Münchner Sicherheitskonferenz

MSC: Vance mahnt Putin zu einer vernünftigen Ukraine-Lösung

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Christoph Heusgen, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. (Archivbild)
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Auf der Münchner Sicherheitskonferenz kollidieren gegensätzliche Ansichten – mit der Option, sich zu annähern. Ein illusorischer Optimismus in dieser Zeit?

München – Auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) zwischen dem 14. und 16. Februar ist eine Überraschung möglich: US-Präsident Donald Trump hatte ein Treffen mit Spitzenvertretern Russlands angekündigt, um über ein Ende des Ukraine-Krieges zu verhandeln. Russland lässt das aber offen: „Bisher haben wir dazu nichts zu sagen“, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Sicher ist allerdings, dass Russland nicht offiziell an der MSC teilnimmt, es sind keine Vertreter des Landes eingeladen, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) meldet. Und J.D. Vance trumpft ganz groß auf.

MSC-Chef Christoph Heusgen verneint den offiziellen Besuch russischer Regierungsvertreter: „Wir wissen davon auch nicht. Wir haben eine Reihe von Russen, aber das sind Oppositionspolitiker“, sagt er und betont, dass das aber lediglich für den offiziellen Teil der Sicherheitskonferenz gelte. Informelle Gespräche blieben darüberhinaus möglich.

Zuletzt hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow im Jahr 2020 an der Konferenz teilgenommen, weshalb merkwürdig anmutet, dass Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte, Moskau werde seit mehreren Jahren schon nicht zur MSC eingeladen; weshalb sie versicherte, auch in diesem Jahr würden keine offiziellen Vertreter in München erscheinen. „Außenminister Sergej Lawrow aus Russland kommt praktisch immer, Donald Trump hingegen nie“, hatte die Süddeutsche Zeitung (SZ) 2020 geschrieben.

Putins Chance: „Die Sicherheitskonferenz gilt als Ort des Austausches auch erbitterter Gegner“

Der US-Präsident fehlt zwar auch in diesem Jahr, aber sein Vizepräsident J.D. Vance macht die US-amerikanischen Positionen klar. In Ergänzung zu ihm wird Trumps Ukraine-Beauftrager Keith Kellogg mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj konferieren. „Die Sicherheitskonferenz gilt als Ort des Austausches auch erbitterter Gegner“, hatte Kristina Dunz zur Siko im vergangenen Jahr für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) geschrieben.

Gegner finden sich auch diesem Jahr weiterhin reichlich, der Austausch scheint einen geringeren Wert zu haben – obwohl Donald Trumps Art zu regieren als „dealmaking“ beschrieben wird, macht das Fehlen des Präsidenten eine tatsächliche, manifeste Vereinbarung eher unwahrscheinlich. Was Dunz auch für das Jahr 2022 festgehalten hatte – als Russlands Außenminister Lawrow der Konferenz fernblieb: „Moskau wollte nicht mehr reden.“

Polit-Promi-Alarm in München: Bilder der Siko-Gäste am Flughafen von damals und heute

