Neues Bedrohungsszenario

Nato-Stadt vor russischem Angriff? Diplomatische Lösung ist „Unsinn“

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Sterben für Narwa? Politikwissenschaftler Carlo Masala glaubt, dass Wladimir Putin nach einem erfolgreichen Ukraine-Krieg die Nato mit einem Sturmangriff seiner Armee auf die estnische Grenzstadt zu provozieren versuche (Symbolfoto).
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Sterben für Narwa? Analysten überlegen, wann und wo Putin die Nato provozieren wird. Die estnische Grenzstadt ist geeignet und schwer zu verteidigen.

Narwa – „Hier endet die Freundschaft“, schreibt Rieke Havertz. Ihre Reportage für Zeit Online spielt in der estnischen Grenzstadt Narwa. Da, wo der rote Brückenpfeiler steht, trifft europäisches Miteinander auf russisches Gegeneinander: In der Mitte des Flusses Narwa verläuft die Grenze zwischen der Europäischen Union und der Russischen Föderation. Der in München lehrende Politikwissenschaftler Carlo Masala hat jetzt in einem Buch durchgespielt, was wäre, wenn Wladimir Putins Invasionsarmee dort zum Angriff auf die Nato ansetzte. Die Reaktionen scheinen einhellig zu sein.

„Ich bin wie Carlo überzeugt: Wladimir Putin denkt in Opportunitäten und wird uns vorher testen. Deshalb sollten wir so handeln, als könnte dies unser letzter Sommer in Frieden sein“, sagt gegenüber Focus Online beispielsweise Sönke Neitzel, Deutschlands bekanntester Militärhistoriker von der Uni Potsdam, ohne explizit das „Narwa-Szenario“ als Option zu bekräftigen. Das könnte geografisch eine Möglichkeit sein, die Nato zu provozieren.

Putin nächster Schritt? Narwa spielt in etwa die Rolle wie zu Zeiten des Kalten Krieges die „Fulda-Gap“

Narwa spielt insofern in etwa die Rolle wie zu Zeiten des Kalten Krieges die „Fulda-Gap“: Die Fuldaer Senke des Osthessischen Berglandes, von den Amerikanern als „Fulda-Gap“ bezeichnet, hätte in einem konventionellen Angriffskrieg Russland ideale geografische Möglichkeiten geboten für einen schnellen Vorstoß mit Panzern Richtung Frankfurt am Main. Wie das Hessische Institut für Landesgeschichte darlegt, hätten die Russen Westdeutschland dort an seiner schmalsten Stelle trennen können, die Logistik der US-amerikanischen Truppen empfindlich stören, einen Keil in die Verteidigung zwischen Nord- und Süddeutschland treiben und die von Bremerhaven aus südwärts verlaufenden amerikanischen Nachschubwege lahmlegen können.

„Sollte die Ukraine durch unzureichende Unterstützung oder innere Erschöpfung an den Verhandlungstisch getrieben werden und gezwungenermaßen einem Annexionsfrieden zustimmen, der die russischen Gebietsgewinne festschreibt, würde sich der Aggressor den nächsten Nachbarn zuwenden. Das muss einem bewusst sein.“

Wolfgang Templin, Bundeszentrale für politische Bildung

„Hier erschien das militärische Kräftemessen an der innerdeutschen Grenze besonders bedrohlich. Die Nato plante, den Angriff der Truppen des Warschauer Pakts in Osthessen mit einem atomaren Erstschlag zu beantworten“, schreibt Historiker Kai Umbach. Bis in die 1960er-Jahre hinein hätte das mit Sicherheit unter der Nato-Doktrin der „massive retaliation“ (massive atomare Vergeltung) einen Atomkrieg zur Folge gehabt, später war die Nato zur „flexible response“ (flexible Reaktion) umgeschwenkt und die Antwort auf einen Panzerkeil in der Fulda-Gap wäre möglicherweise eine andere gewesen.

