Streitkräfte-Reform

„Unter Last funktionstüchtig“: So will Pistorius die Bundeswehr gegen Putin aufstellen

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Frostige Zeiten für den Minister: Um die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen, hat er sich bereits im eigenen Hause eine Front geschafften – zu den Sachbearbeitern.
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Die Bundeswehr soll krisenfest werden – mit Führung aus einer Hand und dem Vermeiden von doppelter Arbeit. Minister Pistorius muss jetzt entscheiden.

Berlin – „Die Kopflastigkeit der im Zeitalter des internationalen Krisenmanagements gewachsenen Streitkräftestrukturen ist heute nicht mehr auftragsangemessen“, ist einer der Sätze aus dem 34-Seiten-umfassenden Papier. Das Papier liefert das Ergebnis der Projektgruppe „Struktur Bundeswehr“, die dazu beitragen soll, die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen – also weniger pomadig im Aufbau, dafür effektiver in der Wirkung.

Wie beispielsweise der Businessinsider berichtet, hatten in dieser Projektgruppe 40 Soldaten und Beamten auf Wunsch von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) seit Anfang Januar die Struktur der Bundeswehr nach Verbesserungsmöglichkeiten untersucht. Anfang April will der Verteidigungsminister eine Entscheidung treffen, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Bundeswehr kriegstüchtig auszugestalten.

Ziel ist eine Verschlankung der Bundeswehr in ihren Grundfesten; oder wie das Papier im Amtsdeutsch ausführt: „Für die Erfüllung des Kernauftrags Verteidigung etablieren wir künftig robuste und schnelle Entscheidungswege in der Operationsführung und -planung, die auch unter Last funktionieren, und schaffen die Voraussetzungen für unsere Informationsüberlegenheit. Unklare und abstimmungsintensive Strukturen werden beseitigt und Verantwortung in der neuen Struktur klar verortet. Entscheidungen werden künftig so weit unten wie möglich getroffen. Wir orientieren uns klar an den Bedürfnissen im Ernstfall und auf eine effektive Aufgabenwahrnehmung sowie unsere Wirkung im Ziel.“

Boris Pistorius: Der Minister, der zum Mut gezwungen wird

Eine überfällige Formulierung und Forderung – in seinem Buch „Bedingt abwehrbereit“ hatte bereits lange vorher neben anderen der Hamburger Politikwissenschaftler Carlo Masala gefordert: „Wir brauchen Strukturen, die auf Krise ausgerichtet sind.“ Für ihn habe ein Minister mit Mut gefehlt. Pistorius scheint ihm einer zu sein, der zum Mut quasi gezwungen ist. Das Papier bedeutet eine Vorschlagsliste, entscheiden wird der Minister. Allerdings rennt ihm die Zeit davon.

Kritik geübt an Beschaffungsamt und Verteidigungsministerium hatte zu Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 bereits der deutsche Militärhistoriker Sönke Neitzel: „Die Bundeswehr ist dysfunktional strukturiert, und wenn man da nicht herangeht, wird es nichts mit der Zeitenwende“, sagte er im ZDF in der Talkshow „Markus Lanz“.

Der Militärhistoriker der Uni Potsdam redete Klartext: „Die Bundeswehr pfiff schon 2001 auf dem letzten Loch“, sagte er. Jahrzehntelang sei es im Grunde genommen nicht um Rüstungsbeschaffung für die Bundeswehr gegangen. „Wenn Sie eine Bundeswehr haben, die nicht kämpfen muss, kann sie in Mali oder Afghanistan auch in Friedensmissionen eingesetzt werden. Richtig kämpfen mit Panzern und Flugzeugen musste sie nicht.“ Um das künftig zu können, werden verschiedene Ansätze verfolgt.

