Wahl in Moldau: Russlandfreundliche Partei ausgeschlossen
VonJekaterina Jalunina
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Moldau wählt am Sonntag ein neues Parlament. Dabei entscheidet sich, ob das Land am proeuropäischen Kurs festhält oder sich Russland annähert.
Chisinau – Kurz vor der richtungsweisenden Parlamentswahl in Moldau hat die Wahlkommission das russlandnahe Bündnis Patriotischer Block geschwächt: Die ihm zugehörige Partei Herz Moldaus wurde wegen mutmaßlicher Finanzierungsverstöße von der Abstimmung ausgeschlossen. Der Block muss seine Kandidatenliste nun binnen 24 Stunden anpassen.
In der kleinen Republik Moldau zwischen EU-Mitglied Rumänien und der Ukraine wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Umfragen ließen zuletzt erwarten, dass die Partei der proeuropäischen Präsidentin Maia Sandus Aktion und Solidarität (PAS) bei der Wahl wieder stärkste Kraft werden könnte, aber nicht mehr alleine regieren kann. Dem russlandorientierten Bündnis wurden Chancen auf ein gutes Wahlergebnis eingeräumt.
Wahlkommission in Chisinau schließt Partei „Herz Moldaus“ von Parlamentswahl aus
Die zentrale Wahlkommission in Chisinau berief sich bei der Entscheidung zum Ausschluss der Partei Herz Moldaus auf das Urteil eines Berufungsgerichts, die Tätigkeit der Partei für ein Jahr einzuschränken. Daraus folge ein Teilnahmeverbot an Wahlen, hieß es in der Mitteilung. Auch als Mitglied des Patriotischen Blocks könne Herz Moldaus damit nicht antreten. Alle von der Partei benannten Kandidaten auf der Liste des Wahlblocks müssen demnach ausgeschlossen werden.
Die Wahl gilt als richtungsweisend für die Zukunft der ehemaligen Sowjetrepublik mit rund 2,4 Millionen Einwohnern und könnte darüber entscheiden, ob das Land als Beitrittskandidat weiter den Weg Richtung EU geht oder in den russischen Einflussbereich zurückkehrt. Sandu sieht ihr Land auf einem guten Weg in die EU. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren große Fortschritte gemacht. Ich glaube wirklich, dass die Republik Moldau bis zum Ende des Jahrzehnts EU-Mitglied sein kann“, sagte sie.
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Moldaus Präsidentin wirft Moskau massive Einflussnahme auf Parlamentswahl vor
Moldaus Präsidentin Maia Sandu hat vor der Parlamentswahl in ihrem Land massive russische Einflussnahme beklagt. „Es geht hier um die territoriale Integrität und die Unabhängigkeit unserer Republik. Und was wir sehen, ist ein enormer Druck aus Moskau, sich in die Wahlen einzumischen und die Wahlen zu beeinflussen“, sagte sie in einem am Samstag veröffentlichten Gespräch mit ZDFheute.de. Moskau gebe „Hunderte von Millionen Euro“ dafür aus, „um politische Parteien zu finanzieren, sogar um Wähler zu bestechen oder junge Leute auszubilden, um Destabilisierungsaktivitäten zu organisieren“, fuhr Sandu fort.
Sandu warnt vor Missbrauch Moldaus in Putins Krieg – Opposition setzt auf Russlandkurs
Sandu befürchtet nach eigener Aussage, im Falle einer pro-russischen Regierung laufe ihr Land Gefahr, für den Kampf gegen die Ukraine und „für hybride Angriffe gegen die Europäische Union“ instrumentalisiert zu werden. Die PAS warnt davor, dass die Männer in Moldau als „Kanonenfutter in den blutigen und kriminellen Kriegen“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin missbraucht werden könnten.
Ihr Hauptgegner, der Patriotische Block, wirft der Regierungspartei vor, durch den Bruch mit Moskau die wirtschaftliche Lage verschlechtert und die Gaspreise in die Höhe getrieben zu haben. Die Partei plädiert für eine Entspannung der Beziehungen zu Russland und verspricht höhere Renten. Insgesamt bewerben sich 23 politische Parteien sowie unabhängige Kandidaten um die 101 Sitze.
Wahl in Moldau: Fachleute warnen vor russischer Einflussnahme und Instabilität
Experten zufolge ist der Ausgang der Wahl trotz des Vorsprungs der PAS in den Umfragen völlig offen. „Alles wird sich im letzten Moment entscheiden“, sagt Waleriu Pascha von der Denkfabrik WatchDog.md. Die Anzahl der Parteien, die ins Parlament einziehen, hängt von der Wahlbeteiligung ab. Dabei kommt es insbesondere auf die im Ausland lebenden Moldauer an. Bei der Parlamentswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 52,3 Prozent. Sollte die PAS zwar die meisten Stimmen bekommen, aber auf einen Koalitionspartner angewiesen sein, könnte allein das schon für politische Instabilität sorgen, urteilen Experten. Und jede Instabilität „würde den russischen Interessen sehr gelegen kommen“, sagt Pascha.
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York am Mittwoch eindringlich vor russischer Einflussnahme in Moldau. Die EU-Kommission warf Moskau am Donnerstag eine „beispiellose Desinformationskampagne“ in dem osteuropäischen Land vor.
Zwischen EU-Kurs und Russland-Nähe – Menschen in Moldau gespalten vor Parlamentswahl
Auf den Straßen der Hauptstadt Chisinau tendieren die meisten Passanten zum pro-europäischen Lager. „Ich möchte eine bessere Zukunft, mein Studium im Ausland abschließen und dann in ein Moldau zurückkehren, das ich mag“, sagt die 21-jährige Liwia Melnoc. Elena Popusoi, einer Wählerin in den Fünfzigern, ist hingegen „die Freundschaft mit Russland“ lieber. „Meiner Meinung nach ist die Europäische Union hier zu präsent. So viele Besuche, das scheint mir zu viel Einmischung.“
In den meisten Umfragen führte zuletzt ihre pro-europäische Partei PAS. Sollte das pro-europäische Lager die Wahl am Sonntag verlieren, will Sandu „weiter für die Demokratie kämpfen“, sagte sie dem ZDF. „Weil wir an die Freiheit glauben. Und nicht unter Putins Regime leben wollen.“ (Quellen: dpa, afp) (jal)