Kündigung ist raus!

Was passiert, wenn dein Unternehmen kein Home-Office mehr anbietet

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Eine Studie gibt Einblicke, wie Deutsche über Flexibilität am Arbeitsplatz denken und was sie sich wünschen. Spoiler: Präsenzpflicht ist es nicht.

Spätestens seit Beginn der Corona Pandemie ist die Arbeit von zu Hause nicht mehr nur eine seltene Ausnahme, sondern in vielen Unternehmen Teil des Arbeitsalltags. Kein (langer) Arbeitsweg, mehr Flexibilität – all das spricht eindeutig für Home-Office, auch wenn Trigema-Chef Wolfgang Grupp da eine ganz andere Meinung hat.

Wie wichtig Home-Office in den letzten Jahren geworden ist, zeigt die Studie „State of Hybrid Work 2023“ von Owl Labs und Vitreous World. Für sie wurden im Juni und Juli 2023 12.000 Beschäftigte in verschiedenen Ländern zu ihrer Meinung befragt. Was sich die Deutschen wünschen und wie wichtig ihnen die Flexibilität vom Home-Office ist, hat BuzzFeed News Deutschland für dich zusammengefasst.

Home-Office statt Präsenzpflicht – das wünschen sich Arbeitnehmer:innen. (Symbolbild)

Auch beim Thema Vaterschaftsurlaub müssen deutsche Unternehmen noch aufholen.

Home-Office: „In Deutschland herrscht eine starke ‚Präsenzpflicht‘“

Trotz Pandemie „herrscht in Deutschland eine starke ‚Präsenzpflicht beziehungsweise Anwesenheitspflicht‘ am Arbeitsplatz“, so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hinzu kommt, dass Home-Office im Gesetz nicht eindeutig geregelt ist. Arbeitnehmer:innen können zwar, soweit möglich, Home-Office beantragen, doch Arbeitgeber:innen können dies ohne Begründung ablehnen. Ein grundsätzliches Recht auf mobiles Arbeiten gibt es nicht. Laut der Studie fordern 61 Prozent der deutschen Arbeitnehmenden jedoch genau das.

Laut Koalitionsvertrag der SPD, Grünen und FDP sollen Beschäftigte künftig einen Anspruch auf Home-Office haben. Unternehmen sollen Anträge nur aus betrieblichen Gründen ablehnen können und nicht wie bisher ohne Begründung. „Mitarbeitende sollten dort arbeiten dürfen, wo sie am produktivsten sind“, findet dazu Frank Weishaupt, Geschäftsführer des Technologieunternehmens Owl Labs, das die Studie in Auftrag gab.

Viele Beschäftigte wünschen sich ein Recht auf Home-Office. (Symbolbild)

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Kein Home-Office? Kündigung ist raus!

Ähnlich sehen das auch 40 Prozent der Beschäftigten, die ihre Zeit zwischen Büro und ihrem Zuhause aufteilen. Sie gaben an, dass sie wahrscheinlich kündigen würden, sollten ihre jetzigen Arbeitgeber:innen Home-Office verbieten. Etwa 33 Prozent gaben an, dass sie zumindest vorerst noch ins Büro zurückkehren, sich aber gleichzeitig nach einem anderen Job umschauen würden – wir nennen das „Quiet Quitting“. Im Gegensatz dazu erklärten sieben Prozent der Leute, dass sie bei einem Home-Office-Verbot sofort kündigen würden, ähnlich wie es Mitarbeitende beim „Loud Quitting“ machen.

Die positive Nachricht: Wahrscheinlich müssen sie das nicht. Denn „remote work“ wird nicht nur bei Arbeitnehmenden beliebter. Laut Studie steigt gleichzeitig auch das Vertrauen der Arbeitgebenden in dieses neuere Arbeitsmodell – aber eben langsam. Noch befürchten 43 Prozent der Deutschen, dass ihre Vorgesetzten sie für weniger vertrauenswürdig und weniger fleißig halten, wenn sie im Home-Office und nicht im Büro arbeiten.

Wenn der Arbeitsplatz nicht moderner werden will, wollen Arbeitnehmer:innen kündigen. (Symbolbild)

Flexibilität ist für Arbeitnehmer:innen das A und O

Laut Studie wird Flexibilität auf dem deutschen Arbeitsmarkt immer wichtiger. Für einen flexiblen Arbeitsplatz würden 37 Prozent der Befragten auf etwa zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. Noch mehr wünschen sich flexible Arbeitszeiten (39 Prozent) und wären bereit, dafür Lohneinbußen hinzunehmen. Nur die Vier-Tage-Woche ist noch beliebter: 45 Prozent würden für mehr Freizeit sogar auf mehr als zehn Prozent ihres Gehaltes verzichten. Kein Wunder, denn die Deutschen haben viel weniger Zeit für sich selbst, als noch vor einigen Jahren.

Aber wie es in Deutschland nun einmal ist, steht der Flexibilität, die Technik und die Digitalisierung im Weg. Daran wird wahrscheinlich auch der Deutschland-Pakt nichts ändern. Viele von uns kennen diesen Moment: eigentlich müssten wir in einem Meeting sitzen, aber das Programm funktioniert nicht oder das Internet hat sich gerade verabschiedet. Das spiegelt sich auch in den Umfrage-Ergebnissen wider: 80 Prozent gaben an, dass technische Schwierigkeiten sie im Home-Office bereits wertvolle Zeit gekostet haben. Deshalb wünschen sich 33 Prozent bessere Videokonferenztechnologie von ihren Arbeitgebenden, gefolgt von KI-Assistenten (26 Prozent).

Wenn die Technik nicht funktioniert, ist das im Büro und im Home-Office nervig. (Symbolbild)

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