennt“. 2022 legte ein Bericht nahe, dass Dodon rund 300.000 Dollar aus Russland erhalten haben soll – viel Geld im armen Moldau. Dodon dürfte als möglicher Ministerpräsident weiter im Sinne Moskaus handeln. Allerdings bezweifeln westliche Beobachter, dass er Kopf und Kragen – und Moldaus Souveränität – auf Zuruf aufs Spiel setzen würde. Gewalt und Destabilisierung seien für Dodon wohl „rote Linien“. Hett meint: „Igor Dodon ist letztlich wohl auch einfach ‚Pro-Dodon‘“.

Moldaus Opposition ist willkommen in Moskau: Igor Dodon, Irina Vlah (einst Regierungschefin in Gagausien) und Vasile Tarlev beim Treffen mit Putins Vize-Premier Dmitrij Patruschew im Juli.

Irina Vlah (Herz Moldaus): Auch Vlah und ihre Partei gehör(t)en zum „Patriotischen Block“. Vlah war bis 2023 Gouverneurin der autonomen Republik Gagausien – einem Epizentrum russischer Einflussnahme und Stimmenkaufs. Schon 2015 erhielt sie Schützenhilfe Dodons. 2023 verlor sie ihren Posten an eine von Ilan Șor (siehe unten) unterstützte Kandidatin. Kurz vor dem Wahltag hat die Wahlkommission „Herz Moldaus“ ausgeschlossen, die Kandidatinnen und Kandidaten müssen von den Listen des Blocks verschwinden. Anlass ist das Urteil eines Berufungsgerichts, die Tätigkeit der Partei für ein Jahr einzuschränken. Polen und Litauen haben Vlah mit einem Einreiseverbot belegt, unter Verweis auf Unterstützung russischer Einflussnahme.

Ion Ceban (Alternativa): Eine besonders schillernde Figur ist der Anführer der dritten größeren Wahlliste: Ion Ceban ist Bürgermeister der Haupstadt Kischinau – und neuerdings Anführer des Blocks „Alternativa“. Um bei der Hauptstadtbevölkerung mehrheitsfähig zu sein, ist eine gewisse EU-Affinität eigentlich Pflicht. So präsentierte sich Ceban auch lange. Doch mittlerweile wachsen die Fragezeichen. Moldauische Quellen halten ihn mittlerweile für ein „Russian asset“, politisches „Kapital“ Russlands. Ein deutliches Indiz: Ceban führte seine eigentlich als pro-europäisch geltende Partei MAN in ein prorussisches Bündnis. Mit im Block ist etwa Alexandr Stoianoglu, der 2024 (mit Unterstützung Russlands) Sandu erst in der Präsidentschafts-Stichwahl unterlag.

Argwohn erregt auch, dass Ceban am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Groß-Überfalls auf die Ukraine, in Moskau weilte. Ceban erklärt den Trip mit einem „Familienurlaub“. Überzeugend wirkt das auf viele nicht. Gefährlich ist Ceban für Sandu dennoch, eben weil er nicht wie ein eingefleischter Gegner der EU auftritt. Was für Dodon gilt, gilt aber auch für Ceban – für einen völlig ruchlosen Handlanger Putins halten ihn Experten nicht.

Putins Strippenzieher und ein Unkalkulierbarer: Ilan Șor und Renato Usati

Ilan Șor: Sogar politisch weniger interessierten Menschen könnte der Name Ilan Șor schon einmal begegnet sein: Șor ist das Synonym für Stimmenkauf und von den USA sanktioniert. Der moldauisch-israelische Oligarch führte eine Partei gleichen Namens, 2023 wurde sie verboten. Insofern werden Șor und seine Leute nicht auf den Wahlzetteln zu finden sein. Der schwerreiche 38-Jährige hat sich ohnehin ins Ausland abgesetzt, er floh nach 2019 nach Israel. Moldau bemüht sich um seine Auslieferung – 2023 wurde Șor in zweiter Instanz zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nicht wegen politischer Verfehlungen: Der einstige Chef der Moldauischen Sparbank soll 2014 riesige Geldmengen aus dem moldauischen Banksystem auf Konten von Scheinfirmen überwiesen haben. Von umgerechnet 700 Millionen bis zu einer Milliarde US-Dollar ist die Rede.

Trotz all dem: Șor ist und bleibt eine wichtige Figur. Mithilfe von Parteifreunden, Vertrauten und Handlangern hat er in der autonomen Region Gagausien und ganz Moldau ein kaum verhohlenes System von Wähler- und Demonstrantenkauf organisiert. Mittlerweile sind die Behörden auf der Hut. Knapp eine Woche vor der Wahl gab es 74 Festnahmen – wegen mutmaßlicher Vorbereitung von Unruhen. Doch ein Ende ist nicht zu erwarten, teils fließen wohl immer noch als „soziale Hilfe“ firmierende Gelder aus Russland. Experten wie Valeriu Pașa, Gründer des Thinktanks WatchDog.MD und Beobachter russischer Desinformation, sind sich sicher: Șor handelt keinesfalls auf eigene Rechnung, sondern ist vom Kreml beauftragt, Manipulationssysteme zu testen und auszurollen.

Renato Usati: Der Unternehmer führt eine Partei unter seinem eigenen Namen in den Wahlkampf 2025. Die „Usati-Partei“ ist die kleinste der vier Kräfte mit ernsthaften Chancen auf den Parlamentseinzug. Tendenziell gilt auch Usati als EU-kritisch und Russland-freundlich. Vor allem aber als Populist. Mit der politischen Szene in Moldau vertraute Stimmen sagen: Usati könne kaum von Moskau gekauft sein – dafür sei der Self-Made-Man viel zu eigensinnig. Völlig ausgeschlossen ist insofern auch nicht, dass er mit der PAS paktieren würde. Ein naheliegendes Szenario ist das aber nicht. (Quellen: Eigene Recherchen auf Journalistenreise der Konrad-Adenauer-Stiftung, Valeriu Pașa, Hintergrundgespräche/fn)

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