Aufrüstung der Bundeswehr

Frischer Fuhrpark aus Finnland: Pistorius will Rheinmetall klar im Preis drücken

+
Hat reichlich zu tun: Verteidigungsminister Boris Pistorius will und muss die Bundeswehr aufrüsten – doch nicht um jeden Preis.
  • schließen

Der Fuchs tritt ab, ein neuer Transporter muss her. Boris Pistorius liebäugelt mit einem finnischen Panzer – und zeigt Rheinmetall die kalte Schulter.

Berlin – Da hat sich Armin Papperger vergaloppiert; aber gehörig. Der Tagesspiegel hatte von ihm wissen wollen, wie er zu einer engeren Zusammenarbeit europäischer Rüstungskonzerne stünde – quasi, zu einer nahezu gleichen Ausstattung der einzelnen Streitkräfte über die Ländergrenzen hinweg.

Papperger sieht das skeptisch: „Eine europäische Armee ist doch nur möglich, wenn alle EU-Staaten in ihrer Verfassung verankern, dass ein europäischer Verteidigungsminister sie in den Krieg schicken kann. Können Sie sich das vorstellen? Das ist ein schöner Traum, mehr nicht. Aktuell läuft es bei der Rüstung sogar in die andere Richtung: Renationalisierung statt Europäisierung.“

Den Vorstandschef der deutschen Rüstungsschmiede Rheinmetall hat jetzt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eines Besseren belehrt, wie das Handelsblatt berichtet: Der finnische Rüstungskonzern Patria habe demnach eine Kooperationsvereinbarung mit zwei deutschen Rüstungsunternehmen für den Bau eines Transportpanzers 6x6 für die Bundeswehr unterzeichnet. Patria wird den 6x6 zusammen mit Defence Service Logistics (DSL), das zur deutsch-französischen KNDS Group gehört, und der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) in Deutschland produzieren. Eventuell wird künftig auch komplett in Deutschland in Lizenz gebaut. Das Volumen könnte sich letztendlich auf bis zu 1000 Fahrzeuge belaufen und in eine Produktion bis zum Jahr 2037 münden. Eine Million Euro soll ein einzelnes Fahrzeug kosten.

Das neue Rüstungsprojekt: Ein neuer Fehlgriff durchaus möglich

Der 6x6 von Patria wird nach Medieneinschätzungen den Fuchs-Transportpanzer von Rheinmetall bei der Bundeswehr ersetzen. Zwar wurde der Auftrag noch nicht offiziell erteilt. Patria erfülle mit der Produktion in Deutschland aber eine Bedingung der Ampel-Regierung für den Erwerb des 6x6 für die Bundeswehr. Rheinmetall wäre damit ausgebootet. Das Magazin Soldat&Technik vermutet, dass der Preis den Ausschlag gegeben hat und warnt vor einem möglichen Fehlgriff mit dem finnischen Fahrzeug sowie dem Sparen an der falschen Stelle.

Seit April 2023 gehört Deutschland zu dem ursprünglich von Finnland und Lettland gegründeten Programm CAVS (Common Armoured Vehicle System). CAVS steht für ein Entwicklungsprogramms für ein möglichst günstiges 6×6-Fahrzeug – bezüglich Beschaffungs- und Unterhaltkosten – für den osteuropäischen Raum; oder sogar darüber hinaus. Finnland, Lettland und Estland nehmen seit 2019 an dem Programm teil, Schweden seit 2021. Patria produziert den gepanzerten 6×6 Mannschaftstransportwagen, der als Favorit gilt für die Nachfolge der rund 900 deutschen Transportpanzer Fuchs. Mitbewerber waren der Transportpanzer Fuchs 1A9 von Rheinmetall und der Pandur Evolution von General Dynamics European Land System (GDELS), wie das Magazin Europäsche Sicherheit&Technik berichtet.