Aktuell sind etwas mehr als 2000 Nato-Kräfte in Estland stationiert, den Großteil bilden britische Truppen – die wollen ihr Engagement Mitte 2025 sogar noch ausbauen, wie die britische Regierung Ende 2024 mit Estland vereinbart hat. Damit verpflichtet sich das Vereinigte Königreich im Krisenfall das 4th Light Brigade Combat Team, bekannt als die „Black Rats“ unverzüglich nach Estland zu verlegen – innerhalb von zehn Tagen soll das Kontingent der üblichen Größe einer solchen Einheit von 3000 bis 5000 Kräften an der Front stehen.

Nato in Not: Zweifelhaft, dass sie Russland strafen könnte, bevor sie vor vollendete Tatsachen gestellt wird

Das bisherige Vorauskommando im Rahmen der Nato Enhanced Forward Presence (Verstärkte Vorauspräsenz) soll dauerhaft in Estland stationiert werden, dazu noch die künftigen modernen Challenger-3-Kampf- und Boxer-Infanterie-Panzer. Im Falle eines Angriffs bilden diese Kräfte den Stolperdraht für anrückende russische Verbände. Ziel ist die Abschreckung durch Strafe, die auf dem Fuße folgt, anders als bisher in der Ukraine gehandhabt – das verspreche eine wirksame Reaktion auf ein umfangreicher feindselig auftretendes Russland, wie Anfang 2022 der US-Oberst Thomas H. Melton in seiner Dissertation am US Army War College geschrieben hat.

Nordatlantikvertrag, Artikel 5

Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffes jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechtes der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, […]“

Quelle: Bundesministerium der Verteidigung

Allerdings scheinen ihm die Nato-Verbände trotz besten Willens und ambitionierter Anstrengung außerstande zu sein, Russland so zu bestrafen, dass das Putin-Regime das spürt. Die deutsche Brigade in Litauen beispielsweise soll erst 2027 einsatzfähig sein – bis dahin ist noch zu klären, wie die dort stationierten Truppen überhaupt ihr Leben einigermaßen alltagsgerecht organisieren können; entweder durch Möglichkeiten des Familiennachzuges oder der ständigen Rotation der Kräfte.

„Angesichts der Herausforderungen der militärischen Mobilität, wie umkämpftem und beengtem Gelände, unzureichender Infrastruktur für doppelten Verwendungszweck und langen Verlegungszeiträumen nach und innerhalb Europas, ist jedoch zu bezweifeln, dass die Nato Russland mit konventionellen Streitkräften bestrafen könnte, bevor sie vor vollendete Tatsachen gestellt wird“, schreibt Melton.

Reaktion auf Putin: Stärke zeigen wird mittlerweile sogar in Teilen pazifistischer Bevölkerungsgruppen geteilt

Die darin versteckte Antwort lautet: Frühzeitig unbedingte Stärke zeigen. Sie wird mittlerweile sogar in Teilen pazifistischer Bevölkerungsgruppen geteilt, beispielsweise unter den Grünen, die sogar verstohlen für eine Wehrpflicht für Frauen eintreten. 45 Jahre nach Gründung der Grünen in Karlsruhe hat die Partei damit eine Kehrtwende zumindest angedeutet. Angefangen vom Bundesprogramm 1980 und dem in Offenbach 1981 verabschiedeten Friedensmanifest habe das grüne Konzept einer deutschen Friedenspolitik noch beinhaltet, auf weitere Rüstung bedingungslos zu verzichten, aus der Nato auszutreten und die Bundeswehr aufzulösen, wie der Hamburger Politikwissenschaftler Joachim Raschke festgehalten hat.