  • Vierte Teilstreitkraft: Zusätzlich zu Marine, Luftwaffe und Heer wird künftig eine vierte Teilstreitkraft gleichrangig bestehen: der „Cyber- und Informationsraum“.
  • „Operatives Führungskommandos der Bundeswehr“: Das Einsatzführungskommando, das bislang Auslandseinsätze koordinierte, sowie das Territoriale Führungskommando, das für Einsätze im Inneren zuständig ist, werden zu einem operativen Führungskommando der Bundeswehr (OpFüKdoBw) mit einzelnen Landeskommandos verschmolzen; mit dem Ziel der Führung aus einer Hand für alle vier Teilstreitkräfte.
  • „Kommando Unterstützung“: Streitkräftebasis und Sanitätsdienst sollen zu einer großen Unterstützungseinheit gebündelt werden. Darunter fallen weitere Ämter, wie das das Planungsamt und das Streitkräfteamt. Feldjäger, ABC-Abwehr, Zivil-militärische Zusammenarbeit (CIMIC) und Heimatschutz wechseln inklusive der jeweiligen Kommandos in den operativen Teil des Heeres über. Unter dieses Unterstützungs-Kommando fällt auch der Fachdienst Sanität.
  • Luftfahrtamt der Bundeswehr: Es wird der Luftwaffe als Teilstreitkraft unterstellt. 
  • „Abteilung Fachaufgaben Bundeswehr“: Die Streitkräfte sollen von bundeswehrgemeinsamen Aufgaben entlastet und die von der Wehrverwaltung übernommen werden. Dazu wird dem Verteidigungsministerium eine „Abteilung Fachaufgaben Bundeswehr“ unterstellt, die aber Teil des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen sein wird. 
  • „Embedded Support Organisations“ (ESO): Truppe und zivile Wehrverwaltung sollen besser verzahnt werden mit mobilen Verwaltungselementen innerhalb der militärischen Strukturen.
  • Beschaffungsamt: Verschiedene Einzelmaßnahmen sollen dessen Effektivität steigern, bleiben aber ungenannt. Ziel ist das Vermeiden von Redundanzen.
  • Personalwesen: Im Personalwesen sollen regionale Strukturen einziehen mit vier regionalen Personalzentren unterhalb des Personalamtes der Bundeswehr. Jedes Zentrum soll grundsätzlich gegenseitige Unterstützung leisten können und dort die Rekrutierung neuer Kräfte sicherstellen.

Die deutsche Bürokratie hat mehr Angst vor dem deutschen Rechnungshof als vor den Streitkräften der Russischen Föderation.“

Politikwissenschaftler Carlo Masala in seinem Buch „Bedingt abwehrbereit“

Drängendste Ziele der Strukturreform sind beispielsweise die Munitionsbeschaffung neben der Vergrößerung des Personalbestands. „Zwischen 20 und 40 Milliarden Euro wird die Bundesregierung ausgeben müssen, um die Munitionsbestände auf den Standard zu bringen, der in der Nato vereinbart ist“, sagt Hans-Werner Bartels (SPD) in einer aktuellen Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks. Bartels war zwischen 2015 und 2020 Wehrbeauftragter der Truppe.

Die momentane Dauer der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr beziffert Bartels aktuell auf höchstens zwei Tage. Der angestrebte Personalumfang von insgesamt 203.000 Soldatinnen und Soldaten – davon bis zu 12.500 freiwillig Wehrdienstleistende und 4.500 Stellen für Reservisten – soll unverändert bleiben. Derzeit beträgt die Personalstärke allerdings rund lediglich 184.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und bis zu 5500 Reservisten. Auch der Heimatschutz ist deutlich unter der angestrebten Sollstärke.

Boris Pistorius: Der Minister, der seine Truppe zum Meutern zwingt

Allerdings will Pistorius den Bestand der aktiven Soldaten vergrößern und dafür Personal in der Verwaltung abschmelzen. Bereits Anfang des Jahres hatte die Truppe am Schreibtisch gegen ihn gemeutert. Konkret sollen drei Unterabteilungen des Verteidigungsministeriums aufgelöst werden. Mehr als 200 Dienstposten würden dadurch aus dem Ministerium in den nachgeordneten Bereich der Bundeswehr verlagert. Mehr als 1.000 Dienstposten – und damit mehr als ein Drittel des Hauses – sollten intern umstrukturiert werden. Dagegen wehrte sich der Verband der Beamten und Beschäftigen der Bundeswehr (VBB) – Interessenvertretung von rund 15.000 Beschäftigten – öffentlich mit einer Pressemitteilung.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Die Reorganisation des Verteidungsministeriums mutetet dem Verband aufgrund von Pistorius‘ Äußerung von „vielleicht in der Zukunft abzuschichtenden Dienstposten“ vielmehr an „wie der Versuch an, durch geschicktes Umsortieren Handlungsfähigkeit demonstrieren zu wollen“, wie er schreibt. Die entstandene Unruhe sei ein deutlicher Ausdruck für misslungenes Veränderungsmanagement und bestehende Zweifel vieler Beschäftigten – egal ob Soldaten, Arbeitnehmer oder Beamte – an der gewünschten Wirksamkeit der Maßnahmen.

Für den Wissenschaftler Masala ein klares Zeichen der verwaltungsimmanenten Widerspenstigkeit aus Angst um den eigenen Posten, die dann eventuell auch einen engagierten Minister in die Knie zwingt, „weil keiner den Mut für eine große Reform hat. Weil man Angst hat, es könnten Gelder verschwendet werden, und am Ende ist man auch noch politisch dafür verantwortlich. Die deutsche Bürokratie hat mehr Angst vor dem deutschen Rechnungshof als vor den Streitkräften der Russischen Föderation.“ Militärhistoriker Sönke Neitzel hat gegenüber dem Spiegel von einem pazifistischen Selbstbetrug der Deutschen gesprochen und die These vertreten, die Bundeswehr beschäftige vielleicht zu viele Sachbearbeiter und zu wenige kampffähige Soldaten.

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