Der neue Transporter: Bundeswehr braucht bis zu 1.000 Stück

Tatsächlich bedeutet der bloße Programm-Beitritt eines Landes keine automatische Kaufentscheidung. Denkbar ist auch die Absicht der Bundeswehr, den Wettbewerb um die Fuchs-Nachfolge um einen ernstzunehmenden Kandidaten zu erweitern und sich so in eine bessere Verhandlungsposition gegenüber der Industrie zu bringen. Im Januar 2023 war Boris Pistorius als Verteidigungsminister angetreten, die Bundeswehr schneller, günstiger und praktikabler auszurüsten. „Laufende Projekte werden wir nicht mehr anhalten können, außer sie scheitern“, so der SPD-Politiker gegenüber der Tagesschau damals. Andere Projekte sollen demnach weiterlaufen, „weil wir uns im Rahmen von Verträgen bewegen“, wie er sagte. Aber „von jetzt an“ gelte das Aus für „Goldrandlösungen“ für die Beschaffung von Projekten und insbesondere ihre Planung, betonte der Verteidigungsminister. 

Die allradgetriebene, sechsrädrige Fahrzeugflotte auf Basis des von Rheinmetall gebauten Transportpanzers Fuchs dient in der Bundeswehr seit mehr 40 Jahren und soll nun durch neue Fahrzeuge ersetzt werden. Von den ehemals mehr als 1.400 für die Bundeswehr gebauten Fuchs sind nach Angaben des Generalinspekteurs noch 825 Fahrzeuge im Einsatz, in unterschiedlichen Varianten – vom ABC-Spürpanzer bis zum Truppentransporter. 272 davon in der neuesten Version 1A8.

Die neuen Herausforderungen: genügend Schutz auch gegen Drohnen

Im April 2023 war Deutschland offiziell dem finnisch geführten CAVS-Programm für ein neues 6×6-Transportfahrzeug beigetreten. Diese Entwicklung kam für Beobachter wohl überraschend. Aus den Plänen der Streitkräfte, das Fahrzeug auch im Rahmen der Mittleren Kräfte einsetzen zu wollen, leitet Soldat&Technik ab, dass der Fuchs-Nachfolger über ein hohes Schutzniveau verfügen muss, da die Mittleren Kräfte neben der Landes- und Bündnisverteidigung auch im Rahmen von Stabilisierungsoperationen – wie beispielsweise der Einsatz in Mali – eingesetzt werden sollen. Außerhalb von Lagermauern sei mindestens der Nato-Schutzstandard 3 zu erfüllen – von sechs möglichen Stufen. Das Fahrzeug muss Minen von mindestens acht Kilo Sprengstoff widerstehen können. Da sieht Soldat&Technik Schwierigkeiten heraufziehen.

Leicht, mittel, schwer – die neuen Kräfte der Bundeswehr

Die Umsetzung der von 2025 an geltenden Verpflichtungen der Bundesregierung gegenüber der Nato und die bereits 2014 begonnene Refokussierung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung führte zu strukturellen Anpassungen in künftig drei Kategorien mit verschiedenen Charakteristika:

Leichte Kräfte (beispielsweise Infanterie): gering geschützt gegen Feindeinwirkung, luftbeweglich und schnell in der Luft zu verlegen, wirksam auf kurze Distanz gegen leichte feindliche Kräfte;

Mittlere Kräfte (Grenadiere auf radgestützten Panzern): stark geschützt gegen Feindeinwirkung, eigenbeweglich verlegbar; direkt und indirekt wirksam auf Distanz;

Schwere Kräfte (Kampfpanzer): stärkster Schutz, aufwändig verlegbar, stärkste Wirkung.

Inwieweit der Patria die deutschen Forderungen in den Punkten Schutz und Mobilität zu erfüllen vermag, ließe sich dem Fachblatt zufolge vermutlich nur über Tests durch die Wehrtechnischen Dienststellen klären. Immerhin halten sie für ausgeschlossen, „dass die Bundeswehr ein modernes Gefechtsfahrzeug ohne ausreichenden Schutz wie Brandunterdrückung, ABC-Schutzbelüftung oder ähnliches einführt. Zumindest in diesem Bereich müsste der Patria sicherlich ,germanisiert‘ werden, schreibt Soldat&Technik und vermutet, das würde wiederum den Preis treiben, der sich dann vielleicht doch wieder in der Nähe eines Rheinmetall-Produktes bewegen könnte.

