Wagner-Chef bereit

Russland warnt Staatenbündnis Ecowas vor militärischem Eingriff in Niger

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In Niger spitzt sich die Lage zu. Russland warnt eindringlich vor einer „langwierigen Konfrontation“. Indes bietet die Wagner-Gruppe ihre Hilfe an.

Niamey – In der Sahelregion könnte ein neuer militärischer Konflikt bevor stehen. Nachdem das Militär im Niger am 26. Juli den Staatspräsidenten Mohamed Bazoum entmachtet und festgenommen hat, meldet sich nun auch Russland zu Wort. Die Angst vor einem weiteren Stellvertreterkrieg wächst.

Das russische Außenministerium hat laut dem britischen Sender BBC vor einer „langwierigen Konfrontation“ gewarnt. Hintergrund war die Einberufung einer militärischen Eingreiftruppe durch das Staatenbündnis Ecowas. Offiziell unterstützt Russland den Putsch im Niger bisher nicht. Doch welche Interessen könnte Wladimir Putin und seine Regierung im Niger überhaupt verfolgen?

Russland und der afrikanische Kontinent: Wagner hilft beim Zurückdrängen des Westens

Bereits seit Jahren versucht der Kreml seinen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent auszubauen. Dabei kommt jedoch nicht die reguläre russische Armee zum Einsatz, sondern die Söldnertruppe Wagner. Dabei geht es Russland auch um wirtschaftliche Interessen in den Regionen, wie die Tagesschau schreibt. Aber auch der Ausbau des politischen Einflusses in der Region und das Zurückdrängen des Westens, ist ein Ziel von Wagner und Russland.

Niger verfügt beispielsweise über Bodenschätze wie Gold, Öl und Uran. Die Wagner-Gruppe ist bereits in Mali und Burkina Faso aktiv, hier werden der Gruppe immer wieder schwere Verbrechen zur Last gelegt.

Ähnlich wie in den beiden Nachbarstaaten könnte sich auch die Militärjunta im Niger nun Unterstützung bei der Söldnertruppe suchen. Deren Chef, Jewgeni Prigoschin, hatte die machthabenden Militärs in einem Video bereits dazu aufgefordert, mit den Söldnern in Kontakt zu treten, wie BBC schreibt.

USA warnen vor Wagner: Russland baut Einfluss in Ex-Kolonialstaat aus

Der US-Außenminister Antony Blinken warnte gegenüber der BBC ebenfalls davor, dass die Wagner Truppe die Instabilität in Niger „ausnutzt“. Bereits am Freitag (11. August) kam es in Niger zu Protesten vor einem französischen Militärstützpunkt in der Nähe der Hauptstadt NIamey.

Ein Anhänger von Nigers regierender Junta hält ein Plakat in den Farben der russischen Flagge mit der Aufschrift „Lang lebe Russland, lang lebe der Niger und die Nigerianer“.

Frankreich und die USA haben Militärstützpunkte in Niger, welche sie in erster Linie für Aktionen gegen dschihadistische Gruppen nutzen, so BBC. Auffällig ist, dass bei den Protesten in Niger immer wieder Russland Fahnen geschwenkt werden. Ob diese gezielt verteilt wurden oder es sich um spontane Aktionen handelte, ist derzeit noch unklar, wie die Tagesschau schreibt.

Sorge um Präsidenten wächst: Berichte über „grausame“ Behandlungen bekannt geworden

Wie es im Niger weitergeht, bleibt abzuwarten. Der Block der Ecowas hatte bereits angekündigt, im Zweifel auch nicht vor einer gewaltsamen Intervention zurückzuschrecken. Wie eine solche aussehen könnte, solle demnach bereits am Samstag (12. August) von Militärvertretern der Staaten ausgearbeitet werden.

Unterdessen wächst weiterhin die Sorge um den entmachteten Präsidenten Bazoum. Ihm und seiner Familie seien „mehrere Tage lang Nahrung, Strom und medizinische Versorgung vorenthalten worden“, wie der EU-Außenbeauftragter Josep Borrell gegenüber BBC zuletzt bekannt gab. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach davon, dass der Präsident mitgeteilt habe, auf „unmenschliche und grausame“ Weise behandelt worden zu sein. „Mein Sohn ist krank, hat eine schwere Herzerkrankung und muss einen Arzt aufsuchen“, soll Bazoum gegenüber Human Rights Watch gesagt haben. (Lucas Maier)

Rubriklistenbild: © Sam Mednick/dpa

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