Neue Milliardenlöcher

Boxer, Bomber, Boote und kein Bares: Pistorius als Minister der Mangelwirtschaft

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Boris Pistorius kämpft gleichzeitig gegen Wladimir Putin und Donald Trump; und das mutterseelenallein: Der Kanzler und sein Haushälter bleiben stur.

Berlin – Christian Lindner (FDP) hat sich eingegraben. Der Bundesfinanzminister hält seine Position, um die Schuldenbremse zu verteidigen. Boris Pistorius (SPD) allerdings fährt jetzt ein schweres Kaliber auf – die Bild berichtet, im Verteidigungsministerium werde davon ausgegangen, dass im Haushalt rund sechs Milliarden Euro fehlen, um die geplante Modernisierung der Bundeswehr zu realisieren, beziehungsweise um der Nato die versprochenen Leistungen zu bieten: zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung. Jährlich. Laut Bild müsse der Verteidigungsetat um 4,5 bis 6 Milliarden Euro steigen, damit Deutschland auch 2025 das Nato-Ziel erreicht, nachdem dies in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten aufgrund des Sondervermögens gelungen ist.

Eine deutsche Delegation unter Führung von Pistorius bereist derzeit die skandinavischen Nato-Staaten Schweden, Norwegen und Finnland. Es geht einerseits um eine engere militärische Zusammenarbeit, zum anderen will sich Pistorius über die Wehrpflichtmodelle der skandinavischen Staaten informieren. Tatsächlich hat nicht nur der Ukraine-Krieg zu Rissen in der Ampel-Koalition geführt, auch die anstehende Präsidentschaftswahl in den USA könnte die Einheit der Regierung bedrohen. Die Nato muss sich jetzt auch verteidigen gegen Donald Trump, der immer deutlicher als republikanischer Herausforderer des amtierenden Präsidenten Joe Biden hervorsticht und die Nato verlassen will, sollten deren Wehretats zu niedrig bleiben.

Nächstes Projekt über Wasser: Deutschland und Norwegen planen neue Fregatten-Klasse

Knapp 20 Milliarden Euro sind in diesem Jahr aus dem Sondervermögen nötig, damit Deutschland die von der Nato geforderte Quote erreicht. Wahrscheinlich wird das in den kommenden Jahren mehr werden, sollte die deutsche Wirtschaft und damit auch das Bruttoinlandsprodukt wachsen. In Norwegen sprach sich Pistorius dazu bereits für das nächste Projekt der Bundeswehr aus: die Fregatte 127, die Deutschland zusammen mit Norwegen bauen will.

Laut dem militärpolitischen Blog hartpunkt plant Deutschland, innerhalb der kommenden zehn Jahre bis zu sechs Schiffe des Typs F127 zu beschaffen, die die Fregatten der Sachsen-Klasse ersetzen sollen und besonders auf die Luftverteidigung ausgelegt sein werden. Die zukünftigen Fregatten sollen auch für die Abwehr ballistischer Flugkörper ausgerichtet sein. Dafür wird die Beschaffung des Führungs- und Waffeneinsatzsystems Aegis von Lockheed Martin in den USA angestrebt. Außerdem wird gefordert, dass die Schiffe über eine sogenannte Maritime Precision Strike Capability – Long Range verfügen sollen. In anderen Seestreitkräften, wie denen der USA, Großbritanniens und zukünftig auch der Niederlande wird diese Fähigkeit mit Tomahawk-Marschflugkörpern abgebildet.

Nächstes Projekt unter Wasser: Neue U-Boote für schlagkräftige Marine

Pistorius hat in Norwegen darüberhinaus eine Kooperation für U-Boote angesprochen, angedacht sei der Bau von insgesamt sechs Booten der Klasse 212 CD, von denen Norwegen vier und Deutschland zwei in ihre Seestreitkräfte aufnehmen. Die Boote sollen wohl bei thyssenkrupp Marine Systems in Kiel gebaut werden. Dies hänge allerdings davon ab, welche Finanzmittel die Parlamente bereitstellen. Man arbeite jedoch hart daran, so der Minister. Im Zielbild der Marine 2035, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, sind sechs bis neun U-Boote der Klasse 212 CD abgebildet.

Boris Pistorius im Gespräch mit Gebirgsjägern der Bundeswehr bei der Nato-Übung „Nordic Response“. Der Feind steht im Osten wie im Westen; und sein Kanzler und dessen Haushälter schicken ihn vor.