Auch Wolfgang Templin hat sich in einem Essay für die Bundeszentrale für politische Bildung wundgerieben an der Frage, ob „Sterben für Narwa?“ eine Option sein. Nach dem Beistandspakt nach Artikel 5 des Nato-Vertrages müssten die Nato-Länder einen Angriff auf einen Partner mit vereinter Kraft beantworten; was den Dritten Weltkrieg bedeutete.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

Russlands Geschichtsverständnis: Zar Peter I. habe Regionen mit slawischer Bevölkerung „zurückbekommen“

„Sollte die Ukraine durch unzureichende Unterstützung oder innere Erschöpfung an den Verhandlungstisch getrieben werden und gezwungenermaßen einem Annexionsfrieden zustimmen, der die russischen Gebietsgewinne festschreibt, würde sich der Aggressor den nächsten Nachbarn zuwenden. Das muss einem bewusst sein“, schreibt der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Pazifist Templin, unter, wie er sich ausdrückt, innerlichen Qualen, wenn er „nun für militärische Wachsamkeit und Unterstützung zu plädieren“ müsse.

Diesen Zwang leitet Templin genau so aus der Geschichte ab wie Wladimir Putin auf der anderen Seite. Wie der russische Diktator Mitte 2022 mit Bezug auf Zar Peter I. während des Großen Nordischen Krieges geäußert hatte, habe der keine Gebiete erobert, sondern Regionen mit slawischer Bevölkerung wieder „zurückbekommen“ – das würde auch für Narwa gelten. Wie die russische Nachrichtenagentur Tass meldete, habe das zu diplomatischer Verstimmung zwischen Estland und Russland geführt.

Templin erinnert daran, dass Hitler-Deutschland auch Militär eingesetzt hat, um den Anschluss der Freien Stadt Danzig an das Deutsche Reich zu erzwingen und durch Polen einen Zugang zu Ostpreußen zu ermöglichen. „Eine Stadt wie Narwa könnte nunmehr zum Danzig unseres Jahrhunderts werden“, räsoniert Templin. Der Philosoph fürchtet sich vor der offensiv vertretenen Argumentation Putins, die Schützbedürfnisse der russischen Minderheit in Estland vertreten zu müssen: Von den rund 56.000 Einwohnern sprächen 96 Prozent Russisch, ein Drittel besäße einen russischen Pass, erinnert das Magazin Politico.

Neue Offensive möglich: „Putin geht erst dann an den Verhandlungstisch, wenn Kämpfen nicht mehr lohnt“

„Sowohl von rechts als auch links ist heutzutage häufig zu hören, dass militärische Konflikte sich nur diplomatisch lösen lassen. Haben diese Stimmen recht?“, fragte jüngst Frank Thadeusz. Den Autor des Nachrichtenmagazins Spiegel interessiert die Verhandlungsbereitschaft des russischen Potentaten. Daran zu glauben sei „Unsinn“ antwortete Neitzel und erinnerte an beinahe jeden großen Konflikt der vergangenen Jahrzehnte. Ihm zufolge wurden Verhandlungen erst dann geführt, wenn die militärische Lage ausgefochten gewesen sei.

Sollte der Ukraine-Krieg also einfrieren und die eroberten Gebiete, wie von Putin gefordert, an Russland fallen, hätte er den Beweis nach außen wie nach innen, dass seine außenpolitische Strategie aufgegangen wäre. Ein Beitritt zur Nato, wie ihn sich die Ukraine ausbedingen wollte, wäre insofern inakzeptabel für ihn, weil er den Status von vor dem Ukraine-Krieg faktisch wieder herstellte, nur geografisch weiter in die Ukraine hinein. Die Nato-Grenze zur Russischen Föderation wäre dann nach Finnland nochmals erweitert. Russland hätte faktisch trotz des Krieges nichts gewonnen.

Auch Sabine Adler warnte in der Talkshow von Caren Miosga vor einer „echten Kriegsgefahr“ für die Europäische Union sowie die Nato – nach Einschätzung des Deutschlandfunks sei Adler eine der renommiertesten journalistischen Kenner Osteuropas. Wie sie gegenüber der Zeit geäußert hat, sei Putins Herrschaft komplett um den Krieg herum organisiert, weshalb Appelle an Friedensverhandlungen oder Waffenruhe zwangsläufig fruchtlos blieben. „Putin geht erst dann an den Verhandlungstisch, wenn Kämpfen nicht mehr lohnt. Davon ist er weit entfernt.“

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