Auch Bundeswehr betroffen

„Es geht nicht um Rekrutierung“: Wie sich Nato-Armeen gegen den Verlust Tausender Soldaten stemmen

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Weil der Dienst in der Armee als unattraktiv gilt, verliert die Nato jährlich Tausende Soldaten. Dabei müsste das Bündnis gestärkt werden.

Berlin – Während die Bedrohung durch Russland weiter wächst, haben viele Länder Europas Probleme, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen. Sie stehen vor zwei Problemen: Neben Schwierigkeiten, neue Soldaten zu rekrutieren, haben sie mit Schwund zu kämpfen. Das ist auch bei der Bundeswehr so. Unterm Strich verliert die Nato jährlich Tausende Streitkräfte.

Bundeswehr-Soldaten nehmen an einer Nato-Übung teil.

Wie aus dem Jahresbericht der Wehrbeauftragten Eva Högl hervorgeht, verließen 2023 1537 Soldatinnen und Soldaten die Bundeswehr. Im Vereinigten Königreich besteht laut der US-Tageszeitung Politico jährlich ein Defizit von mehr als 1000. Auch in Frankreich mache sich ein Rückgang bemerkbar. Dort verweilen Soldaten inzwischen durchschnittlich ein Jahr weniger bei der Armee.

Viele Nato-Mitglieder gehen gegen Personalmangel bei Armeen vor – auch die Bundeswehr

Regierungen der Nato-Mitglieder versuchen angesichts des Ukraine-Kriegs und der wiederkehrenden Drohungen Russlands gegen den Westen, die Probleme in den Begriff zu bekommen. Frankreich etwa will die Bindung von Militärangehörigen zur Armee stärken, indem es den Beruf durch verschiedene Maßnahmen attraktiver macht. „Es geht nicht um Rekrutierung, sondern um Bindung. Wir müssen auch Familien behalten“, hatte US-Marine-Admiral Lisa Franchetti, Anfang des Jahres auf einer Konferenz in Paris gesagt. 

Einen ähnlichen Weg verfolgt Deutschland, das eingestehen musste, die versprochenen Nato-Zusagen nicht erfüllen zu können. Neben Personalproblemen beschäftigen die Bundeswehr massive Mängel bei Ausrüstung und Infrastruktur. Ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz soll die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber steigern. Verteidigungsminister Boris Pistorius will zudem Kasernen modernisieren und durch ein Wehrdienstmodell nach schwedischem Vorbild neues Personal gewinnen.

Polen rüstet Armee wegen Ukraine-Krieg massiv auf

Polen, das an die russische Exklave Kaliningrad grenzt, rüstete seine Armee als Reaktion auf den Ukraine-Krieg massiv auf. 2015 gab es noch 95.000 Soldaten, inzwischen sind es 215.000, mittelfristig sollen es 300.000 werden. Um Menschen in der Armee zu halten, kündigte die polnische Regierung zu Jahresbeginn an, das Gehalt um ein Fünftel zu erhöhen.

Die Fregatten der Bundeswehr – Kriegsschiffe im aktiven Einsatz

Baden-Württemberg-Klasse: Fregatten „Baden-Württemberg“ (Foto), „Nordrhein-Westfalen“, Sachsen-Anhalt“ und „Rheinland-Pfalz“
Baden-Württemberg-Klasse: Fregatten „Baden-Württemberg“ (Foto), „Nordrhein-Westfalen“, Sachsen-Anhalt“ und „Rheinland-Pfalz“ © IMAGO/Oliver Wunder
Fregatten der Sachsen-Klasse: „Sachsen“, „Hamburg“ und „Hessen“ (Foto).
Fregatten der Sachsen-Klasse: „Sachsen“, „Hamburg“ und „Hessen“ (Foto). © IMAGO / Pond5 Images
Fregatten der „Brandenburg“-Klasse: „Brandenburg“, „Schleswig-Holstein“, „Bayern“ (Foto) und die „Mecklenburg-Vorpommern“
Fregatten der „Brandenburg“-Klasse: „Brandenburg“, „Schleswig-Holstein“, „Bayern“ (Foto) und die „Mecklenburg-Vorpommern“ © IMAGO/Mc3 Andrew Langholf/U.S. Navy
Die „Köln“-Klasse besteht aus den Fregatten „Köln“, „Emden“, „Augsburg“ (Foto), „Karlsruhe“, „Lübeck“ und „Braunschweig“.
Die „Köln“-Klasse bestand aus den Fregatten „Köln“, „Emden“, „Augsburg“ (Foto), „Karlsruhe“, „Lübeck“ und „Braunschweig“. Keines von ihnen ist mehr aktiv. © IMAGO/Norbert Fellechner
Die Fregatten der „Bremen“-Klasse: Die „Bremen“, „Niedersachsen“, „Rheinland-Pfalz“ (Foto), „Emden“, „Köln“, „Karlsruhe“, „Augsburg“ und die „Lübeck“
Die Fregatten der „Bremen“-Klasse, die „Bremen“, „Niedersachsen“, „Rheinland-Pfalz“ (Foto), „Emden“, „Köln“, „Karlsruhe“, „Augsburg“ und die „Lübeck“ sind mittlerweile alle außer Dienst gestellt. © IMAGO/Sven Eckelkamp

Darüber hinaus plant auch Kroatien die 2008 abgeschaffte Wehrpflicht wiedereinzuführen. Einen historischen Schritt ging Dänemark, das ankündigte, ab 2026 auch Frauen zum Wehrdienst einzuberufen. „Diese Gespräche gibt es mittlerweile in allen Hauptstädten, in allen Demokratien, die Berufsarmeen ohne Wehrpflicht haben“, sagte Frankreichs Verteidigungsminister Sébastien Lecornu gegenüber Politico. (mt)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Funke Foto Services / Maurizio Gamberini

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