Der Verteidigungsminister addiert also neue Baustellen zu den bereits bestehenden – und das unter einem Haushälter, der wenig Kompromisse kennt, wie Lindner kürzlich dem Handelsblatt gesagt hat: „Wir planen kein neues Sondervermögen. Bis 2028 müssen wir es schaffen, die zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung aus dem regulären Haushalt zu bestreiten. Das ist eine Herausforderung, aber möglich unter zwei Bedingungen: Erstens brauchen wir Wachstum, und zweitens müssen wir die Einführung neuer Sozialausgaben begrenzen“. Die wolle die SPD allerdings verteidigen, wie deren Haushaltsexperte Andreas Schwarz der Bild klargemacht haben soll: Der Verteidigungsetat müsse von 2025 an um einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag steigen. Eine Kürzung in Sozialbereich als Gegenfinanzierung werde die SPD nicht tolerieren. „Wir werden niemals soziale gegen militärische Sicherheit ausspielen.“

Schuldenbremse: ohne Kredite handlungsfähig bleiben

Die Schuldenbremse sieht vor, dass die Haushalte von Bund und Ländern grundsätzlich ohne Einnahmen aus Krediten auszugleichen sind. Diese Regelung ist verankert in Artikel 109 Grundgesetz, der für Bund und Länder den Grundsatz eines ohne Einnahmen aus Krediten ausgeglichenen Haushalts vorschreibt. Für den Bund ist die Schuldenbremse in Artikel 115 Grundgesetz präzisiert:

Im Rahmen des Grundsatzes ausgeglichener Haushalte gewährt Artikel 115 Grundgesetz dem Bund einen eng begrenzten strukturellen, also unabhängig von der konjunkturellen Lage bestehenden, Verschuldungsspielraum. Die maximal zulässige strukturelle Nettokreditaufnahme ist auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes begrenzt. Aufgrund der erheblichen Belastungen der öffentlichen Finanzen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise zum Startzeitpunkt der Schuldenregel im Jahr 2011 gilt diese Obergrenze seit dem 1. Januar 2016; bis dahin musste das strukturelle Defizit des Haushaltsjahres 2010 in gleichmäßigen Schritten zurückgeführt werden.

Konjunkturellen Effekten wird symmetrisch Rechnung getragen: In konjunkturell schlechten Zeiten, in der die Produktionsfaktoren unterdurchschnittlich ausgelastet sind, wird die zulässige Nettokreditaufnahme konjunkturbedingt erhöht, in konjunkturell guten Phasen wird sie im Gegenzug reduziert. Eine Ausnahmeregelung für Naturkatastrophen oder andere außergewöhnliche Notsituationen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigen, sichert die notwendige Handlungsfähigkeit des Bundes zur Krisenbewältigung. Gleichzeitig muss ein Tilgungsplan beschlossen werden, der eine Rückführung der ausnahmsweise bewilligten Kreditaufnahme in angemessener Zeit vorsieht.

Quelle: Bundesfinanzministerium

Eine Ansage, die auch schon Ricarda Lang (Bündnis 90/Grüne) im ZDF gemacht hatte – die Grünen-Chefin wolle die innere Stabilität niemals gegen die äußere Sicherheit ausspielen. Laut der Bild werde auch der Kanzler niemandem etwas wegnehmen, was beispielsweise auch schon der deutsche Militärhistoriker Sönke Neitzel befürchtet hatte: Er hält die Ankündigungen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für Reden für die Galerie. Eine Erhöhung der Steuern sei allerdings für ihn auch kein Thema, betont Finanzminister Lindner immer wieder. Weder Wladimir Putin noch Donald Trump würden ihn zu Ausnahmen hinreißen, wie ihn die Tagesschau interpretiert: Lindner sagte, er sehe eine Ausnahme von den Regeln für Militärausgaben skeptisch, weil die Kapitalmärkte nicht zwischen den Motiven für die Aufnahme von Schulden unterschieden: „Für die Kapitalmärkte sind Schulden gleich Schulden, und zu hohe Schulden führen zu Instabilität.“ Sie heizten möglicherweise die Inflation an und verringerten die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen.

Nächstes Fiasko: Bundesrechnungshof rügt „Preiseskalation“ des Boxer

Finanziell steht Boris Pistorius vor einem Mehrfronten-Krieg, beispielsweise gerät bereits seine Renaissance des Rades zum Fiasko – er plant zur schnelleren Mobilmachung gen Baltikum verstärkt auf den Schützenpanzer Boxer zu setzen. Der Boxer löst künftig den Wiesel ab, doch das wird einem Bericht des Spiegel zufolge teurer als erwartet: Fast 700 Millionen Euro Mehrkosten erwartet der Bundesrechnungshof. Der geplante Kauf von 123 gepanzerten Transportfahrzeugen vom Typ Boxer für die Bundeswehr aus dem Sondervermögen sei zu teuer und zu kompliziert, heißt es in dem vertraulichen Bericht an das Parlament nach Angaben des Spiegel. Demnach seien in der aktuellen Kalkulation „Preiseskalation, Vertragsoptionen, Ausgaben für den Erstbedarf an Munition und noch zu beschaffende Fahrschulfahrzeuge“ noch nicht berücksichtigt.

