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Die Hamas inszeniert die Freilassung von Geiseln mit Fahnen und Musik. Mit einer Entscheidung sorgen die Terroristen für eine Schockwelle in Israel.
Gaza – Ein Video der Terrororganisation Hamas weckt in Israel entsetzliche Emotionen: Die Filmaufnahmen zeigen, wie zwei israelische Geiseln von Hamas-Kämpfern gezwungen werden, die erfolgreiche Freilassung drei weiterer Geiseln in Nuseirat im Gazastreifen aus nächster Nähe mitanzusehen – während sie selbst weiter in der Gewalt der Terroristen bleiben. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Das Forum der Geisel-Angehörigen kommentierte das Propaganda-Video: „Dieser kalkulierte Akt psychologischer Folter ist ein krasses, abscheuliches Beispiel von Grausamkeit“, hieß es in einer Mitteilung. Als Reaktion hat die israelische Regierung die vorgesehene Entlassung weiterer palästinensischer Häftlinge auf unbestimmte Zeit verschoben. Das teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in der Nacht auf Sonntag mit. Vor der Entlassung weiterer Häftlinge müsse die Hamas die demütigenden Zeremonien bei der Freilassung israelischer Geiseln beenden.
Waffenruhe zwischen Israel und Hamas vor dem Aus?
Laut der Zeitung Time of Israel könne die Entscheidung sogar zur israelischen Beendigung des Waffenruhe-Abkommens führen. Noch befinden sich mehr als 60 Geiseln in der Gewalt der Islamisten im Gazastreifen, wobei circa die Hälfte wohl nicht mehr am Leben ist.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




„Angesichts der wiederholten Verstöße der Hamas, einschließlich der Zeremonien zur Demütigung unserer Geiseln und der zynischen Ausnutzung unserer Geiseln für Propagandazwecke, wurde beschlossen, die für gestern geplante Freilassung der Terroristen zu verschieben, bis die Freilassung der nächsten Geiseln sichergestellt ist, und zwar ohne die demütigenden Zeremonien“, hieß es in der Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten.
Die Hamas hatte an dem Tag sechs Geiseln freigelassen. Bei der Inszenierung zwangen die Terroristen die Entführten auf einer Bühne der wartenden Menschenmenge zuzuwinken und zu lächeln. Dabei lief laute Musik und palästinensische Fahnen wurden geschwenkt.
Israel und Hamas machen sich gegenseitige Vorwürfe
Bei den beiden Geiseln, die nicht freigelassen wurden und sich das Schauspiel in einem Fahrzeug am Bühnenbereich anschauen mussten, handelte es sich laut der Time of Israel um Eviatar David und Guy Gilboa-Dalal. „Sie zwangen sie zuzusehen, wie ihre Freunde freigelassen wurden und brachten sie dann zurück in die Tunnel. Es gibt keine größere Grausamkeit“, zitierte die Zeitung Gilboa-Dalals Vater.
Die Freilassung der beiden Israelis sei in der ersten Phase des Waffenruhe-Abkommens nicht geplant. Nachdem nun 25 Geiseln aus der Gewalt der Hamas übergeben worden, soll die erste Phase nun enden. Ob die zweite Phase, die zu einem endgültigen Ende des Krieges in Gaza und zur Freilassung der restlichen Geiseln führen soll, zustande kommt, bleibt ungewiss.
Auch die Hamas hat Kritik an seinem Feind geäußert. Israel verzögere die Freilassung palästinensischer Häftlinge. Zudem verlangt die Hamas eine dauerhafte Waffenruhe und einen vollständigen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen. Israel hingegen beharrt auf seinem Kriegsziel der vollständigen Zerstörung der islamistischen Terrororganisation. (Jan-Frederik Wendt)
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