- VonSimon Schröderschließen
Zusätzliche Geiseln sollen zwischen der Hamas und Israel ausgetauscht werden. Derweil ist die Waffenruhe im Gazastreifen äußerst fragil.
Tel Aviv – Die Hamas im Gazastreifen will heute sechs weitere israelische Geiseln im Austausch gegen Hunderte palästinensische Gefangene freilassen. Schon zuvor hat die Terrorgruppe die Leiche der ebenfalls entführten Shiri Bibas übergeben. Die sterblichen Überreste der Frau und ihrer beiden Kleinkinder hätten eigentlich schon am Donnerstag nach Israel zurückkehren sollen. Doch in dem übergebenen Sarg befand sich die Leiche einer unbekannten Frau.
Der Kibbuz Nir Oz hat inzwischen den Tod seiner Bewohnerin Shiri Bibas in Hamas-Geiselhaft bestätigt. „Der Kibbuz teilt mit tiefem Schmerz mit, dass sie in der Geiselhaft in Gaza ermordet wurde“, sagte eine Sprecherin. Die junge Mutter werde „in Israel an der Seite ihrer beiden kleinen Söhne beerdigt“. Zuvor hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigt, dass es weitere menschliche Überreste an die israelischen Behörden übergeben habe.
Geiselübergabe zwischen Hamas und Israel – Netanjahu-Regierung entsetzt über Tod einiger Hamas-Geiseln
Die Übergabe der sechs lebenden Geiseln soll laut der radikal-islamischen Terrororganisation um 8.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MEZ) in Rafah im Süden des Gazastreifens beginnen und in zwei Phasen erfolgen. Die Männer Omer Schem-Tov, Omer Wenkert, Elija Cohen, Tal Schoham, Hischam al-Sajid und Avera Mengistu sind betroffen. Die Hamas hat diese Namen bestätigt. Im Gegenzug sollen laut palästinensischen Angaben etwa 600 palästinensische Gefangene freikommen, darunter 60 mit langen Haftstrafen.
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Israel hat unterdessen erschütternde Details über den Tod der kleinen israelischen Geiseln Ariel und Kfir Bibas veröffentlicht. „Im Gegensatz zu den Lügen der Hamas wurden Ariel und Kfir nicht bei einem Luftangriff getötet, sondern kaltblütig ermordet“, erklärte Armeesprecher Daniel Hagari. „Die Terroristen haben die beiden Jungen nicht erschossen – sie haben sie mit bloßen Händen umgebracht“, fügte er hinzu. Die Kinder und ihre Mutter Shiri Bibas sollen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besessen haben. Ariel war vier Jahre alt und Kfir erst zehn Monate, als sie entführt wurden.
Verwechslung einer Hamas-Geisel: Waffenruhe im Gazastreifen auf Messers Schneide
Nach der Entführung hätten die Terroristen „grausame Taten“ begangen, um ihre Verbrechen zu verschleiern, erklärte Hagari weiter. Details dazu nannte er nicht. Diese Einschätzung basiere auf forensischen Ergebnissen und geheimdienstlichen Informationen. Die Hamas beschuldigt hingegen Israel, den Tod der Kinder und ihrer Mutter durch einen Luftangriff im November verursacht zu haben, nachdem sie am 7. Oktober 2023 entführt worden waren.
Die Leiche der Frau soll zusammen mit anderen Opfern unter Trümmern begraben worden sein. Daher sei möglicherweise am Donnerstag irrtümlich eine andere Tote übergeben worden, erklärte die Terrororganisation. Israel wertete dies als Bruch der Vereinbarungen zur Waffenruhe und Geiselfreilassung. Die Angaben beider Seiten konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.
Netanjahu verurteilt falsche Geisel-Übergabe der Hamas scharf
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete die Hamas wegen der falschen Übergabe als „grausam und bösartig“ und sprach von „Hamas-Monstern“. Er warnte, dass diese dafür bezahlen würden, und versprach, sich für die Rückkehr aller Geiseln aus dem Gazastreifen einzusetzen.
Unter den heute freizulassenden Geiseln sind zwei Männer, die seit etwa zehn Jahren von der Hamas festgehalten werden. Sie hatten die Grenze zum Gazastreifen auf eigene Faust überschritten und leiden laut israelischen Angaben unter psychischen Problemen. Die anderen vier Männer wurden am 7. Oktober 2023 bei einem Massaker im Süden Israels, das 1.200 Todesopfer forderte, in den Gazastreifen verschleppt.
Versorgung des Gazastreifens erneut von Israel stark eingeschränkt
Israel hat inzwischen den Grenzübergang Kerem Shalom, den wichtigsten für Hilfslieferungen in den Gazastreifen, ohne Angabe von Gründen geschlossen. „Der Grenzübergang Kerem Shalom ist heute geschlossen, und seit gestern ist keine Ausrüstung mehr nach Gaza gelangt“, schrieb Netanjahus Sprecher Omer Dostri auf X.
Kurz vor der Schließung sollen noch etwa zehn Containerhäuser in das abgeriegelte Küstengebiet transportiert worden sein, sagte die Hamas. Diese Behelfshäuser sind eine der zentralen Forderungen der Hamas für die Fortsetzung der Waffenruhe und den Austausch von Geiseln gegen inhaftierte Palästinenser. (sischr/dpa)
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