Freilassung von Geiseln

„Psychologische Folter“: Hamas-Video sorgt in Israel für Entsetzen – Netanjahu reagiert

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Die Hamas inszeniert die Freilassung von Geiseln mit Fahnen und Musik. Mit einer Entscheidung sorgen die Terroristen für eine Schockwelle in Israel.

Gaza – Ein Video der Terrororganisation Hamas weckt in Israel entsetzliche Emotionen: Die Filmaufnahmen zeigen, wie zwei israelische Geiseln von Hamas-Kämpfern gezwungen werden, die erfolgreiche Freilassung drei weiterer Geiseln in Nuseirat im Gazastreifen aus nächster Nähe mitanzusehen – während sie selbst weiter in der Gewalt der Terroristen bleiben. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Das Forum der Geisel-Angehörigen kommentierte das Propaganda-Video: „Dieser kalkulierte Akt psychologischer Folter ist ein krasses, abscheuliches Beispiel von Grausamkeit“, hieß es in einer Mitteilung. Als Reaktion hat die israelische Regierung die vorgesehene Entlassung weiterer palästinensischer Häftlinge auf unbestimmte Zeit verschoben. Das teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in der Nacht auf Sonntag mit. Vor der Entlassung weiterer Häftlinge müsse die Hamas die demütigenden Zeremonien bei der Freilassung israelischer Geiseln beenden.

Waffenruhe zwischen Israel und Hamas vor dem Aus?

Laut der Zeitung Time of Israel könne die Entscheidung sogar zur israelischen Beendigung des Waffenruhe-Abkommens führen. Noch befinden sich mehr als 60 Geiseln in der Gewalt der Islamisten im Gazastreifen, wobei circa die Hälfte wohl nicht mehr am Leben ist.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

„Angesichts der wiederholten Verstöße der Hamas, einschließlich der Zeremonien zur Demütigung unserer Geiseln und der zynischen Ausnutzung unserer Geiseln für Propagandazwecke, wurde beschlossen, die für gestern geplante Freilassung der Terroristen zu verschieben, bis die Freilassung der nächsten Geiseln sichergestellt ist, und zwar ohne die demütigenden Zeremonien“, hieß es in der Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten.

Die Hamas hatte an dem Tag sechs Geiseln freigelassen. Bei der Inszenierung zwangen die Terroristen die Entführten auf einer Bühne der wartenden Menschenmenge zuzuwinken und zu lächeln. Dabei lief laute Musik und palästinensische Fahnen wurden geschwenkt.

Israel und Hamas machen sich gegenseitige Vorwürfe

Bei den beiden Geiseln, die nicht freigelassen wurden und sich das Schauspiel in einem Fahrzeug am Bühnenbereich anschauen mussten, handelte es sich laut der Time of Israel um Eviatar David und Guy Gilboa-Dalal. „Sie zwangen sie zuzusehen, wie ihre Freunde freigelassen wurden und brachten sie dann zurück in die Tunnel. Es gibt keine größere Grausamkeit“, zitierte die Zeitung Gilboa-Dalals Vater.

Die israelische Geisel, Tal Schoham, wird von vermummten und bewaffneten Mitgliedern der Terrororganisation Hamas in Rafah im südlichen Gazastreifen an das Internationale Rote Kreuz (IKRK) übergeben.

Die Freilassung der beiden Israelis sei in der ersten Phase des Waffenruhe-Abkommens nicht geplant. Nachdem nun 25 Geiseln aus der Gewalt der Hamas übergeben worden, soll die erste Phase nun enden. Ob die zweite Phase, die zu einem endgültigen Ende des Krieges in Gaza und zur Freilassung der restlichen Geiseln führen soll, zustande kommt, bleibt ungewiss.

Auch die Hamas hat Kritik an seinem Feind geäußert. Israel verzögere die Freilassung palästinensischer Häftlinge. Zudem verlangt die Hamas eine dauerhafte Waffenruhe und einen vollständigen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen. Israel hingegen beharrt auf seinem Kriegsziel der vollständigen Zerstörung der islamistischen Terrororganisation. (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © Abed Rahim Khatib/dpa

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