Putins Botschafter in den USA warnt vor Drittem Weltkrieg: „Ukraine will den lokalen Konflikt aufblähen“
VonLukas Rogalla
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Die Spannungen um das Atomkraftwerk Saporischschja nehmen zu. Ein russischer Botschafter behauptet, die Ukraine wolle den Westen mit in den Krieg hineinziehen.
Washington, D.C. – Die Provokationen werden schärfer: Moskau und Kiew werfen sich gegenseitig Anschlagspläne auf das Atomkraftwerk Saporischschja vor. Laut Wolodymyr Selenskyj soll das russische Militär, das aktuell die Kontrolle über das AKW innehat, möglicherweise einen Anschlag simulieren und die Ukraine beschuldigen, sagte der ukrainische Präsident unter Berufung auf den Geheimdienst.
Russland hingegen behauptet, die ukrainischen Streitkräfte planten selbst einen Angriff auf das Kernkraftwerk, das unweit der Front im Ukraine-Krieg liegt. Nun behauptet Moskau, dass die Ukraine mit einem vermeintlichen Anschlag Russlands den Dritten Weltkrieg entfachen wolle.
Russischer Botschafter warnt den Westen: Kiew wolle „lokalen Konflikt aufblähen“
„Wir rufen die Kuratoren des Kiewer Regimes auf, Verantwortung auszuüben und Einfluss auf ihre Mündel zu nehmen, um eine Katastrophe großen Ausmaßes zu verhindern“, sagte Anatoli Antonow, russischer Botschafter in den USA, dem Nachrichtenportal Newsweek und bezog sich auf die jüngsten Aussagen Selenskyjs. „Die westlichen Führungseliten sollten verstehen, dass die Rückschläge auf dem Schlachtfeld dafür sorgen, dass Kiew einen Vorwand schafft, das Nato-Kontingent in der Ukraine einzusetzen und somit einen lokalen Konflikt zum Dritten Weltkrieg aufzublähen.“
„Amerikanische und europäische Bürger sind wohl kaum bereit, in geordneten Reihen in die Hölle zu marschieren, in die die Selenskyj-Regierung den gesamten Planeten zieht“, fügte er hinzu.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Die Gegenoffensive der Ukraine, die sich in Form von schweren Gefechten auch in der Region Saporischschja abspielt, kommt nur langsam voran. Moskau spricht von Rückschlägen für Kiew. Die ukrainischen Streitkräfte setzen Experten zufolge jedoch gezielt auf kleine Vorstöße und Gewinne – auch um Ressourcen zu schonen und nicht in russische Fallen zu laufen.
Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig vor, einen Anschlag auf das Atomkraftwerk Saporischschja zu planen, das aktuell unter russischer Kontrolle steht. Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte am Dienstag, dass man Objekte auf dem Dach des AKW in der Stadt Enerhodar gesehen habe, die Sprengsätzen ähneln. Vertreter der Atombehörde IAEA hätten nach eigenen Angaben nichts finden können, das auf einen geplanten Anschlag hinweist. Sie haben jedoch Zugang zu weiteren Räumlichkeiten des Kernkraftwerks angefordert.
Atomkraftwerk Saporischschja: Droht bei einem Anschlag der Dritte Weltkrieg?
Doch wieso sollte ein Anschlag auf das Atomkraftwerk überhaupt für einen Weltkrieg sorgen können? Tritt Strahlung aus, werde das direkte Auswirkungen auf die angrenzen Nato-Staaten haben und käme einem Angriff gleich. Die Mitgliedstaaten wären nun, gemäß Artikel 5 der Nato-Charta, ebenfalls im Krieg. So zumindest die Theorie. Eine entsprechende Resolution hatten in den USA kürzlich der Republikaner Lindsey Graham und der Demokrat Richard Blumenthal in die Wege geleitet.
Nato-Chef Jens Stoltenberg gibt sich in diesem Aspekt zurückhaltend. In Artikel 5 der Nato-Charta sei klar von einem „bewaffneten Angriff“ die Rede, der dem Bündnisfall vorausgehen müsste. Hinzu kommt, „dass es in der gegenwärtigen Situation kein Nato-Mitgliedsland gibt, das als Kriegspartei eintreten will“, sagte der Verteidigungsexperte Stefan Scheller dem Portal web.de. Seiner Ansicht nach habe Russland auch kein Interesse daran, Strahlung freizusetzen. Ziel der Besetzung des Atomkraftwerks sei es, sie Stromversorgung in der Ukraine lahmzulegen.
Selenskyj warnt vor russischen Plänen am AKW Saporischschja
Laut Selenskyj seien die russischen Streitkräfte vorbereitet, den Anschlag jederzeit durchzuführen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte Newsweek: „Mit seiner militärischen Einnahme des ukrainischen Atomkraftwerks, dem größten in Europa, spielt Russland spielt ein sehr gefährliches Spiel. Strahlung kennt keine Grenzen. Ein Vorfall könnte Auswirkungen auch außerhalb der unmittelbaren Umgebung von Saporischschja haben.“
„Russlands Führung sollte lang und scharf darüber nachdenken, ob sie eine nukleare Katastrophe riskieren möchte. Wenn das passiert, wird die internationale Gemeinschaft Russland nämlich zur Rechenschaft ziehen“, sagte die Person. Man fordere Russland weiter auf, die Kontrolle über das Atomkraftwerk zurück an die ukrainischen Behörden zu geben.