Darüber hinaus zeigten laut Soldat&Technik die Gefechte im Rahmen des Ukraine-Krieges, dass dem Schutz der Fahrzeuge auch in der modernen Landes- und Bündnisverteidigung ein höherer Stellenwert beizumessen sein muss als dies noch zu Zeiten des Kalten Krieges: „Direktbeschuss durch unterschiedliche Handwaffen- und Maschinenkanonenkaliber, Minen und Granatsplitter der Artillerie und Mörser sowie von Drohnen abgeworfene Wirkmittel – oftmals improvisiert – sind für einen erheblichen Teil der Fahrzeugausfälle beider Kriegsparteien verantwortlich. Hier wäre es also hilfreich, wenn die zukünftige 6×6-Fahrzeugfamilie nicht nur gegen den Beschuss durch einfache Infanteriehandwaffen geschützt wäre.“

Wie das Blog Augen geradeaus! berichtet, sollen zunächst 20 Patria für Tests eingekauft werden. Allerdings ist das eine vorsichtige Schätzung, weil die Modernisierung der 6x6-Armada der deutschen Landstreitkräfte ursprünglich aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr erfolgen sollte – bis der Bundesrechnungshof die Pläne der Ampel durchkreuzte und im Wirtschaftsplan radikal herumstrich – eines der sechs für 2023 herausfallenden Projekte ist eben der neue Transportpanzer. Ob und wie viele CAVS-Panzer die Bundeswehr schließlich kaufen wird, steht also weiterhin in den Sternen; sie müssten dann aus dem normalen Wehretat angeschafft werden. Das Handelsblatt zumindest ist optimistisch: „In Rüstungskreisen ist von einem Auftragsvolumen von bis zu 1.000 Einheiten die Rede. Patria plant, 90 Prozent der Panzer für Deutschland zusammen mit DSL und FFG hierzulande zu produzieren.“

Laut Patria-Manager Hugo Vanbockryck könnte bereits Mitte 2025 der erste Panzer an Deutschland geliefert werden. Der erste komplett in Deutschland produzierte 6x6 werde voraussichtlich Anfang 2026 vom Band laufen können. Von 2027 an rechnet Patria mit dem Erreichen der geplanten Produktionskapazitäten in Deutschland in Kooperation mit DSL und FFG, dann sollen 100 Panzer jährlich vom Band rollen.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Die Liste der Baustellen zu einer kriegstüchtigen Bundeswehr ist ellenlang – auch in Bezug auf die Radfahrzeuge, die künftig eine zentrale Rolle in der Nato-Doktrin einnehmen sollen. Zwar steht mit dem Boxer der modernste Radpanzer der Bundeswehr seit zehn Jahren im Truppendienst, allerdings fehlt beispielsweise eine Version als Mörser. Und das bringt scheinbar Rheinmetall-Chef Armin Papperger wieder ins Spiel: Seit rund zwei Jahren arbeitet Rheinmetall nach Informationen von Soldat&Technik an einer Machbarkeitsstudie, inwiefern das „Zukünftige System indirektes Feuer kurzer Reichweite“ – Projektname der Bundeswehr für einen 120-mm-Mörsernachfolger – realisiert werden könnte; auf Basis eines Transportpanzers Fuchs.

Papperger gibt sich gegenüber dem Tagesspiegel jedenfalls gelassen über die Rolle, die Rheinmetall in der europäischen Rüstung künftig spielen wird: „Die Nachfrage ist enorm gewachsen, richtig. Und gleichzeitig suchen wir den Dialog mit den Regierungen, um unsere Produkte zu erklären. Wir drängen niemandem etwas auf, in Fragen von Krieg und Frieden entscheiden allein die Regierungen, was sie brauchen. Die Rüstungsindustrie hat zu dienen und letztendlich zu liefern.“

Kommentare