Bis 2028 müssen wir es schaffen, die zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung aus dem regulären Haushalt zu bestreiten. Das ist eine Herausforderung, aber möglich unter zwei Bedingungen: Erstens brauchen wir Wachstum, und zweitens müssen wir die Einführung neuer Sozialausgaben begrenzen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) im Handelsblatt

In den vergangenen Jahren ist der Verteidigungshaushalt schrittweise angestiegen. 2014 betrug der Soll-Etat noch 32,4 Milliarden Euro. 2017 erhöhte er sich bereits auf rund 37 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 liegt er bei 51,95 Milliarden Euro.

Der Verteidigungshaushalt besteht aktuell aus elf Kapiteln mit insgesamt rund 300 Titeln. Die Ausgaben sind unterteilt in vier Kategorien: Betriebsausgaben, also beispielsweise Personal; Betreiber-Verträge, beispielsweise Instandhaltungskosten von Anschaffungen; Versorgungs-Verpflichtungen, beispielsweise Renten und Pensionen, sowie Investitionen. Für Investitionen sind im Haushalt des laufenden Jahres rund 2,7 Milliarden Euro vorgesehen. Die geplanten Investitionen werden allein aus dem Sondervermögen getätigt – für die folgenden Jahre wittert die Bild deshalb eine Katastrophe: „Bliebe es bei den 52 Milliarden für 2025, stünden nur mickrige 500 Millionen Euro für neue Waffen zur Verfügung. In 2026, auch da sieht die mittelfristige Finanzplanung der Regierung nur 52 Milliarden für die Bundeswehr vor, wären null Euro für Investitionen übrig.“

Nächste Baustelle: Litauen gibt keinen Cent für die Kindergärten der Bundewehr

Auch die Stationierung der Bundeswehr-Brigade in Litauen soll den ursprünglich geplanten Kostenrahmen sprengen: Deutschland solle die meisten Kosten selbst bezahlen, weil deren Soldaten einen höheren Standard gewohnt seien, als die einheimischen Soldaten – das stammt aus Korrespondenzen der deutschen Botschaft in Vilnius mit der Bundesregierung. Nicht zuständig sehen sich die Litauer demnach beispielsweise für den Bau von Schulen und Kindergärten. „Abgesehen von Grund und Boden, den man zur Verfügung stellen würde, so hört man in Vilnius, seien diese Baukosten zu 100 Prozent von Deutschland zu finanzieren“, heißt es in dem Papier vom November. Die Bild spekuliert mit Kosten von fünf Milliarden Euro für diesen Auslandseinsatz.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Auch die Aufrüstung der Luftwaffe mit F-35-Bombern kommt Pistorius teuer zu stehen; längst ist klar, dass die Bundesregierung für die Sanierung beziehungsweise Modernisierung des Fliegerhorstes Büchel in Rheinland-Pfalz Investitionen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro vorgesehen hat im Gegensatz zu den im Jahr 2022 ursprünglich geplanten 260 Millionen Euro. Dieses Plus von 700 Millionen ist dem Umstand geschuldet, dass zur Zeit der Planungen die Stationierung der F-35-Maschinen noch kein Thema gewesen war.

Nächste Drohung: Airbus verlangt 60 neue Eurofighter zur Sicherung von Arbeitsplätzen

Unter Beschuss steht die Ampel-Koalition auch durch Airbus – die Flugzeubauer drängen auf den Startschuss zur fünften Generation des Eurofighters, wie das Handelsblatt berichtet hat: Diese „Tranche 5“ sei die Lebensversicherung des Eurofighters, des Standorts Manching in Bayern und des Kampfflugzeugbaus in Deutschland. Gemeint ist ein fünfter Großauftrag für den Jet, den Airbus‘ Rüstungsbereich Defence gemeinsam mit industriellen Partnern in Großbritannien, Spanien und Italien baut.

Nur wenn die Bundesregierung geschätzte fünf zusätzliche Milliarden in die Weiterentwicklung des Fliegers investiere und noch 50 bis 60 Maschinen bestellte, könne laut Airbus die Produktion nach 2030 weitergeführt werden, bis dann von 2040 an ein neuer gemeinsamer Jet-Typ zusammen mit Frankreich gebaut werden müsste. Verteidigungsminister Lindner gab sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz allerdings hartleibig: Er warnte davor, Schulden als Allheilmittel anzusehen. Weil die Ertüchtigung der Bundeswehr zwar eine existenzielle Frage sei, aber eine strukturelle Aufgabe, die vermutlich über Jahrzehnte währen wird, müsse das über die regulären Staatsfinanzen funktionieren. Klartext: Keine neuen Hypotheken.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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