Regierungsflieger aus Bulgarien und den USA am Flughafen München
Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 landeten bereits Regierungsflieger aus Bulgarien und den USA auf dem Flughafen im Erdinger Moos. © IMAGO / CHROMORANGE
US-Air Force am Flughafen München
Die US Air Force landete gleich mit mehreren Maschinen am Flughafen München. © IMAGO / CHROMORANGE
Flugzeuge aus Polen und Serbien am Flughafen München
Auch aus Polen und Serbien kamen bereits Teilnehmer der 61. Sicherheitskonferenz am Flughafen München an. © IMAGO/Chromorange
J.D. Vance und Familie steigen aus Flugzeug
Der neue US-Vizepräsident J.D. Vance landete am Donnerstagnachmittag am Flughafen München mit seiner Familie, um an der Sicherheitskonferenz teilzunehmen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Markus Söder, J.D. Vance und Familie
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) empfing Vance nach seiner Ankunft am Flughafen bei Münchner Nieselregen.  © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Söder empfängt Kamala Harris zur Sicherheitskonferenz
Anlässlich der Sicherheitskonferenz 2024 begrüßte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die damalige US-Vizepräsidentin Kamala Harris mit einem Lebkuchenherz.  © Peter Kneffel/dpa
Söder empfängt Kamala Harris zur Sicherheitskonferenz
Die ehemalige US-Vizepräsidentin nahm sich am Flughafen nach der Landung noch die Zeit für einen kleinen Plausch mit Markus Söder und anderen Mitgliedern des Empfangskomitees.  © Peter Kneffel/dpa
Kamala Harris und Söder vor der Abfahrt zur Sicherheitskonferenz
Nach ihrer Ankunft am Flughafen winkte Harris vor der Abfahrt zur Sicherheitskonferenz noch in die Kameras.  © Peter Kneffel/dpa
Boris Johnson
Da geht‘s lang: 2022 schlug auch Boris Johnson, seinerzeit Premierminister von Großbritannien, am Flughafen München auf. Damals in Zeiten der Corona-Pandemie noch mit Schutzmaske. © Matt Dunham/dpa
Bundesaußenminister Heiko Maas SPD erreicht den Flughafen von München im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz
Der heutige Präsident des Verbands der Saarhütten, Heiko Maas, landete 2019 als deutscher Außenminister am Flughafen München und nahm an der 55. Sicherheitskonferenz teil. © Florian Gaertner/photothek.net/Imago
Münchner Sicherheitskonferenz - Ankunft James Mattis
Im Jahr 2017 reiste der damalige US-Verteidigungsminister James Mattis (l) zur Sicherheitskonferenz nach München. © Sven Hoppe/dpa
Mike Pence am Flughafen München
Im selben Jahr nahm auch Donald Trumps damaliger Vizepräsident Mike Pence für die USA an der Münchner Sicherheitskonferenz teil. © Tobias Hase/dpa
John Kerry am Flughafen München
2015 landete John Kerry – seiner Zeit US-Außenminister unter Ex-Präsident Barack Obama – für die Sicherheitskonferenz am Flughafen München. © Sven Hoppe/dpa
Frank-Walter Steinmeier SPD Bundesaußenminister und Vizekanzler auf dem Weg zur Sicherheitskonferenz
Frank-Walter Steinmeier (SPD) landete 2009 in München, um an der Sicherheitskonferenz als deutscher Außenminister teilzunehmen. 2025 hält er als Bundespräsident die Eröffnungsrede. © Thomas Trutschel/photothek.net(Imago
Wladimir Putin
Russlands Präsident Putin schlug 2007 am Flughafen im Erdinger Moos für die Sicherheitskonferenz auf.  © IMAGO / UPI Photo
Iwanow in München
2003 schickte der Kreml den damaligen Verteidigungsminister Sergej Iwanow (M) für die Sicherheitskonferenz nach München. Nach seiner Landung stellte er sich den Fragen der anwesenden Journalisten.  © Peter Kneffel/dpa

Vance‘ Angebot: „Alles liegt auf dem Tisch, lasst uns einen Deal machen“

Ob J.D. Vance zum Reden nach München gereist ist, bleibt abzuwarten. Die Welt wartet vielleicht so etwas wie ein Diktat des – aus US-amerikanischer Sicht – Möglichen zur globalen Sicherheitslage. Insofern ist an Verhandeln eher nicht zu denken. Möglicherweise soll der ukrainische Präsident seine Direktiven in Empfang nehmen oder den Fahrplan dessen, auf was er sich einzustellen hast.

Wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet, soll Vance den Kreml gewarnt haben, sich einer Lösung zu widersetzen: „Die USA würden Moskau mit Sanktionen und möglicherweise militärischen Maßnahmen belegen, wenn der russische Präsident Wladimir Putin keinem Friedensabkommen mit der Ukraine zustimme, das Kiew eine langfristige Unabhängigkeit garantiert“, schreibt das Blatt. Vance deutet auf „wirtschaftliche Druckmittel“ hin.

Allerdings schlägt der US-Vizepräsident generell einen schärferen Ton an, als das zuvor der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth getan hatte: Vance sagte, die Option, US-Truppen in die Ukraine zu schicken, falls Moskau nicht bereit sei, in gutem Glauben zu verhandeln, bleibe „auf dem Tisch“, wie ihn das WSJ zitiert; damit rücken die USA wieder etwas an die Seite der Ukraine heran: „,Der Präsident wird nicht mit Scheuklappen an die Sache herangehen‘, sagte Vance. ,Er wird sagen: ‚Alles liegt auf dem Tisch, lasst uns einen Deal machen.‘“

 

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