Russland wählt seinen künftigen Präsidenten. Der designierte Gewinner Wladimir Putin wendet sich ans Volk. Zehntausende haben ihr Kreuz schon gemacht.
Moskau – Die endgültige Entscheidung fällt am Wochenende. Vom 15. bis 17. März sind die Menschen in Russland dazu aufgerufen, ihren künftigen Präsidenten zu wählen. Der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiterhin Wladimir Putin heißen wird. Und das nicht nur, weil sich der als Propagandist bekannte TV-Journalist Wladimir Solowjow in seiner Sendung für den Kreml-Chef mächtig ins Zeug legt.
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Russland wählt Präsidenten: Schon mehr als 40.000 Stimmen abgegeben
Für einige der mehr als 113 Millionen Wahlberechtigten kommt diese Form der Putin-Werbung allerdings zu spät. Denn Zehntausende haben ihr Kreuz bereits gemacht. Die Nachrichtenagentur Tass zitiert Maria Sacharowa: „Die frühe Abstimmung läuft bereits“, sagte demnach die Sprecherin des Außenministeriums. „Sie hat bereits in 23 Ländern stattgefunden und wurde von 29 Wahlkommissionen überwacht. Mit Stand vom 12. März haben bereits mehr als 40.000 Russen ihre Stimme abgegeben.“ Dabei habe es keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben.
Diese vorgezogenen Wahlen gelten auch für abgelegene Regionen in Russland sowie die annektierten Gebiete auf ukrainischem Territorium. Offiziell haben die Menschen die Wahl zwischen Putin und drei Herausforderern.
Wladislaw Dawankow ist stellvertretender Vorsitzender der Staatsduma und tritt für die Partei Neue Leute an, die grundsätzlich den Amtsinhaber unterstützt. Nikolai Charitonow führt die Kommunistische Partei der Russischen Föderation an. Leonid Sluzki ist der Kandidat der rechtsextremen Liberaldemokratischen Partei Russlands. Vor sechs Jahren waren es noch doppelt so viele Kandidaten gewesen und Putin hatte sich mit mehr als drei Viertel der Stimmen durchgesetzt – es war sein bestes Ergebnis.
Kandidat
Alter
Nikolai Charitonow
75
Wladislaw Dawankow
39
Wladimir Putin
71
Leonid Sluzki
55
Video: Nawalnaja ruft zu Protest bei Präsidentenwahl in Russland auf
Putin vor der Wiederwahl: Präsident sieht Stimmabgabe als „Ausdruck von Patriotismus“
Damals lag die Wahlbeteiligung bei 76,5 Prozent. Auf die Zahl bei dieser Wahl wird wohl international ganz besonders geschaut, zumal Manipulationen befürchtet werden. So rief Julia Nawalnaja, Witwe des in einem sibirischen Gefangenenlager gestorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny, die Bürger zum Protest auf. Sie sollten gegen Putin stimmen oder ihren Wahlzettel ungültig machen. Auch andere Oppositionelle hegten Hoffnung auf ein Ende der Herrschaft des einstigen Geheimagenten, der diverse Kriege führen lässt.
Der Kreml-Chef, der eine Rekordbeteiligung anstrebt, redete seinem Volk derweil ins Gewissen. Mit der Stimmabgabe würden die Menschen auch „ihr persönliches Engagement für die Zukunft Russlands klar zum Ausdruck bringen“. Weiter sagte Putin in seiner Ansprache: „Ich bin zuversichtlich, dass Sie wahrnehmen, dass unser Land durch eine schwierige Zeit geht und wir in so ziemlich jeglicher Hinsicht vor gewaltigen Herausforderungen stehen. Damit wir ihnen weiterhin mit Würde begegnen und Schwierigkeiten erfolgreich überwinden können, müssen wir vereint und selbstbewusst bleiben.“
Es gehe darum, Russlands Freiheit zu sichern. „An der Wahl teilzunehmen, ist ein Ausdruck von Patriotismus“, verdeutlicht der 71-Jährige und schlägt einen Bogen zu den Bürgern in den annektierten Gebieten in der Ukraine, die während der Referenden trotz schwieriger Umstände für eine Einigkeit mit Russland gestimmt hätten.
Putin will Präsident bleiben: Soldaten „zeigen Mut und Heldenhaftigkeit“
Damit aber nicht genug der Verweise auf den Ukraine-Krieg: „Unser Militär an den Frontlinien wird ebenfalls wählen. Sie zeigen Mut und Heldenhaftigkeit, verteidigen unser Vaterland und nehmen an den Wahlen teil, um ein Beispiel für uns alle zu geben.“
Alle Menschen in Russland würden eine große Familie darstellen. „Wir kümmern und sorgen uns um unser Heimatland. Wir wollen, dass es gedeiht, dass es stark, frei und wohlhabend ist. Wir wollen, dass sich der Lebensstandard und die Lebensqualität verbessern. Und so wird es sein“, betonte Putin in klassischer Politiksprache und versprach: „Wir werden alles genau so machen, wie wir es wollen.“
Derweil erklärte Ella Pamfilova, Vorsitzende der Wahlkommission, laut Tass, dass 113.574.550 Wahlzettel vorbereitet seien. „Jeder davon wird von mehreren Sicherheitsstufen geschützt“, wird die einstige Vorsitzende der Menschenrechtskommission zitiert. Es sei unmöglich, die Wahlzettel zu fälschen. Sie würden alle in den Wahllokalen bereitliegen. Und warten damit nur noch auf die Kreuze der Wähler. (mg)