Nach Wahl in Brandenburg: SPD triumphiert, aber Regierungsbildung wird schwierig
VonMichael Kister
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In Bezug auf die Bildung einer Regierung in Brandenburg ist die SPD am Zug. Die Sozialdemokraten planen Gespräche mit BSW und CDU, aber es gibt Widerstand.
Potsdam – Die SPD ist bei der Landtagswahl in Brandenburg mit 30,9 Prozent stärkste Kraft geworden. Das Ergebnis betraut sie mit der Aufgabe, die Regierungsbildung anzustoßen und Sondierungsgespräche zu führen. Viele Möglichkeiten hat sie nicht: Eine Zusammenarbeit mit der AfD, deren 29,2 Prozent sie auf Platz zwei brachten, schlossen die Sozialdemokraten im Vorfeld bereits aus. Dann bleiben nur noch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 13,5 Prozent und die CDU mit 12,1 Prozent. Die Grünen, bisher Teil der regierenden Kenia-Koalition, verpassten wie Die Linke und Freie Wähler den Einzug in den Landtag.
Welche Koalitionen nach der Brandenburg-Wahl aber wirklich möglich sind, hängt von den möglichen Partnern in spe ab. Der Brandenburger SPD-Generalsekretär David Kolesnyk sagte am Montag, dem Landesvorstand werde am Abend vorgeschlagen, in Sondierungsgespräche mit dem BSW und der CDU einzutreten. Das bestätigte auch Ministerpräsident Dietmar Woidke in Berlin: „Mein Ziel ist es, eine stabile Regierung zu bilden.“ Laut Kolesnyk sollten die Gespräche noch in der laufenden Woche beginnen. Schenkt man Kolesnyks Gegenüber von den Christdemokraten Glauben, erscheint das allerdings zweifelhaft.
Koalitionen nach Brandenburg-Wahl: CDU will keine Regierungsbeteiligung
„Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was wir in diesen Gesprächen besprechen sollen“, sagte CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann am Montag in Potsdam. „Für uns gibt es keinen Regierungsauftrag. Es gibt nämlich keine Mehrheit für SPD und CDU.“ Am Wahlabend sah es noch danach aus, als würde das Ergebnis der Brandenburg-Wahl einer Großen Koalition aus Sozial- und Christdemokraten eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz bescheren. Diese Hoffnungen lösten sich jedoch am nächsten Tag auf: SPD und CDU könnten nur eine Minderheitsregierung bilden, hinter der lediglich 44 von 88 Landtagsabgeordneten stünden.
Deshalb sei für die CDU klar, dass Sondierungsgespräche zwischen der SPD und dem BSW geführt werden müssten, so Hoffmann, obwohl sich seine Partei Gesprächen nicht verweigere. CDU-Spitzenkandidat Jan Redmann fügte bei einer Pressekonferenz am Montag hinzu, dass eine Regierungsbeteiligung erst einmal nicht in Frage komme und man sich „auf alle Szenarien“ vorbereite, „auch auf die Oppositionsrolle.“ Laut Generalsekretär Hoffmann liege die Verantwortung für einen Politikwechsel bei der SPD.
Ergebnis der Brandenburg-Wahl lässt nur stabile SPD-BSW-Koalition zu
Bei der SPD und wohl beim BSW, denn eine stabile Regierung gibt es dem Wahlergebnis zufolge nur mit dem BSW. Gemeinsam kämen sie auf 46 Sitze im Landtag, sogar einer mehr als nötig, um eine absolute Mehrheit zu haben. Gestern Abend antwortete BSW-Spitzenkandidat Robert Crumbach im ZDF auf die Frage, ob seine Partei sich nun Dietmar Woidke anbiete, um mit Regierungsverantwortung zu übernehmen, noch klar: „Nein.“ Man wolle erst einmal das Endergebnis abwarten.
Heute früh klang er im Deutschlandfunk (DLF) schon etwas aufgeschlossener: „Ob die SPD überhaupt mit uns spricht“, so Crumbach, „das werden wir sehen. Das warten wir ab.“ In diese Richtung äußerte sich der Brandenburger Spitzenkandidat dann auch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der BSW-Co-Bundesvorsitzenden Amira Mohamed Ali am Mittag. Das Wahlergebnis berge einige „Tücken“ und über die wolle der Landesverband am Mittwoch beraten. Schließlich sei auch eine Minderheitsregierung im Bereich des Möglichen.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen
Das BSW sieht im Ergebnis der Brandenburg-Wahl „Tücken“
Die „Tücken“, die das Ergebnis für mögliche Koalitionen nach der Brandenburg-Wahl mit sich bringt, dürften vor allem in den inhaltlichen Differenzen zwischen SPD und BSW liegen. Und die rühren wiederum zu großen Teilen von der Fixierung des BSW auf Bundes- und Außenpolitik her.
Crumbach stellte am Montagmorgen im DLF klar, mit dem BSW dürfe es kein „weiter so“ mehr geben: „Es muss eine Aussage einer Landesregierung zu dem Russland-Ukraine-Konflikt geben“ und „man muss sich sehr deutlich gegen die Stationierung von US-Atomraketen in Deutschland aussprechen.“ Geplant ist jedoch nur eine Stationierung von US-Mittelstreckenraketen. Kein Standort, der in Frage kommt, liegt in Ostdeutschland.
SPD-BSW-Koaliton nach der Brandenburg-Wahl könnte an „Friedenspolitik“ scheitern
Co-Bundesvorsitzende Mohamed Ali nannte diese Positionen heute Mittag „Friedenspolitik“. Dennoch fügten sie und Crumbach der BSW-Agenda für die zukünftige Legislaturperiode in Brandenburg auch Landesthemen hinzu: bessere Gesundheitsversorgung, Bildung und innere Sicherheit. Außerdem müssten die Kommunalfinanzen „komplett neu aufgestellt werden“, so Crumbach im DLF. Gerade die Bildungspolitik könnte einen Anknüpfungspunkt mit der SPD darstellen.
Brandenburg wechselt sich im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stets mit Bremen darin ab, wer den letzten Platz im Ranking belegt – 2024 schaffte es das Ost-Land auf Rang 15. Experten, die vor der Brandenburg-Wahl von der Süddeutschen Zeitung befragt wurden, sahen auf diesem Feld die größten Gemeinsamkeiten zwischen SPD und BSW. Beide Parteien halten etwa staatlich finanzierte Kinderbetreuung und Gemeinschaftsschulen für sinnvoll. Auf diesem Gebiet etwas zu erreichen, ist außerdem realistisch, da die Länder in der Bildungspolitik weitreichende Kompetenzen besitzen. In der Außen- und Sicherheitspolitik trifft das nicht zu. (mit dpa)